Fünf Gewerke, fünf Städte, jeweils die ersten 20 Google-Suchergebnisse: Das war die Basis für den großen Check von Handwerker-Websites, den Sandra und Jörg Mosler durchgeführt haben. Das Ergebnis ist ernüchternd – im Schnitt erreichten die geprüften Seiten weniger als ein Viertel der möglichen Punkte. Dabei kann eine gute Website weit mehr leisten als nur Öffnungszeiten und Kontaktdaten zu zeigen. Worauf es wirklich ankommt, und wie Sie mit Ihrem Webauftritt besser punkten, zeigt der "Sofa-Test".
Die Website ist eines der meistunterschätzten Werkzeuge im Handwerk. Für viele Betriebe dient sie nur als digitale Visitenkarte mit ein paar Bildern – und verschenkt damit enormes Potenzial. Denn ein gut gemachter Internetauftritt kann weit mehr: Er verschafft Wettbewerbsvorteile, begeistert Kunden vom ersten Klick an und hilft sogar bei der Mitarbeitersuche.
Analyse von 500 Handwerker-Websites
Genau hier setzt der „Sofa-Test“ an. Handwerkscoach Jörg Mosler hat 100 Websites aus fünf Gewerken und fünf Städten analysiert - also 500 Websites insgesamt. Grundlage waren jeweils die ersten 20 Treffer bei Google. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Im Durchschnitt wurde nicht einmal ein Viertel der möglichen Punkte erreicht. Dabei ließe sich mit wenig Aufwand oft schon viel verbessern:
- Sofa-Test
- #1 Informationen
- #2 Preis
- #3 Vertrauen
- #4 Kontakt
- Gesamtergebnis
Was ist der "Sofa-Test"?
Der Sofa-Test ist ein praxisnahes Prüfverfahren, das den Onlineauftritt eines Betriebs konsequent aus Sicht potenzieller Kunden betrachtet. Der Name ist bewusst gewählt: Er beschreibt die typische Situation, in der ein Interessent abends auf dem Sofa sitzt, sein Smartphone in der Hand hält und sich über einen Handwerksbetrieb informieren möchte. Genau in diesem Moment muss die Website überzeugen – schnell, klar und mit den richtigen Inhalten.
Test umfasst 4 zentrale Website-Bereiche
Der Test umfasst vier zentrale Bereiche: Zuerst geht es um die grundlegenden Informationen – also darum, ob Leistungen, Einsatzgebiete oder Kontaktdaten leicht auffindbar sind. Zweitens prüft der Test, ob Preise oder Leistungsrahmen nachvollziehbar kommuniziert werden. Danach folgt der Vertrauensaufbau: Macht das Unternehmen einen glaubwürdigen Eindruck? Gibt es aussagekräftige Bilder, Referenzen oder Kundenstimmen? Und schließlich geht es um die Kontaktfreundlichkeit – also darum, wie einfach es ist, mit dem Unternehmen in Verbindung zu treten.
Podcast: Workers Cast – "Sofa-Test" Teil 1
Was der Test aussagt, wie er ablief und wo viel Potenzial von Unternehmern verschenkt wird, erfahren Sie in der ersten Folge der Podcast-Serie "Sofa-Test" von Jörg Mosler.
Methodik: Handwerker-Websites im "Sofa-Check"
Statistisch gesehen sollten Handwerksunternehmer auf ihren Websites vor allem vier zentrale Kundenbedürfnisse befriedigen: „Informationen zum Betrieb“, „Preistransparenz“, „Vertrauen“ und „schnelle Kontaktmöglichkeiten“. Um zu überprüfen, wie das den Betrieben gelingt, haben Sandra und Jörg Mosler (Team handwerk-digital) den „Sofa-Check“ entwickelt. Zudem erweiterte Recruiting-Experte Jörg Mosler den Check um die New-Work-Kategorie „Job und Karriere“.
