Fahrbericht Iveco eMoovy: Top-Beschleuniger der Klasse mit hoher Zuladung

Handwerker bitte genau hinschauen: Der schicke Iveco eMoovy rennt schnell, schleppt viel und sieht auch noch schick aus. Ein Elektrotrans­porter mal ganz anders.

Einstiegsklasse für die City: Mit dem Iveco eMoovy hinein ins Getümmel auf dem Baumarkt-Parkplatz.
Einstiegsklasse für die City: Mit dem Iveco eMoovy hinein ins Getümmel auf dem Baumarkt-Parkplatz. - © Randolf Unruh

Das Treffen ist zufällig: Soeben schaut der Iveco eMoovy nach einem anstrengenden Verbrauchstest aus müd-matten Scheinwerferaugen und freut sich auf eine Pause an der Ladesäule. Da parkt beim Hyundai-Händler der Kollege Hyundai Staria, dessen extrovertiertes Fahrerhaus eine Basis fürs Hyundai-Fahrgestell des eMoovy bildet. Der Transporter sieht zwar nicht ganz so flott aus, ist mit seinem vollelektrischen Antrieb dem feinen Van jedoch einen Schritt voraus.

Tief unter der Motorhaube steckt eine E-Maschine mit 160 kW/218 PS Leistung. Das klingt für einen 3,5-Tonner mehr als angemessen. Und führt in der Realität zu wahren Leistungsexplosionen, egal, welcher der beiden Fahrmodi gewählt ist. Nie wetzte ein Transporter dieser Gewichtsklasse schneller im Standardsprint auf 100 Sachen, nie brauste einer flotter los bei der Zwischen­beschleunigung. Wer Transporterfahrer kennt, wünscht sich bei aller Fahrfreude eine Dämpfung des überschäumenden Temperaments, das schont Stromverbrauch, Reifen, auch Nerven. Im Zaum hält dies alles eine gut abgestimmte Rekuperation, mit vier Stufen einschließlich One-Pedal-Modus mit Abbremsung bis zum Stillstand sowie einer flink ansprechenden Bremse. Dem Antrieb ist das Thema Gewicht schnurz, wenn der Testwagen anreißt, spielt Ballast im Heck keine Rolle.

Im Iveco eMoovy sitzt der Fahrer niedrig

Zurück auf Anfang. Die Türgriffe des ­Iveco eMoovy sind ein Fall für kräftige Handwerker-Pranken. Einsteigen erinnert eher an Hineingleiten, denn die Sitzposition ist niedrig. Sie passt perfekt, es gibt reichlich Platz, die Sessel sind bequem, zwischen den Vordersitzen dehnt sich ein großer Ablagekasten. Etwas klobig, aber wie die Türgriffe per Fausthandschuh zu bedienen, ist der mittige Tastaturklotz zur Wahl der Fahrtrichtung. Ein Tastendruck weckt die Technik, die ­digitalen Armaturen auf dem Instrumenten-Tablet schnellen hoch, sie sind eleganten Rund­instrumenten nachgebildet. Der Monitor in Cockpitmitte ist für Grundfunk­tionen nicht notwendig. Aber die Touchflächen darunter für Klimatisierung und anderes verlangen einen ­konzentrierten Blick.

Das führt unterwegs zu strengen Ermahnungen, denn an Bord versteckt sich ein unnachgiebiger Fahrlehrer. Hier ist’s eine Kamera auf der Lenksäule, also Augen geradeaus. Der unsichtbare Begleiter rupft auch heftig am Lenkrad, falls der eMoovy die Spurmitte verlässt, unangenehm auf kurvigen Landstraßen. Auch hat der Wächter Sehprobleme angesichts von Tempobegrenzungen und Ortsschildern, möchte einen manchmal mit Tempo 70 durchs Dorf pfeifen lassen. Die Sicht ist ohnehin so eine Sache, die ­Instrumente mögen keine tief stehende Sonne, die Scheinwerfer sind funzelig und die kleinen Außenspiegel vom Staria mit ihrem mageren Sichtfeld nicht für Transporter gemacht.

