Viele Handwerker verschwenden jeden Tag Zeit mit falscher Dokumentation. Bautagebuch oder Bautagesbericht – was davon ist Pflicht, was nicht? Andreas Scheibe, VOB-Trainer, zeigt Handwerkern, wie sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und keine unbezahlte Arbeit mehr machen. Mehr dazu in der 56. Ausgabe der Kolumne „Der professionelle Bauablauf“.

Ich lese in Ausschreibungen und Vorbemerkungen immer wieder denselben Satz: „Ein Bautagebuch ist zu führen. Aussagekräftige Bautagesberichte sind umgehend, spätestens jedoch arbeitswöchentlich, beim Auftraggeber einzureichen.“
Das klingt harmlos, sorgt aber in der Praxis für richtig viel Ärger. Ich sehe es ständig: Handwerker schreiben sich dumm und dämlich, füllen seitenweise Bautagesberichte aus, machen damit den Job des Planers – und bekommen dafür kein Geld. Das kostet Sie Zeit, Nerven und am Ende auch Geld. Also rollen wir das Ganze mal von Anfang an richtig auf.
Bautagebuch oder Bautagesbericht? Das Bautagebuch ist Aufgabe des Planers, nicht des Handwerkers
Bautagebuch oder Bautagesbericht? Zuerst müssen Sie wissen: Es gibt zwei verschiedene Dinge – das Bautagebuch und den Bautagesbericht. Das Bautagebuch finden Sie in der HOAI. Und jetzt kommt’s: Es ist nicht Ihre Aufgabe, das zu führen. Das Bautagebuch gehört dem Architekten oder Fachplaner. Die führen es für den Auftraggeber, um den Bauablauf einseitig darzulegen.
Jetzt fragen Sie sich mal: Wie soll das funktionieren, wenn der Planer nur einmal die Woche oder alle zwei Wochen auf der Baustelle ist? Das System kann gar nicht funktionieren. Trotzdem bekommen die dafür ihr Honorar. Wenn also in Ihren Verträgen steht, Sie müssen ein Bautagebuch führen, ist das im Normalfall unwirksam. Wenn der Auftraggeber das von Ihnen will, muss er ganz genau sagen, was er haben möchte – und Sie dafür natürlich auch bezahlen.
Bautagebuch oder Bautagesbericht? Der Bautagesbericht – das Werkzeug auf der Baustelle
Ihre Aufgabe ist der Bautagesbericht. Aber nicht so, wie es viele machen: mit Datum, Wetter und drei Stichpunkten zur Tätigkeit. Das bringt gar nichts. Ein Bautagesbericht soll störungsorientiert sein. Das heißt: Dokumentieren Sie, was Sie behindert hat – fehlendes Material, andere Gewerke, die Sie aufgehalten haben, Anweisungen, die zu spät kamen, oder Wartezeiten.
Nur so bekommt Ihr Bautagesbericht Wert. Denn das ist Ihr Nachweis, wenn Sie später Nachträge oder Bauzeitverlängerungen brauchen. Die VOB will genau das – dass Ihr Bautagesbericht Wertschöpfung bekommt.
Warum Sie Bautagesberichte nicht wöchentlich abgeben sollten
In vielen Leistungsverzeichnissen steht, dass Sie Ihre Bautagesberichte wöchentlich beim Auftraggeber einreichen müssen. Lassen Sie das lieber bleiben. Viele Planer nehmen genau diese Berichte, heften sie in ihr eigenes Bautagebuch ein und reichen es beim Auftraggeber ein – und kassieren dafür ihr Honorar. Ihr Wissen, Ihre Arbeit – kostenlos genutzt. Und das ist nicht nur unfair, sondern auch rechtlich zweifelhaft. Ein Urteil aus dem Jahr 1993 hat klar gesagt: Eine Pflicht zur Vorlage des Bautagebuchs als Voraussetzung für Zahlungen ist unwirksam. Sie können dafür also nicht bestraft werden, wenn Sie Ihre Bautagesberichte nicht regelmäßig abgeben. Sparen Sie sich die Zeit und geben Sie Dokumentation nur dort ab, wo sie Ihnen etwas bringen.
Ihre Dokumentation ist Ihr Kapital
Ihre Bautagesberichte sind Ihr Eigentum. Das ist Ihr Wissen, Ihr Nachweis, Ihr Wert. Sie brauchen diese Berichte nicht, um irgendjemandem zu gefallen – sondern, um Ihre Nachträge durchzusetzen.
Über den Autor Andreas Scheibe:

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!
Mit der Continu-ING GmbH (vob.de) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den
Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.
"Stark im Handwerk – das Buch für Handwerker im VOB-Projektgeschäft"
Im August 2021 ist das erste Buch "Stark im Handwerk" von Andreas Scheibe erschienen. Darin beweist der Experte, dass die in der VOB viel Potenzial und auch viel Geld für Handwerker steckt. Aus der Praxis weiß handwerk-magazin-Kolumnist Scheibe, dass das Bild, welches Auftraggeber, Architekten und Planungsbüros oft vom Handwerker haben, meist kein ruhmreiches ist. Zwar sind die ausführenden Firmen nach deutschen Standards sehr gut ausgebildet und wissen technisch bestens Bescheid, doch von einer Sache hat man Ihnen nichts erzählt: Welche Rechte sie haben! Und auch nicht, dass sie eigentlich und zuallererst auf Augenhöhe mit Auftraggeber und Fachplaner stehen. "Der Handwerker ist zwar der letzte in der Reihenfolge bezogen auf den Bauablauf, aber der letzte Depp ist er noch lange nicht", erklärt Andreas Scheibe.
In diesem Zusammenhang kommt der Autor in seinem Buch sowohl auf die Rechte und Pflichten eines Handwerkers als auch auf die Rechte und Pflichten der anderen Projektbeteiligten zu sprechen. Denn genau diese sind im Detail in der VOB geregelt. Die Formulierungen klingen jedoch oft kompliziert und die Anwendung ist daher auch sehr unbeliebt – zu Unrecht, wie der Autor findet. Das Buch von Andreas Scheibe weckt nicht nur Interesse für das Projektgeschäft, sondern auch für das Durchsetzen von Rechten und Einfordern von Pflichten, sowie den spielerischen Umgang mit Paragrafen. Das Ziel: Handwerk muss wieder Spaß machen, gerecht bezahlt werden und zu alter Stärke zurückfinden.
Neues Buch: "Der professionelle Bauablauf – Das Schritt-für-Schritt System um deine Liquidität nachhaltig zu sichern"
Im August 2023 erschien das bereits dritte Buch von Andreas Scheibe „Der professionelle Bauablauf“. In diesem Buch sind viele Jahre Erfahrung in der Durchführung und auch Beratung von hunderten Handwerksunternehmen eingeflossen. Daraus entstanden ist ein praxiserprobtes und sofort umsetzbares Schritt-für-Schritt System welches mehr Klarheit und Sicherheit im Bauablauf für Handwerker verspricht. In diesem Buch geht es um notwendige Fähigkeiten um standardisierte Ablaufpläne zu erstellen, hochprofitable Nachträge durchzusetzen und berechtigte Forderungen darzulegen, zu begründen und zu verhandeln.
In seinem Buch geht Andreas Scheibe auch auf die 47 häufigsten und teuersten Fehler in VOB-Projekten ein, und wie sich diese verhindern lassen. Am Ende geht es darum, einen standardisierten Schriftverkehr einzuführen und Projekte strukturiert und profitabel abzuwickeln. Und das nach den Spielregeln der VOB.