Der „Sofa-Check“ bedeutet ganz einfach, dass etwa ein Ehepaar auf der heimischen Couch nach Handwerksleistungen googelt und die genannten vier Bereiche auf der Website des Handwerksbetriebs durchstöbert. Diese „Sofa-Suche“ führten im Website-Check nun stellvertretend Sandra und Jörg Mosler durch. Hierfür kombinierten die beiden jeweils fünf Gewerke mit fünf Städten (München, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Leipzig und Hamburg) und suchten nach dieser Kombination – Gewerk und Stadt – bei Google.
Die ersten 20 organischen Suchtreffer wurden dann auf die vier Kategorien hin überprüft. Macht 100 untersuchte Websites je Gewerk – also 500 Websites insgesamt. Jedes Mal nahm das „Team handwerk-digital“ hierfür die Bereiche „Leistungen“, „Beratung“, „Über uns“, „Kontakt“ und zusätzlich „Karriere“ unter die Lupe und bewertete die Inhalte mit einem ausgeklügelten Scoring-System. Maximal waren so neun Punkte je Website, also insgesamt 4.500 Punkte, zu vergeben.

Ø 0,88 von 2 Punkten
Was Kunden auf einer Webseite wirklich interessiert, sind klare Antworten auf ihre Fragen. Doch genau das leisten viele Seiten nicht: 88 % der Webseiten liefern entweder gar keine Inhalte oder nur oberflächliche Standardphrasen. Nur 8 % gehen gezielt auf Kundenfragen ein.
Ihre Kunden sind keine Fachleute. Wer etwa nach einer Dachsanierung sucht, hat konkrete Sorgen: Wie lange dauert das? Was kostet es? Muss ich ausziehen? Wenn Ihre Seite solche Fragen nicht verständlich beantwortet, sucht sich der Kunde einen anderen Anbieter.
Liefert Ihre Website alle Informationen, die Kunden brauchen?
Natürlich enthält jede Website Informationen – doch die entscheidende Frage ist: Sind es auch die richtigen? Viele Handwerksseiten zeigen Bilder, beschreiben kurz das Leistungsangebot und nennen Öffnungszeiten. Doch aus Sicht eines potenziellen Kunden fehlt oft genau das, was in dem Moment wirklich wichtig wäre: eine klare Übersicht über das, was angeboten wird, in welcher Region gearbeitet wird und wie man am besten Kontakt aufnimmt. Wer hier ungenau oder lückenhaft bleibt, verliert Besucher – oft, ohne es überhaupt zu merken.
Der erste Schritt im Sofa-Test prüft deshalb genau das: Ob die Website die zentralen Fragen der Kundinnen und Kunden im ersten Moment beantwortet. Ein einfacher Trick aus der Praxis: Denken Sie an Ihre letzten Erstgespräche mit neuen Kunden zurück. Welche Fragen wurden gestellt? Worauf kam es den Interessenten besonders an? Genau diese Punkte sollten sich auch auf Ihrer Website wiederfinden. Wenn Sie diese Fragen vorab beantworten, zeigen Sie nicht nur Serviceorientierung, sondern schaffen auch sofort Vertrauen.
Podcast: Workers Cast – "Sofa-Test" Teil 2
Welche Informationen das konkret sind – und wie man sie sinnvoll platziert – erklärt Jörg Mosler in der zweiten Folge der Podcast-Serie "Sofa-Test".

Ø 0,20 von 2 Punkten
Transparente Preisangaben bleiben die Ausnahme: 78 % der getesteten Seiten vermeiden jegliche Preisinformation. Gerade einmal 8 % bieten einen Preiskonfigurator – also ein Tool, mit dem der Kunde zumindest eine grobe Kosteneinschätzung erhält.
Natürlich ist jede Leistung individuell. Aber totale Intransparenz schafft Misstrauen – und filtert keine ernsthaften Interessenten. Wer wenigstens Richtpreise nennt oder einen einfachen Konfigurator anbietet, qualifiziert seine Anfragen besser vor.
Wie gut gibt Ihre Website Orientierung beim Preis?
