Die Festtage liegen hinter uns. In vielen Fällen zeigt zumindest die Waage nach oben, während sich bei der Konjunktur der Abwärtstrend fortsetzt. Nutzen wir den Start ins neue Jahr, um mal eine „mentale“ Inventur zu machen! Akzeptieren wir die Mahnzeichen und suchen nicht weiter nach Ausreden! Kolumnistin Ruth Baumann blickt der Krise in der ersten Folge 2025 von „Neues von der Werkbank“ entschieden ins Auge, weiß dem Jahresbeginn aber auch mit Zuversicht zu begegnen.

Man macht sich keineswegs beliebt, wenn man Dinge beim Namen nennt. Viele glauben, dass sich in perfekten Bildern und ausgewählten Meinungen das reale Leben widerspiegelt. Dem ist leider nicht so. Doch was ist schlimmer? Die Wahrheit zu „photoshoppen“ oder aber zu verschweigen? Ich persönlich habe meine Entscheidung längst getroffen: Was wahr ist, muss auch wahr bleiben. Und dann darf man es auch benennen, nein, man muss es sogar.
Sie werden sich jetzt fragen, was diese Gedanken in einer Handwerkskolumne zu suchen haben. Es geht um Authentizität, Ehrlichkeit, Herzblut und Überzeugung. Ich freue mich auf das neue Jahr und bin neugierig, was es denn so alles für uns bereithält. Wenn man gesund ist, bleibt oder wird, lässt sich bereits vieles „meistern“. Umstände, die einem aktuell vielleicht den Tag vermiesen, mutieren zu einem späteren Zeitpunkt im Leben lediglich noch zu einem müden Lächeln. Wie konnte man sich derart in etwas hineinsteigern, was schlussendlich als Pünktchen in der Biographie endet? Doch auch der Umkehrschluss ist möglich: Warum habe ich damals die Zeichen der Zeit nicht gesehen und dementsprechend agiert?
Neue Projekte zum Start ins neue Jahr oder den „Exit“ planen
Und jetzt sind wir wieder im betrieblichen Alltag: Viele stehen schon in den Startlöchern. Sie planen neue Projekte, investieren in Ausbildungen, wollen den Betrieb weiterhin ertüchtigen und zukunftsfähig machen, engagieren sich im Ehrenamt oder aber kämpfen, wie Generationen vor ihnen, mit den neuen Segnungen der Technik, der EDV oder der KI. Andere dagegen planen zwischenzeitlich ihren bzw. den unternehmerischen „Exit“, weil sie den Prosperitätsglauben längst verloren haben oder einfach müde sind, sich tagtäglich mit unausgegorenen „Zeitfressern“ auseinanderzusetzen. Wenn Ehrgeiz und Einsatz doch nur Verdacht, Misstrauen oder Diskreditierung erzeugen, schwindet schnell die Motivation, etwas in der Welt bewegen zu wollen.
Es ist aller Ehren wert, dass man tatsächlich versucht, der energieintensiven Industrie in puncto Standortfaktoren etwas den Weg zu erleichtern. Wer hierbei aber das Handwerk vergisst, wird in Kürze von der Realität eingeholt werden. Es geht nicht, das eine gegen das andere auszuspielen, sondern endlich zu begreifen, dass nur beide im Duett leben können. Der Schlosser braucht für die Herstellung von Geländern den Stahl. Die Industrie braucht aber auch den Handwerker, um Maschinen zu erfinden, zu perfektionieren und am Laufen zu halten. Sie sehen schon, diese Beispiele ließen sich endlos fortführen...
Wenn Zahnräder nicht verkanten sollten
Leider ist der Blick auf die Gesamtheit der einzelnen Prozesse in der Politik verloren gegangen. Man glaubt, dass man nur an einem Zahnrad drehen muss, damit die anderen ineinandergreifen. Ein Zahnrad allein ist nicht der Nabel der Welt, das eine braucht das andere. Das bekommt auch Deutschland aktuell zu spüren. Man muss hier nicht Unternehmer sein oder als Facharbeiter tätig sein. Andere Länder, andere Rahmenbedingungen. Wirtschaft: das sind nicht verschiedene, teils verordnete Projekte, sondern die Gesamtbetrachtung von allem. Es braucht einen Rundumblick. Den Schwerpunkt nur auf einzelne „Lieblingsthemen“ zu legen, wenn die Gesellschaft dies nicht mitträgt, verkantet die Zahnräder und blockiert alles.
