Neues Cockpit, neue Instrumente und neue Assistenzsysteme – der MAN TGE trägt jetzt den Zusatz: „Next Level“. Was bedeutet das für die Handwerkspraxis?

Jetzt geht’s los! Die Passstraße schraubt sich nach einigem Anlauf mit bis zu 15 Prozent Steigung empor. Ziemlich hohes Level also. Doch für den jüngst aufgemöbelten MAN TGE mit der anspruchsvollen Zusatzbezeichnung „Next Level“ kein Hindernis: Die stärkste Ausführung der Variante mit Frontantrieb bringt es auf 130 kW/177 PS, in den vier Zylindern des Verbrenners lodern kräftige Feuer. Die recht kultivierte Zweiliter-Maschine zieht kraftvoll durch, scheut keine niedrigen Drehzahlen.
Zwischendurch warnt ein Schild: gefährliche Strecke. Den Testwagen und seinen Fahrer irritiert es nicht. Die elektrische Lenkung arbeitet präzise und mit der richtigen Unterstützung, das Fahrwerk straff, aber nicht unfreundlich. Dann ist der Scheitelpunkt der Strecke erreicht, Kehrtwende. Nun wedelt der MAN die Strecke wie ein Slalomfahrer wieder hinunter.
MAN TGE überzeugt mit cleveren Assistenten
An Bord fühlt sich der Fahrer dabei gut aufgehoben. Das neue Multifunktionslenkrad hat griffige Tasten, der Lenkstockhebel links enthält nun auch die Funktion für den Scheibenwischer. Bei einer süddeutschen Marke nannte man dies aufgrund der Komplexität einst Ingenieurshebel.
Vor allem aber trumpft der Münchener mit reichlich Assistenzsystemen auf. MAN zählt rund zwei Dutzend, kein Mangel an Fachkräften also. Wobei nicht alle überall mitfahren. Unterscheidet der Hersteller doch bei der Ausstattung fein säuberlich zwischen Zulassung des TGE nach N1 (bis 3,5 Tonnen, Vorgaben entsprechend Pkw) und N2 (über 3,5 Tonnen, also Next-Lkw-Level). Basis für die Assistenten und manches andere ist eine neue Elektrik-/Elektronikplattform, übernommen von den Konzerngeschwistern VW Passat und VW Golf.
Leistungsfähiges Radarsystem
Die Kamera vorn bestreicht jetzt einen größeren Winkel als früher, sie kann somit zum Beispiel Verkehrsschilder sicherer erkennen. Hinzu kommt das, was die MAN-Leute Nano-Radar nennen: Dabei handelt es sich um neue Radarsysteme mit verdoppelter Leistungsfähigkeit. Sie verstecken sich vorn, seitlich im Radlauf und hinter der Beplankung der Fahrertür sowie nach der Hinterachse. Leistungsgesteigerte Rechner kalkulieren beim Abbiegen fortlaufend die Kollisionsgefahr, beachten sogar wechselnde Geschwindigkeiten von Fußgängern und Radfahrern.
Nach hinten reicht der Radarstrahl 90 Meter und registriert, wer sich da in welchem Tempo nähert. Das bedeutet frühzeitiges Erkennen und Warnen vor schnellen Überholern. Vorgezeichnet ist ein künftiger Schritt: selbstständiges Überholen.
Weitere Feinheit: Bisher ließ der aktive Spurassistent den Transporter innerhalb seiner Spur pendeln – jetzt fährt er kerzengerade in der Mitte. Teil des komplexen Zusammenwirkens von Fahrzeug und Assistenzsystemen ist auch die Bremse, deren Druckaufbau nun elektrisch erfolgt. Sollte der Fahrer ausfallen, kann der MAN bei Modellen mit Automatikgetriebe sogar rechts ranfahren und anhalten.
Mächtiger Bildschirm des MAN TGE heißt "MAN Media Van"
Auf einer sanften Flachetappe bleibt Zeit für die Beschäftigung mit den digitalen Instrumenten – teils feurig rot hinterlegt und immer konfigurierbar. Also her mit der Verbrauchsanzeige, der Öltemperatur, der Navi-Karte, was auch immer wünschenswert erscheint. In der Mitte der überarbeiteten Armaturentafel thront nun ein mächtiger Bildschirm, „MAN Media Van“ getauft. Serienmäßig 10,4 Zoll groß, sind es hier sogar 12,9 Zoll. Next Level, und wie. Das gilt auch für die Bedienung: Direktwahltasten für wesentliche Funktionen, über Menüs vertiefter Einstieg in Details etwa der Klimatisierung, der Wirtschaftlichkeitsdaten oder der Assistenzsysteme.
Wechsel in einen MAN TGE mit Automatikgetriebe. Es stammt nun sowohl für Front- als auch Hinterradantrieb vom japanischen Anbieter Aisin. Der neue Wählhebel klumpt nicht mehr in der Mittelkonsole, er hat als Lenkstockhebel die Position gewechselt. Das spart Platz und vereinfacht den Durchgang im Fahrerhaus, ebenso wie die elektrische Feststellbremse sämtlicher Modelle. Vom Wechsel zwischen den acht Gängen der Automatik ist kaum etwas zu bemerken. Das Aggregat schaltet watteweich, verhaspelt sich nicht, flutscht kaum spürbar durch die Gänge.
MAN TGE auch als spannendes Abt-Derivat verfügbar
Der Autobauer hat im Zuge der Überarbeitung des TGE das Programm neu sortiert. Die Einstiegsmotorisierung mit 75 kW/102 PS ist entfallen, ebenso der Hecktriebler mit 103 kW/140 PS. Allradantrieb wird nun grundsätzlich mit Automatik gekoppelt. Neu hinzugekommen ist der Hecktriebler mit Einzelbereifung und Automatikgetriebe. Auch werden jetzt mehr Modelle nach Heavy Duty homologiert (Stichwort: Abgasstufe Euro VI statt EU6). Und dann ist da noch die spannende Variante in Zusammenarbeit mit Auto-Veredler Abt und etwa 149 kW/202 PS. Ein heißes Ding exklusiv für den TGE und die Blaulicht-Fraktion, für Reisemobile und alle, die es eilig haben. Damit der TGE noch souveräner die Berge erklimmt. Next Level also, na klar.
Und das Preis-Level? MAN hüllt sich nach Lkw-Unsitte in Schweigen. Es hilft ein Blick zum VW Crafter, ihn gibt es laut Konfigurator ab netto 44.440 Euro. Mit Hochdach, der stärksten Maschine und Automatik knackt er die Grenze von 50.000 Euro. Ein ganz schön hohes Level.
