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Echter Nutzen für die Mitarbeiter Betriebliche Krankenversicherung (bKV): Versicherer im Kosten- und Leistungsvergleich

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ermöglicht Mitarbeitern den Zugang zu privatärztlichen Leistungen. Viel Wirkung für wenig Geld – denn teuer ist das Ganze nicht, wie unser Marktüberblick zeigt.

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Was die Großen schon lange machen, können die Kleinen jetzt auch: eine betriebliche Krankenzusatzversicherung (bKV) für ihre Mitarbeiter abschließen. Die Assekuranzen haben verstanden, dass sie ihre Angebote so gestalten müssen, dass Organisation und Abwicklung der bKV für alle Betriebe – auch die kleinen – leicht hand zu haben sind.

Praxisbeispiel bKV

Birgit Gämmerler findet, dass das den Versicherern gut gelungen ist. In Zeiten der Pandemie sei die bKV wichtiger als je zuvor. Deshalb hat die Inhaberin der Zeitraum GmbH aus dem bayerischen Wolfratshausen für ihre Mitarbeiter eine private Krankenversicherung abgeschlossen. „Der erste Impuls für den Abschluss kam von unserem kaufmännischen Leiter zur Jahreswende“, erzählt sie und ergänzt: „Wir haben die bKV unseren Mitarbeitern 2020 unter den Weihnachtsbaum gelegt.“ Dieser Schutz passe sehr gut zu ihren Wertvorstellungen, die sie mit ihrer Möbelmarke seit rund 30 Jahren weiterentwickelt. „Wir setzen schon lange auf Nachhaltigkeit, achten auf die Herkunft der Ressourcen und Langlebigkeit“, so die diplomierte Designerin. Was für Produkte gelte, sei dem Unternehmen auch für die Mitarbeiter in sozialer Hinsicht wichtig: „Die Entscheidung fiel uns leicht, denn wir wollten unseren Mitarbeitern etwas wirklich Gutes tun und in dem Versicherungspaket ist Naturheilkunde enthalten – das war uns wichtig.“

So geht bKV

Bei der bKV schließt der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter eine Krankenzusatzversicherung ab, die Lücken im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (gKV) schließt. Etwa für Zahnersatz, Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus oder osteopathische Behandlungen. Da eine Gruppe – und nicht eine Einzelperson – versichert wird, sind die Beiträge oft deutlich günstiger als bei einem individuellen Vertragsabschluss. Zudem entfallen die bei Privatversicherten sonst üblichen Gesundheitsprüfungen und Wartezeiten. Insbesondere chronisch kranken Mitarbeitern verhilft der Schutz über die Firma zu besseren medizinischen Gesundheitsleistungen, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht oder nur zu einem bestimmten Teil erbringt. Privat können kranke Mitarbeiter oft den Schutz gar nicht abschließen oder sie müssen mit vielen Ausschlüssen rechnen. Alle Mitarbeiter – und oft auch ihre Angehörigen – können sofort nach Abschluss des Gruppenvertrags über die Firma die neuen Leistungen nutzen.

Trends bei der bKV

Im Trend liegt die Absicherung von kostenintensiven Versorgungen. So entfielen in den letzten Jahren rund 50 Prozent aller bKV-Leistungen auf stationäre Behandlungen und nur 25 Prozent auf Zahn- sowie 22 Prozent auf ambulante Leistungen, wie die Ergo ermittelt hat. Im Handwerk spiele aber bisher der Zahnersatz eine dominante Rolle. Nachgefragt werden derzeit vor allem die sogenannten Budgettarife. Bei ihnen können sich die Mitarbeiter über das gesamte Jahr die Leistungen aussuchen, die sie aktuell benötigen oder die ihnen wichtig sind.

Auch Birgit Gämmerler hat einen Budgettarif gewählt, den „FEELfree“ der Halleschen Versicherung. Hier können ihre 27 Mitarbeiter selbstständig entscheiden, welche Leistungen sie aus dem Budget von 600 Euro pro Jahr wählen. „Wir stehen nämlich auch für Eigenverantwortung“, so Gämmerler. Die neue bKV helfe, die Bindung der Mitarbeiter an den Betrieb deutlich zu erhöhen.

Wünsch Dir was bei Budgettarifen

Insgesamt fünf Assekuranzen bieten derzeit Budgettarife an. Neben der Halleschen sind es Barmenia, Ergo/DKV, Gothaer sowie Generali. Hier haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, aus verschiedenen ambulanten Bereichen die Leistung auszuwählen, die sie wollen.

