Das rasante Tempo im KI-Zeitalter, die richtige Positionierung sowie ein Tipp fürs Chef-Mindset – Unternehmer und Coach Sven Schöpker verrät uns im Gespräch, wie er die Besucher des Events „HeroCon 2026“ mit seinem Impulsvortrag wachrütteln möchte. Und warum er das muss.

handwerk magazin: Herr Schöpker, wer jetzt handelt, gewinnt. Wer zögert, verliert – das ist Ihre These für die „HeroCon 2026“. Ist es denn wirklich so einfach?
Sven Schöpker: Immer wieder höre ich derzeit in Gesprächen mit Handwerksunternehmern: Wir warten jetzt erst mal ab, wie sich die Dinge entwickeln. Doch wer in der heutigen Zeit sagt, Abwarten ist die Strategie der Zukunft, der ist aus meiner Sicht nicht auf dem richtigen Weg. Unternehmertum kommt ja von etwas Unternehmen und nicht von etwas Nicht-Unternehmen.
Das heißt, wir sind heute mehr denn je im Handwerk gefordert, uns jeden Tag den Herausforderungen zu stellen, energisch und auch konsequent Strategien nicht nur zu entwickeln, sondern vor allem Dinge auch umzusetzen. Und wer da einfach in der Geschwindigkeit nicht mehr mithalten kann, die es erforderlich macht, heutzutage immer wieder auch sein Unternehmen neu zu denken, der wird in Zukunft deutliche Wettbewerbsnachteile haben oder sogar gar nicht mehr am Markt existieren. Das ist meine These, ja.
Was unterscheidet 2026 als Krisenjahr jetzt von den anderen Jahren seit der Coronapandemie?
Es gibt auf der einen Seite viele Parallelen, etwa die massiven Preissteigerungen im Einkauf. Ich höre fast täglich, dass sich Handwerksunternehmer darüber beschweren. Und im Privatkundensegment ist es faktisch unmöglich, irgendeine Preisgleitklausel zu vereinbaren. Das, was heute völlig anders ist, ist die gefühlt doppelt so hohe Geschwindigkeit. Beispiel KI: Wenn man vor zwei Jahren noch gesagt hat, mit KI müsste man jetzt mal anfangen, dann ist es heute eher so, dass KI in den erfolgreichen Betrieben sowieso schon Einzug gehalten hat. Die Herausforderung liegt heute darin, jeden Tag aufs Neue zu entscheiden, welches KI-Tool das Beste für mich ist.
Sehen wir die Lage aktuell in Deutschland eigentlich zu schwarz?
Nein, in Deutschland stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen, die meines Erachtens auch derzeit nicht ausreichend von der Politik gelöst werden. Es kann allerdings nicht die richtige Strategie sein, zu sagen, dass es der Staat schon richten wird. Sondern man muss als Unternehmer eigene Konzepte finden und seine unternehmerischen Aufgaben erfüllen.
Unternehmerische Aufgabe ist ein gutes Stichwort. Im Vorfeld Ihres Coachings können Betriebe eine Analyse machen, wie fit sie für die Zukunft sind. Wie fallen diese Analysen derzeit aus?
Grundsätzlich muss man mal festhalten, dass 30 Prozent aller Handwerksbetriebe in Deutschland möglicherweise die nächsten Jahre nicht überstehen werden. Das liegt schon daran, dass 30 Prozent aller Handwerksbetriebe in Deutschland eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent haben. Das heißt, es sind keine Rücklagen, gar keine Reserven da, damit man auch mal eine längere Durststrecke überstehen kann. Und meine These ist zudem, dass ein Großteil der Handwerksunternehmer die Augen und Antennen nicht sehr weit geöffnet und ausgefahren hat und sich nicht mit neuen Dingen beschäftigt.
Woran liegt das?
Im Handwerk existiert zu häufig noch die Denkweise, dass es doch die letzten 20 Jahre gut gelaufen ist, die nächsten 20 Jahre werden wohl auch gut werden und gut bleiben. Ich glaube nur, die Erfolgsrezepte der vergangenen 20 Jahre werden nicht mal mehr die für die nächsten fünf Jahre sein. Wer sich also heute nicht auf diese neuen Marktbedingungen einstellt, der wird keine Zukunft haben. Ein guter Leitsatz aus unserer Beratung: Wer in der Krise stehen bleibt, wird von der Zukunft überrannt. Das gilt sicherlich für viele.
Ihr Coaching ist sehr individuell, jeder Betrieb tickt anders. Welche Schritte sollten dennoch alle vorausschauenden Chefinnen und Chefs aktuell machen?