„Was kostet das?“ – Diese Frage gehört zu den häufigsten, die Kunden stellen. Und doch beantworten sie viele Handwerks-Websites nicht. Aus Sorge, sich festzulegen, verzichten Betriebe oft ganz darauf, Preise zu nennen oder zumindest eine Orientierung zu geben. Dabei erwartet niemand ein fertiges Angebot – aber eine grobe Einschätzung oder ein Hinweis auf typische Preisspannen kann bereits Klarheit schaffen.
Genau das prüft der zweite Teil des Sofa-Tests: Gibt die Website dem Kunden eine erste Vorstellung davon, was ihn finanziell erwartet? Wer diese Information zugänglich macht, nimmt dem Kunden eine wichtige Unsicherheit – und zeigt gleichzeitig Transparenz und Selbstbewusstsein. Eine gute Preisdarstellung muss nicht kompliziert sein: Beispiele, Einstiegspreise oder Paketlösungen helfen dabei, Vertrauen aufzubauen – rund um die Uhr, ohne dass jemand ans Telefon gehen muss.
Podcast: Workers Cast – "Sofa-Test" Teil 3
Was das in der Praxis bedeutet und wie Sie es einfach umsetzen können, erfahren Sie in der dritten Folge der Podcast-Serie "Sofa-Test".

Ø 0,88 von 3 Punkten
Die vielleicht wichtigste Währung im Handwerk: Vertrauen. Und trotzdem zeigen 50 % der Betriebe nicht einmal ein Bild des Inhabers oder der Mitarbeiter. Noch schlimmer: Nur 16 % binden externe Bewertungen von Google oder ProvenExpert ein – dabei verlassen sich Kunden heute stark auf diese Stimmen.
Menschen beauftragen Menschen – gerade im Handwerk. Wer sein Gesicht nicht zeigt und auf Kundenstimmen verzichtet, verliert Glaubwürdigkeit. Eine Webseite ohne Persönlichkeit wirkt austauschbar.
Vermittelt Ihre Website Vertrauen?
Vertrauen ist die Grundlage jeder Geschäftsbeziehung – besonders im Handwerk, wo Kunden Leistungen oft vorab nicht vollständig beurteilen können. Genau deshalb ist der dritte Teil des Sofa-Tests so entscheidend: Er prüft, ob eine Website das nötige Vertrauen aufbauen kann, noch bevor der erste persönliche Kontakt stattfindet. Viele Seiten bleiben hier vage oder anonym – dabei gibt es einfache Wege, Nähe und Glaubwürdigkeit zu zeigen.
Handwerksunternehmen haben dafür vor allem zwei starke Werkzeuge: Menschen und Projekte. Wer echte Einblicke ins Team gibt und Referenzen sichtbar macht, sorgt für Transparenz und Persönlichkeit. Auch Kundenbewertungen, Gütesiegel oder klare Aussagen zu Werten und Arbeitsweise können diesen Effekt verstärken. Entscheidend ist, dass potenzielle Kunden das Gefühl bekommen: Hier weiß ich, mit wem ich es zu tun habe – und dem kann ich vertrauen.
Podcast: Workers Cast – "Sofa-Test" Teil 4
Wie Sie das konkret umsetzen können, erfahren Sie in der vierten Folge der Podcast-Serie "Sofa-Test" von Jörg Mosler.

Ø 0,15 von 2 Punkten
Der modernste Hebel, um Zeit zu sparen – und fast niemand nutzt ihn: Nur 1 % der Webseiten bieten eine Online-Terminvergabe. Dabei wollen Kunden heute nicht warten, sondern handeln – gerade, wenn sie abends Zeit haben.
Wer heute einen Zahnarzttermin online bucht, will auch den Handwerker nicht mehr „nur anrufen“. Mit einem Online-Kalender oder intelligenten Kontaktformularen kann man schon mit einfachen Mitteln den Vertriebsprozess automatisieren – und Anfragen gezielter lenken.
Wie einfach ist der Weg zur Kontaktaufnahme?
