Finanzierung -

Beispiel aus der Praxis Neue Finanzierungswege für mehr Liquidität

Wer sein Unternehmen voranbringen will, sollte über genügend Kapital verfügen. Aber oft zögern die Banken notwendige Kredite für kleine und mittlere Unternehmen zu vergeben, weil Sicherheiten fehlen und das Eigenkapital nicht ausreicht. Wie neue Finanzierungswege den Betrieb besser mit Kapital ausstatten. Ein Beispiel aus der Praxis.

Themenseiten: TS Factoring, TS Finetrading, TS Forderungsmanagement, TS Leasing und TS Liquiditätsmanagement

Gerade kleine und mittlere Handwerksbetriebe können häufig nicht die von den Banken verlangten Sicherheiten vorweisen. Somit wird es für diese Unternehmen immer schwieriger, zukunftsweisende Investitionen zu tätigen oder auch Patente zu sichern. Viele gute Ideen und Innovationen bleiben auf der Strecke, so dass geistige und wirtschaftliche Ressourcen verloren gehen. Dabei handelt es sich meist nicht einmal um große Summen, sondern häufig fehlen nur 50.000 oder 100.000 Euro, um Neues zu schaffen.

Wer Werte schaffen und Wachstum generieren will, muss sich daher für Alternativen zur traditionellen Bankenfinanzierung öffnen oder zumindest eine Ergänzung in Erwägung ziehen. Aufbauend auf einem soliden Fundament können so die avisierten Vorhaben durch mehrere Finanzierungssäulen abgesichert werden.

Franco Ottavio Mathias, Geschäftsführer der HCM Handwerk Consult Mittelstandsberatung e.K. und Geschäftsführer der HCM Capital Management Ltd. & Co. KG, erklärt an einem Beispiel aus der Praxis, wie eine erfolgreiche Gesamtfinanzierung aussehen kann. Ein mittelständischer Druckereifachbetriebes hat seine Finanzierungsstrategie neu aufgestellt. Sie besteht heute aus Beteiligungskapital sowie Partnerfinanzierungen über Finetrading, Factoring und Sale-and-Lease-Back. Das Ergebnis: eine höhere Eigenkapitalquote und ausreichende Liquidität.

Das Praxisbeispiel: Unternehmen zur Fertigung von Druckerzeugnissen

Ein inhabergeführtes Traditionsunternehmen aus dem Druckereibereich sieht auf eine lange Tradition zurück, die bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts reicht. Seitdem hat sich die Firma kontinuierlich zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Full-Service-Gesellschaft in der Druckerzeugnisfertigung entwickelt.

Mit einem Jahresumsatz von rund 3 Millionen Euro und 30 Mitarbeitern zählt es zu den führenden Unternehmen in seiner Region. In den letzten Jahren legte das Druckereiunternehmen durch Implementierung neuer Produkte und Dienstleistungen ein rasantes Wachstum hin. Das führte jedoch dazu, dass die Finanzstruktur nicht mehr passte beziehungsweise ausreichte.

Rechtzeitig erkannten die geschäftsführenden Gesellschafter den Handlungsbedarf und begannen, die Finanzierungsstruktur unter kurz- bis mittelfristigen Planungsgesichtspunkten umzubauen. Bislang war die Hausbank noch jeden Schritt mitgegangen. Die bisherige Hausbank kam jedoch nun an Ihre Finanzierungsgrenze. Es zeichneten sich langfristige Liquiditätsschwierigkeiten sowie ein Finanzierungengpass ab. Es gab Handlungsbedarf.

Ziele definieren

Gemeinsam mit den Mitarbeitern und den beteiligten Beratern definierte das Unternehmen zunächst seine mittel- bis langfristigen Ziele. Diese Diskussion war wichtig, denn die Kapitalstruktur fördert im Idealfall die Unternehmensziele. Seine Ziele definiert das Druckunternehmen wie folgt:

  • Sicherung und der Ausbau der Markstellung
  • Aktivierung von Unternehmenswerten
  • Nutzung von Synergieeffekten / Skonto- und Bonitätsverbesserung
  • Optimierung der Kostenstruktur
  • Bessere Marktdurchdringung
  • Bessere Kapitalisierung / Ausreichend Liquidität

Bei der Neustrukturierung der Kapitalsituation wurden aktuelle Entwicklungen im Unternehmen sowie der potentielle Auftragsbestand in die Überlegung mit einbezogen. Um die positiven Tendenzen auch in finanzieller Hinsicht abdecken zu können, beschäftigte sich die Geschäftsleitung auch intensiv mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. Bei der Realisierung einer neuen Kapitalstruktur werden unterschiedliche Elemente alternativer Finanzierungen umgesetzt.

Finetrading vergrößert finanziellen Spielraum

Hinsichtlich seiner Lieferanten entschied sich das Unternehmen für den Einsatz von Finetrading. Der „Finetrader“ trifft in diesem Zusammenhang quasi als Zwischenhändler auf. Er kauft die Ware vom Lieferanten und verkauft sie umgehend an das Unternehmen weiter. Der Unterschied: der Finetrader räumt seinen Kunden ein längerfristiges Zahlungsziel von bis zu sechs Monaten ein.

Mithilfe von Finetrading erhält das Unternehmen zu relativ günstigen Konditionen einen ganz neuen Liquiditätsspielraum.  

Außerdem beansprucht diese Form der Finanzierung keine Vermögenswerte als Kreditsicherheit. Hiermit konnte das Druckereiunternehmen kurzfristig seine Einkaufsseite deutlich optimieren und weiter absichern (durch das Ziehen von Skonti und Rabatten) ohne weitere Sicherheiten oder Vermögenswerte in Anspruch zu nehmen. 