Man muss aber unterscheiden: Bei echten Budgettarifen kann der Arbeitgeber wählen, auf welche Summe die Leistung pro Jahr begrenzt sein soll. So kostet etwa der Deckel von 300 Euro pro Jahr für den Budgettarif „WellYou“ der Barmenia 13 Euro pro Monat und Mitarbeiter, bei einem Budget von 900 Euro pro Jahr liegt die Prämie bei knapp 30 Euro.

Anders bei Gothaer und Ergo. Ihre Tarife erlauben es den Arbeitgebern, Leistungen individuell zu kombinieren. Bei der Ergo-Tochter DKV gibt es Kompakt-Angebote: „Unsere bkV-Kompaktbausteine sehen unterschiedliche Leistungsbereiche vor“, erläutert Produktentwicklerin Katja Grunenberg von der Ergo. Es gebe keinen Deckel über das gesamte Produkt. „Die Nutzung der Zahnersatzleistung beeinträchtigt beispielsweise den Anspruch bei der Brillenleistung nicht und umgekehrt“, so Grunenberg. Das Angebot der Generali Krankenversicherung ist im Vergleich noch auf schmaler Spur, denn es gibt nur Vorsorgeleistungen.

Tipp: Für Arbeitgeber sind Budgettarife oft sinnvoller, denn sie sind leichter erklärbar.

Mythen und Wahrheiten der bKV

Die Nachfrage nach privatem Krankenschutz s teigt, das gilt auch für die bKV. Ende 2019 boten rund 10.500 Unternehmen ihren Mitarbeitern eine zusätzliche Absicherung an. Das ist fast ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor, aber immer noch eine winzig kleine Zahl, angesichts der rund 3,48 Millionen Betriebe in Deutschland. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Teilnahme laut PKV-Verband jedoch verdreifacht. Die Zahl der über den Betrieb versicherten Arbeitnehmer lag Anfang 2020 bei 883.400 Beschäftigten.

Gute Gründe für die bKV

Als einen der wesentlichen Gründe für diesen Trend nennt der Verband der Privaten Krankenversicherungen den zunehmenden Fachkräftemangel. „Eine bKV kann das Zünglein an der Waage sein, um neue Mitarbeiter verpflichten oder alte Mitarbeiter bei der Stange halten zu können“, sagt auch Uwe Jüttner vom Versicherungsmakler Aon aus Hamburg.

Statistisch belegt ist ein weiterer Vorteil: Privatpatienten können schneller mit einer Behandlung beginnen, da sie schneller Termine beim Arzt bekommen. Und: Eine bKV, die physiotherapeutische und osteopathische Behandlungen bei Gelenks- oder Wirbelsäulenerkrankungen einschließt, kann dazu führen, dass ein körperlich belasteter Handwerker früher an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt.

Im Gegensatz zur wichtigen betrieblichen Altersvorsorge hat die bKV einen weiteren Vorteil: Sie wirkt und motiviert sofort, und nicht erst im Rentenalter, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Demgegenüber ist empirisch bisher nicht belegt, ob sich mit der bKV tatsächlich Fehlzeiten reduzieren lassen – wie bKV-Anbieter oft behaupten.

Das Angebot am Markt

Immer mehr und immer differenziertere Angebote kommen auf den Markt. Das zeigt die aktuelle Umfrage von handwerk magazin (siehe Download). Insgesamt haben wir 17 große private Krankenversicherungen angeschrieben, die eine bKV anbieten. Der starke Wettbewerb der Assekuranzen sorgt dafür, dass auch kleine Betriebe überzeugende Angebote erhalten. So können bei der Signal Iduna und der Württembergischen bereits Betriebe mit nur drei Mitarbeitern eine bKV abschließen. Bei vielen anderen Assekuranzen ist das ab fünf Mitarbeitern möglich. Etwas höher liegt die Schwelle, wenn die Mitarbeiter künftig als Privatpatient im Krankenhaus behandelt werden sollen.

Das richtige Angebot wählen

Eine gute Orientierung für bKV-Angebote bietet das Rating-Unternehmen Ascore – es vergleicht Versicherungstarife und zeichnet sie, je nach Leistungsumfang, mit bis zu sechs „Kompassen“ aus. Während ein Kompass für „schwache“ Leistung steht, bedeuten sechs Kompasse eine „herausragende“ Leistung und fünf Kompasse noch immer eine „ausgezeichnete“ Leistung.