Der Iveco eMoovy liegt in den Kurven wie ein Brett

Anders das Chassis, denn Hyundai ist für das Transporterfahrgestell umgeschwenkt auf einen Leiterrahmen mit starrer, blattgefederter und breitspuriger Hinterachse. Ergebnis: Der eMoovy liegt in Kurven wie ein Brett, federt indes ebenso. Das ändert sich auch bei voller Beladung nicht grundlegend. Zu den Pluspunkten des Fahrwerks gehört die fein abgestimmte elek­trisch unterstützte Lenkung.

Der niedrige Rahmen umgreift das Batteriepaket zwischen den Achsen seitlich. Es gibt nur einen Radstand – passt, oder passt nicht. Im Fall des Testwagens setzt Spier einen sowohl schlanken als auch leichten Koffer auf. Ohne Hilfsrahmen, daher beträgt die Ladehöhe hinten lediglich 520 Millimeter. Eine passende Klapprampe anstelle der Heckflügeltüren hat Spier noch nicht entdeckt. Also heißt es beim Umgang mit Rollbehältern, eine Rampe anlegen, etwa für Bäckereien oder Wäschereien.

Leichter Koffer Typ "Athlet Plus" von Spier

Der Aufbau des Typs Spier Athlet Plus setzt sich aus schlanken 17-Millimeter-Wänden mit Außen- und Innenhaut aus GfK sowie einem Kern aus PE (Poly­ethylen) zusammen. Der Boden mit PU-Isolierung (Polyurethan) trägt eine rutschhemmende Oberfläche. Da das Fahrgestell lediglich rund zwei Tonnen wiegt und der Aufbau ebenfalls zu den Fliegengewichten zählt, dürfen Fahrer und Fracht zusammen knapp 1,2 Tonnen auf die Waage bringen, das ist ein Wort für einen E-Transporter dieses Formats. Eine Anhängelast ist indes nicht freigegeben und die knappen zulässigen Achs­lasten von 1,62 und 2,0 Tonnen verlangen Aufmerksamkeit bei der Lastverteilung.

Iveco eMoovy 35F16E
  • Abmessungen (L/B/H): 5.550/2.020/2.370 mm
  • Radstand: 3.500 mm
  • Wendekreis: 13.100 mm
  • Laderaum (L/B/H): 2.660/1.980/1.900 mm
  • Breite zw. Radkästen: 1.320 mm
  • Ladekapazität: 10,0 m³
  • Leergewicht Testwagen: 2.330 kg
  • Nutzlast: 1.170 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Anhängelast bei 12 % Steigung: nicht freigegeben
  • Zul. Zuggesamtgewicht: nicht freigegeben
  • Batterie: Lithium-Ionen, netto 73,4 kWh
  • Aufladung: Wallbox 11 kW, Schnellladung max. 350 kW
  • Motor: E-Motor vorn, Frontantrieb
  • Leistung: 160 kW/218 PS
  • Drehmoment: 350 Nm
  • Getriebe: Einganggetriebe, feste Übersetzung
  • Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
  • Verbrauch (WLTP): 30,2 kWh WLTP
  • CO2-Emission: 0 g/km
  • Teststrecke beladen: 28,5 kWh/100 km
  • Testverbrauch min./max.: 21,7–39,4 kWh/100 km
  • Grundpreis: keine Angabe

Gemäßigter Strom-Durst

Trotz des recht flachen Aufbaus mit abgerundeten Kanten, einer Seitenverkleidung sowie der Begrenzung auf Tempo 120 bewegt sich der Stromverbrauch im Mittelfeld der Klasse. 28,5 kWh schluckte der Testwagen im Schnitt, das reicht angesichts von 73,4 kWh Batteriekapazität für rund 250 Kilometer. Er hätte niedriger ausfallen können, denn der Test­wagen verzichtete auf den wahlweise aufgedoppelten Dachspoiler. Bei flotter Marschfahrt auf der Autobahn verstoffwechselt der eMoovy rund 40 kWh auf 100 Kilometer, dann stürmt der Wind ums Dachgebälk.

Aber es steht ja „Einstiegsklasse für die City“ auf den Flanken. Bei artgerechter Nutzung nähert sich der Konsum der Marke von 20 kWh. In der Stadt ist beim Hyundai-Händler auch der feine Staria anzutreffen, der angesichts des rustikaleren Transporters in der nahen Verwandtschaft ein wenig grimmig dreinschaut. Soll er doch, ab zum Ladepark, dank aufwendiger 800-Volt-Architektur rasch Strom bunkern.

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