Kompakt, handlich und vollelektrisch angetrieben – der neue Ford E-Transit Courier könnte Handwerkern so passen.
Eigenständiger Chromgrill, darüber ein Leuchtstreifen – der Ford E-Transit Courier trägt seine Nase hoch und blickt selbstbewusst in die Transporterwelt. Der kleine Ford lässt mit seiner knuffigen Karosserie die Herzen schmelzen.
Unter der Motorhaube steckt eine E-Maschine mit 100 kW/136 PS Leistung und 290 Nm. Das macht sich in einem strammen, wenn auch nicht überschäumenden Antritt bemerkbar. Zugabe ist eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 145 Sachen. Mehr als genug und mit Blick auf die Reichweite vorsichtig einzusetzen. Nach Art des Hauses arbeitet die E-Maschine leise und ohne vernehmbares Pfeifen. Den gepflegten Eindruck stört allenfalls die Rekuperation, sie wirkt in der stärkeren von zwei Stufen etwas ruppig.
Batterie des Ford E-Transit Courier reicht für etwa 200 Kilometer
Aufgepasst: In der Preisliste spricht Ford von einer Batterie mit 54 kWh. Doch das ist die inzwischen nicht mehr übliche, weil irreführende Bruttoangabe. Tatsächlich sitzt unter dem Wagenboden ein Akku mit einer nutzbaren Kapazität von 43 kWh. Das reicht nicht für ganz große Sprünge. Aber einschließlich Reserven ist die Batterie für rund 200 Kilometer – selbst unter ungünstigen Bedingungen – gut, laut WLTP sogar für rund 300 Kilometer. Geladen wird mit 11 kW an der Wallbox oder maximal 100 kW an der Schnellladesäule.
Der Courier basiert auf der Plattform des Kompakt-SUV Ford Puma. Das bedeutet dank schraubengefederter Verbundlenker-Hinterachse ein angenehm federndes Fahrwerk. Jedenfalls mit Ballast im Heck – hier 240 Kilogramm – und einer kräftig gebauten Besatzung im Fahrerhaus. Dazu huscht er flink und wendig um die Ecken. Auf deftigen Bodenwellen federt der Ford kräftig durch, da werden Pkw-Gene deutlich. Auch arbeitet die elektromechanische Lenkung etwas zickig-unsensibel. Beides bemerken aber nur sensible Gemüter.
Cockpit: Funktionelle Instrumente
Gegenüber dem Verbrenner setzt der Stromer im Cockpit klare Zeichen. Da wären andere Instrumente, ebenfalls unter Designaspekten gestaltet, aber deutlich funktioneller. In der Mitte der Armaturentafel ragt nun ein viel größerer Bildschirm im Format zwölf Zoll auf. Unten bietet er eine Menüleiste für die schnelle und zielgerichtete Einstellung der Klimatisierung, beim Verbrenner versteckt Ford dies höchst unübersichtlich im Menü. Die Handbremse ist elektronisch, das nimmt man gerne mit. Dann wäre da noch das angedeutet quadratische Lenkrad im Stil des großen Bruders Ford E-Transit Custom. Bei der Materialqualität der Einrichtung haben die Kosten Priorität vor Schönheit. Für den rauen gewerblichen Einsatz kein Fehler.
Abmessungen und 2,9 Kubikmeter Volumen des Frachtraums sind identisch mit dem Verbrenner. Der feine Unterschied: Der kompakte E-Antrieb schafft den Raum für einen kleinen Frontkofferraum, bei E-Mobilen gerne als „Frunk“ bezeichnet. Angesichts von 44 Litern Volumen kommen hier Ladekabel oder Erste-Hilfe-Päckchen aufgeräumt und gut zugänglich unter einem Deckel unter.
Aufgrund des schweren Batteriepakets lohnt ein Blick auf die Gewichtsbilanz. Als Lebendgewicht gibt Ford rund 1,5 Tonnen an, rund 200 Kilo mehr als beim Verbrenner. Da Ford die zulässige Gesamtmasse auf 2,25 Tonnen erhöht, ergibt dies gut 700 Kilo für Fracht und Fahrer. Die Anhängelast ist auf 750 Kilo beschränkt.
Preis des Ford E-Transit Courier: Controller sind gefragt
Viel Lieferwagen fürs Geld, so könnte das Motto des Ford Transit Courier lauten. Und der Elektriker? In der mittleren Ausstattungsvariante steht der Transit Courier als Benziner mit netto 19.750 Euro in der Liste, die E-Ausführung mit 29.230 Euro. Das entspricht einem Mehrpreis von rund 9.500 Euro oder – zunächst erschreckend – rund 50 Prozent. Fairerweise muss zum Vergleich die kräftigere Benziner-Ausführung mit Automatikgetriebe herangezogen werden. Dann wären da Aluminiumräder und ein Ausstattungspaket unter anderem mit Rückfahrkamera, großem Monitor und Parkpiepsern vorn – schon hat sich die anfängliche Differenz fast halbiert. Ford geht außerdem von deutlich niedrigeren Wartungskosten aus – kein teurer Ölwechsel. Dazu lässt sich noch ein Treibstoffverbrauch von etwa acht Litern/100 km Benzin gegen rund 18 kWh Strom rechnen, vorzugsweise mit günstigem Bezug aus der firmeneigenen Wallbox.
Davon abgesehen steht Ford wie andere Transporterhersteller unter Druck: Die EU-Grenzwerte für CO2-Emissionen können die Transporterleute aller Voraussicht nach nur mit einem Anteil von jeweils zehn Prozent vollelektrischen Transportern und Plug-in-Hybriden erfüllen. Das erhöht den Druck auf den Vertrieb und könnte auch andere Herzen schmelzen lassen: jene der Verkäufer während der Verhandlungen.
„Ford Liive“: Alles unter Kontrolle
Damit die Fuhre läuft, bettet Ford seine Transporter in umfangreiche Dienstleistungen ein. Da wären Telematiklösungen für kleine und große Flotten, das machen alle. Anders der „Mobile Service“, ein Vor-Ort-Service durch Händler, inzwischen mit 80 Werkstattwagen für Service und Reparaturen in Deutschland. Vor allem aber „Ford Liive“, die fortlaufende Überwachung aller wesentlichen Funktionen, in der Nutzfahrzeugwelt unter dem Begriff Uptime bekannt. Ford Liive vermeidet unvorhergesehene Pannen und Ausfälle von Fahrzeugen. Was dies in der Praxis bedeutet, verdeutlicht Thomas Potthast, quirliger Geschäftsführender Gesellschafter des Dachdeckerbetriebs Hunold in Detmold bei Bielefeld mit einem Ford-Fuhrpark. Er greift im Gespräch fix zum Smartphone und trägt Sekunden später vor: „Ein Auto muss zum Service, bei einem zweiten fehlt Scheibenwaschwasser und hier ist bald Adblue fällig.“ Alles unter Kontrolle, na klar.