Ausbau der Kreditlinie

Mit Unterstützung eines Beratungsunternehmens wurden im nächsten Schritt mit weiteren Banken entsprechende Gespräche geführt. Dabei drehte sich alles um die Frage, unter welchen Umständen eine zusätzliche Kreditlinie möglich ist.

Um eine Finanzierung über einen weiteren Bankpartner möglich zu machen, wurde ein Unternehmenskonzept mit einer ausführlichen Ertrags- und Liquiditätsplanung erstellt. Dieses wurde ausgewählten Bankinstituten vorgestellt. Einer dieser potentiellen Bankpartner konnte schnell von diesem nachhaltigen Konzept überzeugt werden. Aber: Er macht seine positive Entscheidung von einer Forderung abhängig. 

Die Forderung: Das Unternehmen muss seine Eigenkapitalquote signifikant erhöhen.

Nach intensiven Verhandlungen, unter Federführung der Beratungsgesellschaft, mit den verschiedenen Parteien kam es zum Abschluss. Die Finanzierung über einen weiteren Bankpartner hatte zudem den Vorteil, dass die Risiken eines Finanzierungsausfalls minimiert werden konnten, da die Gesamtfinanzierung des Unternehmens auf mehrere „Säulen“ gestellt wurde.

Höhere Eigenkapitalquote mit einer stillen Beteiligung realisiert

Die Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft erkannte während der Verhandlungen selbst das Potential einer Investition in das Unternehmen. Sie sagte deshalb einen Großteil einer stillen Beteiligung über eine Kapitalbeteiligungsfirma sowie weiterer Investoren zu.

Typisch stille Beteiligungen werden durch ihre Ausgestaltung vielfach als wirtschaftliches Eigenkapital oder Eigenkapital ersetzende Mittel angesehen und können dementsprechend auch bilanziell dem Eigenkapital zugerechnet werden.

Somit konnte auf diesem Wege die Forderung des neuen Finanzpartners erfüllt und die damit verbundene Finanzierung abgeschlossen werden. Die Erfahrung zeigt, dass mit weiteren externen Investoren als stille Gesellschafter ein „Hebel“ für eine darauf aufbauende Fremdkapitalfinanzierung realisiert werden kann. Aber auch die psychologische Wirkung durch Dritte ist in diesem Zusammenhang nicht zu vernachlässigen.

Factoring spült schneller Geld in die Kasse

Nach Klärung der Ablösung der bestehenden Bank und der damit einhergehenden Freiwerdung der zur Besicherungen bestellten Forderungen konnte das Unternehmen auch auf Kundenseite seine Zahlungsmodalitäten optimieren. Hier entschied sich das Unternehmen für den Verkauf eines Teiles seiner Forderungen (Ausschnittsfactoring). Nach der Rechnungsstellung an den Kunden erfolgt die Übermittlung eines entsprechenden Duplikates an den Factor und die Auszahlung von rund 80 bis 90 Prozent des Rechnungsbetrages innerhalb weniger Tage an das Unternehmen.

Der Vorteil von Factoring ist, dass das Unternehmen so seine Forderungen schneller erhält und diese zudem zu 100 Prozent gegen Ausfall abgesichert sind.

Sale-and-Lease-Back aktiviert Anlagevermögen

Bei Sale-and-Lease-Back handelt es sich um eine Sonderform des Leasings. Diese alternative Finanzierungsform ist auch für Unternehmen geeignet, die sich in einer schwierigen Phase befinden.

Diesen sogenannten Rückmietverkauf nutzte die Druckerei für seinen Maschinenpark. Das Unternehmen verkaufte hierzu die Maschinen an eine Leasinggesellschaft und mietete sie gleichzeitig zur weiteren Nutzung zurück.

Durch Sale-and-Lease-Back des Maschinenparks konnte bilanziell ein Teil des Anlagevermögens aktiviert und die freigewordene Liquidität aktiv in das Unternehmen fließen.

Fazit: Blick in die finanzielle Zukunft

Neben der ausreichenden Finanzierung des eingeschlagenen Wachstumspfades konnte durch die stille Beteiligung und der damit verbundenen Verbesserung des Kreditratings beim neuen Bankpartner auch eine Verringerung des Kapitaldienstes erzielt werden. 

Darüber hinaus konnte das Unternehmen mit anderen alternativen Finanzierungspartner, wie einer Finanzierung über Finetrading, Factoring und Sale-and-Lease-Back, weitere Bereiche in der Unternehmenskette finanziell neu aufstellen und optimieren sowie die Risiken verteilen.

Vor allem mit den Finanzierungslinien über Finetrading- und Factoringgesellschaften war es dem Unternehmen in der Folge möglich, Skonto- und Rabatteffekte zu nutzen und anzubieten. Durch den damit verbundenen Zahlungsaufschub (Finetrading) und die schnellere Begleichung der Forderungen (Factoring) konnte zusätzliche Liquidität generiert werden, die dem Unternehmen beispielsweise für neue Aufträge zur Verfügung stand.

Die mit diesen alternativen Finanzierungen verbundenen Kosten konnten durch die erzielten Effekte ausgeglichen werden. 

Durch den Mix der angewandten alternativen Finanzierungsmethoden sowie der neuen Kreditlinie konnte sich das Unternehmen zudem nachhaltig neu und wirtschaftlich gesund aufstellen, was sich dann wiederum überaus positive auf die Umsatz- und Ertragssituation auswirkte.

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