Der Staat zum Start ins neue Jahr und der Vertrauensverlust
Wahlen gewinnt man nur mit Stimmen von Menschen für Menschen, die Funktionen kommen erst später. Ebenso ist es im Betrieb: Nach dem Angebot folgt der Auftrag. Leistung und Preis müssen stimmen, und zwar für beide Seiten. Diesen Mechanismen kann sich auch der Staat nicht verschließen. Wenn er falsche Zeichen setzt oder gar glaubt, Auftraggeber und Auftragnehmer zugleich sein zu können (vgl. Planwirtschaft), zieht er sich selbst den Stecker. Ferner geht in dieser Betrachtung völlig unter, dass hierin auch der Staat die Gelder, die er verwaltet und verteilt, selbst erwirtschaften müsste. „Fiatgeld“ (ein von einer Regierung künstlich erschaffenes Zahlungsmittel) und Inflation wären der falsche Weg.
Der Vertrauensverlust ist bereits vielerorts spürbar. Demokratie und Marktwirtschaft bedeuten, wählen zu können. Das Ergebnis gilt es in Demut anzunehmen und zu reflektieren. Leistung und Qualität haben ihren Preis. Wer billig für günstig hält, wird längerfristig eines Besseren belehrt werden.
Handwerk ist auch zum Start ins neue Jahr die Wirtschaftsmacht von nebenan
Handwerker werden bzw. sind Mangelware. Das wird sich auch in der Preispolitik niederschlagen. Um die Zukunft unserer Betriebe ist mir nicht bange, denn KI kann vieles erleichtern, aber nicht alles ersetzen. Bis dahin brauchen wir einfach Stehvermögen und einen guten (denn ich hoffe, dass sich die Einsicht bald zeigt) Atem. Künftig wird es nicht heißen: "Was ist am Preis noch möglich?", sondern: "Wann kann es endlich losgehen?"
Die Zeit arbeitet für uns, aber gegen leere Versprechen ohne Inhalt. Also lassen Sie uns gemeinsam beherzt und guter Dinge ins neue Jahr starten. Denn: Das Handwerk ist die Wirtschaftsmacht von nebenan und liefert direkt vor Ort – wenn die Rahmenbedingungen stimmen!
Über Autorin Ruth Baumann:
Bei Ruth Baumann war es ein zart gehauchtes "Ja", das sie in einen mittelständischen Straßenbaubetrieb und damit ins Handwerk brachte: Seit ihrer Hochzeit führt sie gemeinsam mit Ehemann Martin Baumann die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. Trotz ihres abgeschlossenen Hochschulstudiums entschied sie sich damals bewusst, in den Familienbetrieb einzusteigen und bekräftigte dies durch eine weitere Ausbildung zur Bürokauffrau. Zunächst im Ehrenamt bei den Unternehmerfrauen im Handwerk Freiburg, später als Präsidentin des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, war es ihr immer ein besonderes Anliegen, die Mitglieder mit einem gesunden Selbstbewusstsein und Stolz auf das Handwerk auszustatten. Sie sieht die Unternehmerfrauen als Wirtschaftsverband und vertritt dies auch in der Öffentlichkeit.
Ihre betriebliche Erfahrung wurde in der Folgezeit auch verstärkt in der politischen Theorie nachgefragt und stieß – zu ihrer eigenen Überraschung – auf immer mehr Resonanz. Es folgten unterschiedliche Kommissionen und Funktionen in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die sie mittlerweile auch auf Bundesebene ausführt. In Interviews, Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um das Handwerk gibt sie parteiübergreifend Einblicke in die Sorgen und Nöte von Familienbetrieben. Jüngst wurde sie in den Bundesvorstand der CDU gewählt und ist dort als "Handwerk mit Mundwerk und akademischen Grad" Mittler zwischen unterschiedlichen Welten.