Für stationäre Tarife und Zahnersatz haben wir die Top-Angebote dargestellt. Die Übersicht, die wesentliche Leistungen der Tarife zeigt, hat die Ascore-Tochter Softfair für uns ermittelt. Schon für rund 18 Euro pro Monat und Mitarbeiter gibt es bei der Gothaer-Versicherung die Unterbringung der Mitarbeiter im Einbettzimmer bei gleichzeitiger Chefarztbehandlung. Ganz wichtig: Bei allen Angeboten in der Übersicht sind Vorerkrankungen mitversichert. Auch kranke Mitarbeiter können somit das Angebot nutzen. Ebenfalls sind komplexe Behandlungen kostenfrei abgesichert. Denn alle Angebote erstatten auch dann die Behandlung, wenn der Arzt über dem Höchstsatz abrechnet. Überwiegend können die Mitarbeiter auch bei ambulanten Operationen und teilstationären Behandlungen die Leistungen nutzen. Mit den bKV-Angeboten – ob ambulant oder stationär – sind übrigens vielfach umfassende zusätzliche Serviceleistungen der privaten Krankenversicherer verbunden. So etwa eine fachkundige Beratung zu medizinischen Themen per App oder Telefon.

Bei den privaten Zahnersatz-Tarifen gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Allianz „bKV Zahnersatz Best“ und der Gothaer „MediGroup- AG Z Premium“. Beide, von Ascore mit sechs Kompassen ausgezeichnete Tarife, sind für rund 20 Euro pro Monat und Mitarbeiter erhältlich. Gute Zahngesundheit sollte Handwerksmeistern ein wichtiges Anliegen sein, denn wer solche Behandlungen auf die lange Bank schiebt oder nur die Regelversorgung der Kassen nutzt, provoziert oft neue Behandlungen oder andere Erkrankungen und erhöht das Ausfallrisiko für sein Unternehmen. Der höhere Gesundheitsschutz gilt vielfach auch für Familienmitglieder. Zwar müssen sie die Kosten der Versicherung selbst tragen, doch sie profitieren von den besonderen Firmenkonditionen.

Einführung einer bKV

Unternehmer sollten vor der Einführung einer bKV prüfen, welchen Aufwand sie sich für ihre Mitarbeiter leisten wollen und langfristig auch können. Grund: Wer die bKV einmal hat, sollte sie durchhalten. Denn die Streichung von Extra-Leistungen sorgt für Verunsicherung über die Solidität des Betriebs.

Handwerker können sich für die Wahl eines optimalen Tarifs an einen Versicherungsberater oder Versicherungsmakler wenden. Diese Experten sind nicht an einen Versicherer gebunden und begleiten die Einführung der bKV. Tipp von Dennis Pölckow vom Vergleichsanbieter Softfair: „Sinnvoll ist es, die Wünsche der Belegschaft im Voraus abzufragen.“

Kosten, Aufwand, Steuervorteile

Der Staat beteiligt sich an den Kosten für die Absicherung der Arbeitnehmer – und das mehr als bisher üblich. Konnten früher lediglich 44 Euro pro Mitarbeiter steuerlich abgesetzt werden, sind es seit 2021 sogar 50 Euro. Die Beiträge bis zu dieser Höhe je Mitarbeiter fallen unter die Freigrenze der Sachbezugsregelung (§ 8 Abs. 2 Satz 11 Einkommensteuergesetz). Voraussetzung ist, dass der Mitarbeiter nur Anspruch auf die Versicherungsleistung einer bKV hat. Ein Anspruch auf einen Geldzuschuss für den Abschluss einer bKV schließt hingegen den Sachlohn aus. Aber Vorsicht: Mit Überschreiten der Sachbezugsfreigrenze werden alle Sachbezüge steuerpflichtig. Erhalten die Mitarbeiter bereits andere Sachlohnleistungen, wie Tankgutscheine, müssen Unternehmer umstellen – und das ist aufwändig: Denn die rechtlichen Grundlagen für einen Sachbezug müssen geprüft werden. „Einfach umstellen kann man eine solche Leistung vor allem dann, wenn sie lediglich eine betriebliche Übung ist und nicht als arbeitsvertragliche Zusage oder aus einer bestehenden Versorgungsordnung stammt“, erläutert Experte Jüttner.

Der zeitliche Aufwand bei der Einführung einer bKV ist unterschiedlich. „Bei schnellen Organisationen liegen zwischen Erstgespräch und Einführung gerade mal sechs Monate“, weiß Makler Jüttner. Bei größeren Unternehmen, die auch den Sozialpartner mit einbinden, könne es durchaus zwölf Monate und länger dauern. Denn umso mehr Mitarbeiter ein Betrieb hat, desto aufwendiger sind die Vorabinformation und Klärung der Details.

Fazit: Die Sozialleistung bKV, die Unternehmer auch zur Eigenwerbung nutzen können, etwa auf ihrer Homepage, dürfte derzeit in vielen Regionen bei Handwerksbetrieben noch ein deutliches Alleinstellungsmerkmal sein.

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