Alexander Holzmann im Interview 40 Jahre handwerk magazin: "Ich bin immer wieder begeistert, die Erfolgsbeispiele der Betriebe kennenzulernen"

Ein Familienunternehmen in dritter Generation, eine offene Nachfolge, ein Geschäftsmodell im Umbruch: Was Alexander Holzmann beschäftigt, kennen viele unserer Leser aus dem eigenen Betrieb. Zum Doppeljubiläum – 40 Jahre handwerk magazin, 90 Jahre Holzmann Medien – haben wir mit unserem Verleger gesprochen. Über Nachfolge, Bürokratie und was ihn an den Unternehmen im Handwerk besonders beeindruckt.

40 Jahre handwerk magazin und 90 Jahre Holzmann Medien: Verleger Alexander Holzmann beim Firmenfest zum Jubiläum im Allgäu Skyline Park. - © Matthias Metzger, Holzmann Medien

handwerk magazin: Herr Holzmann,­ ­90 Jahre Holzmann Medien, 40 Jahre handwerk magazin – welche Momente haben das Unternehmen am stärksten geprägt?

Alexander Holzmann: Für das Unternehmen war das sicher der Zweite Weltkrieg. Er hat letztlich zum Verlust der Gebäude am Gründungssitz in Berlin geführt und einen Wiederaufbau in Bad Wörishofen erforderlich gemacht. Für handwerk magazin war es der Fall der Mauer: Die Zahl der Abonnenten hat sich in der Folge auf über 40.000 Exem­plare verdoppelt.

Ihr Vater hat handwerk magazin 1986 innerhalb weniger Monate auf den Markt gebracht, weil ein Wettbewerber „etwas in der Schublade“ hatte. Ist das typisch für Familienunternehmen, dass Entscheidungen am Ende aus dem Bauch kommen?

Ich glaube, gerade bei Verlagen ist das sehr häufig der Fall. Neben dem reinen Bauchgefühl liegt dem aber auch die Überzeugung zugrunde, dass die Zeit für eine Idee reif ist. Und diese Überzeugung speist sich idealerweise aus der Nähe zur Zielgruppe und aus der Kenntnis ihrer Bedürfnisse und Nöte.

40 Jahre handwerk magazin, da haben wir Dutzende Nachfolge-Geschichten erzählt. Jetzt sind Sie selbst dran: Wie weit sind Sie?

Ich habe drei Kinder, zwei davon haben grundsätzlich Interesse an einem Einstieg. In Stein gemeißelt ist aber noch nichts, dafür sind beide noch zu jung. Meine älteste Tochter arbeitet zurzeit bei einem multinationalen Mediaagentur-Netzwerk und sammelt dort erste Erfahrungen, mein Sohn studiert Wirtschaftsrecht. Geplant wäre, dass zunächst meine Tochter in einigen Jahren einsteigt und Bereiche übernimmt, später dann mein Sohn andere, klar definierte Aufgaben. Auf jeden Fall habe ich nicht vor, bis zum 70. Lebensjahr zu arbeiten – und ich bin jetzt bald 62.

40 Jahre handwerk magazin – das Medienhaus hinter dem Magazin

Hans Holzmann gründet den Verlag 1936 in Berlin, seit 1945 sitzt er in Bad Wörishofen. Vier Jahrzehnte später sieht sein Sohn Peter eine Lücke im Markt und bringt handwerk magazin im Oktober 1986 an den Kiosk – schneller als der Wettbewerb und gegen reichlich ­Warn­ungen aus der Branche. Seit dem Jahr 2000 führt mit Alexander Holzmann die dritte Generation das Familienunternehmen. Heute versorgt Holzmann Medien das Handwerk und die Hotellerie mit 16 Medienmarken, darunter die Deutsche Handwerks Zeitung.

Was haben Sie aus dem Übergang von Ihrem Vater auf Sie gelernt? Und was raten Sie Leserinnen und Lesern, die ihre Nachfolge vor sich herschieben?

Frühzeitig Verantwortung übertragen, Fehler zulassen, loslassen – aber für Fragen immer zur Verfügung stehen. Ansonsten: machen lassen.

Ihr Vater war gelernter Drucker und hat sich 1993 trotzdem von der Druckerei getrennt. Für einen Schreiner wäre das ungefähr so, als würde er seine Werkstatt schließen.

Das war ein schwieriger Schritt für ihn. Im Nachhinein war es der richtige, und er zeigt: Man muss sich auf seine Kern­kompetenzen konzentrieren und sich manchmal auch schmerzhaft von Dingen verabschieden. Solche Entscheidungen werden auch uns immer wieder begegnen und einen klaren, analytischen Blick verlangen.