Der letzte entscheidende Prüfpunkt im Sofa-Test ist die Kontaktmöglichkeit. Denn auch wenn eine Website inhaltlich überzeugt – wenn die Kontaktaufnahme kompliziert ist, springen viele Interessenten wieder ab. Laut Umfrage wünschen sich 97 Prozent der Kunden vor allem eins: eine schnelle Rückmeldung. Natürlich kann kein Handwerksbetrieb rund um die Uhr erreichbar sein – aber die Website kann diesen Wunsch dennoch erfüllen.
Ein durchdachter Internetauftritt übernimmt heute einen Teil der Kommunikation: mit klar platzierten Kontaktbuttons, klickbaren Telefonnummern, einfachen Formularen oder automatisierten Rückrufoptionen. Wer diese Funktionen nutzerfreundlich anbietet, reduziert die Hemmschwelle zur Anfrage – und spart gleichzeitig Zeit im Alltag.
Podcast: Workers Cast – "Sofa-Test" Teil 5
Wie sich das konkret umsetzen lässt, erfahren Sie in der fünften Folge der Podcast-Serie "Sofa-Test" von Jörg Mosler.

Ø 1,51 von 4 Punkten
Wer heute Fachkräfte oder Azubis gewinnen will, muss sich digital sichtbar machen. Doch über 50 % der getesteten Handwerks-Webseiten haben überhaupt keinen Karrierebereich – ein fataler Fehler in Zeiten des Fachkräftemangels.
Ohne Jobseite gibt es keine Sichtbarkeit für potenzielle Bewerber. Selbst gute Betriebe gehen so im digitalen Nirwana unter – weil sie keine Einstiegsmöglichkeiten kommunizieren.
Die fünf Gewerke im Vergleich
Ein Blick auf die fünf untersuchten Gewerke zeigt dabei deutliche Unterschiede. Am besten schneiden die Webseiten von SHK-Betrieben ab – sie erreichen in fast allen Testkategorien die höchsten Durchschnittswerte und zeigen mehr digitale Reife als andere Branchen. Besonders beim Thema Informationen und Vertrauen liegen sie vorn. Auch Maler- und Schreinerbetriebe zeigen in einzelnen Bereichen Ansätze moderner Kommunikation, etwa durch etwas häufiger eingebundene Teamfotos oder beschreibende Texte. Elektriker und Dachdecker hingegen bilden häufig das Schlusslicht: Ihre Seiten bleiben meist oberflächlich, liefern kaum Inhalte oder Preisorientierung und verzichten fast vollständig auf digitale Kontaktmöglichkeiten. Der Vergleich zeigt: Auch innerhalb des Handwerks gibt es digitale Vorreiter – aber der große Teil bleibt noch zurück.
Fazit des großen Checks der Handwerker-Websites
Die Webseite ist im Handwerk längst mehr als eine digitale Visitenkarte – sie ist der erste Kontaktpunkt, der über Kundenanfrage oder Absprung entscheidet. Doch viele Betriebe verspielen genau diesen Moment, wie der große „Sofa-Test“ von Team handwerk-digital zeigt: 500 Webseiten aus fünf Gewerken wurden untersucht, das Ergebnis ist ernüchternd – im Schnitt erreichen sie nur 2,12 von 9 möglichen Punkten. Meist fehlen verständliche Informationen, Preisorientierung, persönliche Vertrauenselemente und komfortable Kontaktmöglichkeiten. Nur wenige Seiten beantworten typische Kundenfragen, kaum ein Betrieb bietet einen Preiskalkulator, und auch beim Vertrauen durch Gesichter oder Bewertungen herrscht Flaute.
Besonders schwach: Fast kein Betrieb ermöglicht eine direkte Online-Terminvergabe – und über die Hälfte verzichtet ganz auf eine Karriereseite. Insgesamt wird die Webseite häufig noch als technische Pflichtübung behandelt – dabei ist sie längst ein zentrales Instrument für Kundengewinnung, Mitarbeiteransprache und digitale Wettbewerbsfähigkeit. Wer das versteht und umsetzt, verschafft sich mit wenig Aufwand einen echten Vorsprung.