Grundsätzlich ist jeder gut beraten, über seine strategische Ausrichtung und Positionierung nachzudenken. Das ist ja letztendlich immer das Fundament eines jeden Unternehmens. Beim Hausbau fange ich auch mit dem Fundament an. Und wenn dieses nachher zu klein ist, zu groß ist, zu schmal ist, zu breit ist, wird alles, was ich da obendrauf baue, in sich zusammenstürzen. Und das Fundament eines Unternehmens ist eben die Strategie und die Positionierung. Wo will ich langfristig hin? Welche Kunden sind für mich diejenigen, für die ich tätig sein möchte? Welches Leistungsspektrum will ich anbieten? Wie kann ich für eine Zielgruppe mit Abstand die beste Leistung bieten? Wo kann ich der Beste werden? Viel zu viele Handwerksbetriebe haben noch einen zu großen Bauchladen, werden als Experten gar nicht wahrgenommen.
Der Chef-Mindset-Experte: Sven Schöpker im Kurzportät
Sven Schöpker ist Unternehmer, Speaker und Gründer der „Mission Starkes Handwerk“. Als gelernter Tischler und studierter Betriebswirt (FH) hat er den elterlichen Betrieb in vierter Generation übernommen und unternehmerisch weiterentwickelt. Aus diesen Wurzeln schuf er mit der Raumfabrik ein erfolgreiches Projekt, das zeigt, wie moderne Zusammenarbeit im Handwerk zukunftsfähig funktioniert. Seine eigene Laufbahn belege, „wie wichtig neben handwerklichem Können auch unternehmerisches Denken ist“, so Schöpker. Genau bei diesem "Chef-Mindset" setzt die „Mission Starkes Handwerk“ an: Sie unterstützt Betriebe dabei, ihre internen Prozesse zu verbessern, Mitarbeiter zu gewinnen und sich klar am Markt zu positionieren. Dabei verbindet Schöpker fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen mit echter Praxiserfahrung. Er kennt die Herausforderungen des Handwerks aus erster Hand – und gibt dieses Wissen gezielt und verständlich weiter.
Mit Ihrem Impulsvortrag auf der „HeroCon“ wollen Sie das Handwerk weiterbringen. Ein Aspekt, den wir noch nicht thematisiert haben?
Ein kleiner Spoiler ist vielleicht, die Dinge nicht immer so komplex zu sehen, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Manchmal hilft es eben auch, die einfachen Dinge wiederzuerkennen und vor allen Dingen einfach mal umzusetzen. Mein Leitsatz ist ja immer: Einfach mal machen, es könnte ja gut werden. Einfach auch mal mit 80 Prozent zu starten, anstatt in so einer deutschen Mentalität immer irgendwie zu meinen, es müsste perfekt sein, bevor wir mit etwas starten. Das ist ja Unsinn. Es geht darum, loszulegen. Deswegen ist die „HeroCon“ natürlich eine super Möglichkeit, damit die Besucher durch die vielen Impulse ins Handeln kommen.
Welches Gefühl wird Sie beschleichen, wenn Sie im Juni, am letzten Abend des Events, den Signal Iduna Park verlassen werden?
Es wird so sein, dass wir mit Sicherheit viele gute Gespräche geführt haben. Es wird auch so sein, dass wir diese Energie auch von der „HeroCon“ mitnehmen werden – im letzten Jahr war es ja schon eine fantastische Veranstaltung! Für uns selbst ist so ein Event auch sehr bereichernd. Und deswegen weiß ich jetzt schon, dass ich an dem Samstagabend mit Sicherheit sehr happy nach Hause gehen werde.
HeroCon 2026: Wissen meets Festival
KI und Automation, Zukunftskräfte und Wachstum – das sind die diesjährigen Fokusthemen der „HeroCon 2026“. Dabei verfolgen die Macherinnen und Macher des Events, das am 12. und 13. Juni 2026 wieder im Dortmunder Signal Iduna Park stattfindet, einen klaren Auftrag: das Handwerk im ständigen Wandel zu begleiten. „Wir bringen Experten, Vordenker und Praktiker zusammen, um praxisnahe Lösungen für Digitalisierung, Fachkräftegewinnung und bessere Aufträge zu bieten“, heißt es auf der Website. Teilnehmer können sich auf interaktive Workshops, Wissenstransfer, Festival-Stimmung und Futter für ihr Chef-Mindset freuen. Mehr unter:
Jetzt hatten wir eingangs viel über Druck im Jahr 2026 gesprochen. Wie gelingt es Ihnen persönlich, gelassen zu bleiben?
Indem ich jeden Vormittag und jeden Abend, so ein kleiner Geheimtipp, den Tag ein bisschen Revue passieren lasse. Und das mache ich mit dem Drei-Minuten-Tagebuch. Darin schreibe ich auf, was an diesem Tag gut war. Was ist mir besonders gut gelungen? Welche Dinge habe ich getan, um das Leben anderer Menschen zu bereichern? Wenn man sich jeden Tag mit diesen Fragen beschäftigt, morgens und abends, dann lenkt man seine Energie auf die positiven Dinge. Das hilft sehr, um gelassener zu werden und mit den Herausforderungen besser umgehen zu können – statt sich von der Social-Media-Welt täuschen zu lassen.
