Ein Blick – nicht nur – in Richtung Berlin (Stromausfall) zeigt laut unserer Kolumnistin Ruth Baumann, wie es um unser Land bestellt ist. Die letzten Jahre seien einer Nachhaltigkeit gewidmet gewesen, die eine wichtige Standortvoraussetzung vernachlässigt habe: die nötige Daseinsvorsorge. Mehr dazu in dieser Folge von "Neues von der Werkbank".

Viele gute Wünsche begleiten jeden Bürger in das neue Jahr 2026. Gesundheit, Frieden und oft auch wirtschaftlicher Erfolg. Sind diese Wünsche ehrlich und aufrichtig, nicht nur protokollarisch gemeint, mögen sie sich erfüllen.
Die bisherigen Bemühungen um Nachhaltigkeit sollen weder kleingeredet, komplett in Zweifel gezogen oder gar in Gänze kritisiert werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Ressourcen gibt schon der gesunde Menschenverstand, gepaart mit kaufmännischer Verantwortung, vor. Wenn aber ein Begriff derart überall strapaziert wird, muss auch ein genauer Blick auf die Realität erlaubt sein.
Vorsorge, Eigenverantwortung und eigenes Handeln wurden verlernt
Schon die Tierwelt trifft selbstverständlich angesichts der vier unterschiedlichen Jahreszeiten Vorsorge. Vorräte werden gesammelt, man zieht in den Süden oder macht „einfach mal Pause“ – den Winterschlaf. Die Spezies „Mensch“ scheint teilweise hiervon nicht beeindruckt. Ein Winter mit Schnee, was ja nicht außergewöhnlich ist, scheint das Leben und selbst den Zugverkehr schon zu überfordern. Hadern wir schon mit dem normalen Alltag oder ängstigen wir uns gar vor dem realen Leben? Hitze und Kälte – beides ist möglich und man kann sich darauf z. B. durch Kleidung einstellen.
Nicht alles begründet Stress, Alarm, Hilflosigkeit oder den Ruf nach Vater Staat. Wir haben in unserem Nachhaltigkeitsmodus drei Dinge verlernt: Vorsorge, Eigenverantwortung und eigenes Handeln. Wir schauten zu, wie unsere Infrastruktur im Laufe der letzten Jahre verluderte und leider auf vielen Feldern keine Instandhaltung oder Vorsorge betrieben wurde. So entsteht leider keine Resilienz.
Statt Rücklagen zu bilden wurden "Geschenke" verteilt
Während im Gesundheitswesen die Beschäftigungszahlen sanken (Arzt war mal ein Traumberuf), die Medikamente knapper und teurer wurden (Deutschland war mal die Apotheke der Welt), wurschtelte man einfach weiter. Die Ursachen hierfür wollte man aber nicht suchen. Die Kostenexplosion im Medizinbereich war absehbar, doch die Großzügigkeit blieb.
Renten, Pensionen und Altersabsicherungen bedingten und bedingen Arbeitsplätze, wirtschaftlichen Erfolg und Steuereinnahmen. Die guten Zeiten mit guten Erträgen nutzte man nicht, um mehr Rücklagen zu bilden, sondern gönnte sich manche „Geschenke“. Die Folgen des demographischen Wandels werden die nachfolgenden Generationen als Hypothek begleiten.
Daseinsvorsorge ist nachhaltig
Man huldigte Verschleiß und Konsum, statt die Ausgaben den zu erwartenden Mindereinnahmen anzupassen. Fast wie im alten Rom: Brot und Spiele für das Volk. Der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus dem Hahn. Wozu Geld in Ertüchtigung von Leitungen zu stecken, wenn alles ja (noch) läuft? Warum Ersatzteile vorhalten, wenn doch alles „just in time“ geliefert wird. Sparen, verantwortungsvoll haushalten, Vorräte anlegen, vermeintlich Selbstverständliches nicht als selbstverständlich zu sehen, das machen andere, wir brauchen es nicht. Was ich nicht habe, muss ich kaufen und bezahlen (können). Dies gilt auch bei Energie, Sicherheit und Rohstoffen. Es ist nachhaltig, funktionierende Strukturen zu warten, zu pflegen und sich über künftigen Ersatz Gedanken zu machen, statt ignorant auf Verschleiß zu fahren und überrascht zu werden.
Wir sind nachhaltig, wenn das Gesundheitssystem funktioniert. Renten und Pensionen oder andere Formen der Altersabsicherung (auch Wohnraum!) ein verlässliches (!) und ausreichendes Einkommen darstellen und zeigen zugleich Respekt gegenüber der Lebensleistung.
Warum Daseinsvorsorge? Selbstverständliches ist nicht immer selbstverständlich!
Wenn trotz aller Nachhaltigkeit und Vorsicht unsere Blaulichter gefragt sind, verdienen sie eine Ausrüstung und einen Maschinenpark, der ihrer Verantwortung gerecht wird. Nicht nur Rettungszeiten vorgeben, sondern eine funktionierende Infrastruktur stellen. Betriebsinhabern werden viele Managementaufgaben ins Pflichtenheft geschrieben. Gibt es Gedanken, wie auf Ausfall von Personal, Lieferanten, Zahlungen oder gar der Geschäftsführung zu reagieren ist? Die aktuellen Erfahrungen zeigen, dass Selbstverständliches nicht immer selbstverständlich ist und noch vieles im Sinne der Daseinsvorsorge nachhaltiger werden muss.
Und an alle Macher (nicht nur in Berlin): Danke! Ihr sorgt für Strom, Wasser, Unterkunft und vieles mehr. Das Handwerk ist, da bin ich mir sicher, immer vor Ort.
Über Autorin Ruth Baumann:
Bei Ruth Baumann war es ein zart gehauchtes "Ja", das sie in einen mittelständischen Straßenbaubetrieb und damit ins Handwerk brachte: Seit ihrer Hochzeit führt sie gemeinsam mit Ehemann Martin Baumann die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. Trotz ihres abgeschlossenen Hochschulstudiums entschied sie sich damals bewusst, in den Familienbetrieb einzusteigen und bekräftigte dies durch eine weitere Ausbildung zur Bürokauffrau. Zunächst im Ehrenamt bei den Unternehmerfrauen im Handwerk Freiburg, später als Präsidentin des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, war es ihr immer ein besonderes Anliegen, die Mitglieder mit einem gesunden Selbstbewusstsein und Stolz auf das Handwerk auszustatten. Sie sieht die Unternehmerfrauen als Wirtschaftsverband und vertritt dies auch in der Öffentlichkeit.
Ihre betriebliche Erfahrung wurde in der Folgezeit auch verstärkt in der politischen Theorie nachgefragt und stieß – zu ihrer eigenen Überraschung – auf immer mehr Resonanz. Es folgten unterschiedliche Kommissionen und Funktionen in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die sie mittlerweile auch auf Bundesebene ausführt. In Interviews, Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um das Handwerk gibt sie parteiübergreifend Einblicke in die Sorgen und Nöte von Familienbetrieben. Jüngst wurde sie in den Bundesvorstand der CDU gewählt und ist dort als "Handwerk mit Mundwerk und akademischem Grad" Mittler zwischen unterschiedlichen Welten.