Das klingt nach einem Muster. Auf Ihrer Website steht: „Tradition und Innovation sind bei uns kein Widerspruch.“ Wo hat die Tradition schon gebremst?

Ehrlich gesagt begegnet einem diese Bremse immer wieder – vor allem, wenn man sieht, wie schnell Veränderungen heute ablaufen müssen. Mit der KI hat sich das noch einmal potenziert. Wir kommen aus der Tradition eines Print­medienhauses, darauf sind wir stolz und das pflegen wir auch. Aber wir müssen uns der digitalen Welt öffnen und uns bei neuen Produkten hin und wieder radikal davon lösen. Das fällt leichter, wenn man auf der grünen Wiese ein Start-up ohne diesen Ballast gründet.

So sah sie aus, die erste Ausgabe des handwerk magazin im Jahr 1986.
40 Jahre handwerk magazin – schon damals mit Roboter auf dem Cover: So sah sie aus, die erste Ausgabe des handwerk magazin im Jahr 1986. - © handwerk magazin
Was bedeutet handwerk magazin heute für Ihr Medienhaus?

Als einziges Wirtschaftsmagazin für das Handwerk in ganz Deutschland ist es nach wie vor eine wichtige Säule. Neben der Deutschen Handwerks Zeitung, die in etwa der Hälfte des Bundesgebiets erscheint, schafft es eine bundesweite Verbreitung, die kein anderer Verlag in dieser Zielgruppe bieten kann. Künftig werden aber die digitale Präsenz der ­Marke und die Produkte, die daraus entstehen, über den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden – nicht mehr das gedruckte Heft allein.

Und welche Entscheidung hat das Magazin in diesen 40 Jahren am stärksten verändert?

Der wesentliche Wendepunkt hängt für mich eng mit der Umstellung auf Paid Content zusammen. Dahinter steht die Überzeugung, dass wir nah an den Bedürfnissen unserer Leser recherchieren und Lösungen bauen müssen, die so viel wert sind, dass jemand dafür bezahlt. Das verlangt journalistisch eine noch stärkere Schärfung des Nutzwerts – gerade in einer digitalen Welt, in der vieles kostenlos zugänglich ist.

Wir verlangen Geld für Inhalte. Andere nehmen sie sich einfach.

Genau das nervt mich derzeit am meisten: dass die Politik untätig zusieht, wie Big-Tech-Unternehmen aus den USA die Inhalte der Verlage vereinnahmen und daraus eigene Geschäftsmodelle ent­wickeln. Das entzieht allen Medienunternehmen mittel- bis langfristig die Lebensgrundlage. Im Grunde ist das legalisierter Diebstahl, der in keiner Weise sanktioniert wird. Was würde wohl ein Bäcker sagen, wenn jemand die Brötchen aus der Auslage stiehlt und sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite zum Verkauf anbietet?

Bürokratie ist bei unseren Lesern Dauerthema. Bei Ihnen auch?

Sie belastet uns an vielen Punkten enorm. Trotz aller Bekundungen aus der Politik habe ich das Gefühl, dass dem Abbau an einer Stelle sofort die Neuschaffung an der nächsten entgegensteht, vor allem aus der EU. Ich fürchte, hier käme man nur mit sehr radikalen Maßnahmen weiter – dazu ist aber außer in Sonntagsreden kein politischer Wille erkennbar. Und die quasi monopolistische Preispolitik der Post bei der Zustellung des Magazins ist für uns ein existenzgefährdendes Dauerthema.

Umgekehrt gefragt: Was hat der Verlag von den Betrieben gelernt, über die wir berichten?

Ich bin immer wieder begeistert, in ­handwerk magazin die Erfolgsbeispiele der Betriebe und Unternehmerinnen und Unter­nehmer kennenzulernen. Da steckt vieles von dem drin, was man in Deutschland braucht und was dieses Land erfolgreich gemacht hat: Mut, Innovationsgeist, Verantwortung, Qualitätsanspruch und eine Kultur des Machens statt des Jammerns. Davon können auch wir uns hin und wieder eine Scheibe abschneiden.

Zehn Jahre vorausgedacht: Wie sieht Holzmann Medien 2036 aus?

Dann stehe ich nicht mehr an der Spitze, sondern meine Kinder Amira und Ben ­haben das Unternehmen übernommen und weiterentwickelt. Bis dahin müssen wir gemeinsam einige Hausaufgaben ­erledigen, um diesen Weg zu ebnen. Denn wie sagt man so schön: Von nichts kommt nichts. Es warten herausfordernde Zeiten auf uns, aber das Schöne ist: Wir haben alles selbst in der Hand. Wenn wir das schaffen, sehe ich am Horizont des Jahres 2036 ein rauschendes Fest zum 100-Jährigen.

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