Kolumne "Professioneller Bauablauf" von Andreas Scheibe, 16. Folge VOB: Die Behinderungsanzeige ist keine Kampfansage – sie sorgt für Aufklärung und Frieden!

Zugehörige Themenseiten:
Auftragsabwicklung, Baurecht und Professioneller Bauablauf – Kolumne von Andreas Scheibe

Die Behinderungsanzeige hat leider ein schlechtes Image, allerdings nur, weil noch zu wenige verstehen, welch mächtiges, nützliches Instrument sie doch ist. Sie soll nämlich tatsächlich weniger den Behinderungsverursacher bloßstellen, sondern vielmehr dem Bauherrn als Warnung und Hilfe dienen. Auf diese Weise wird der Werkerfolg zeitlich und qualitativ sichergestellt, denn Bauherren haben nur selten Durchblick von der eigenen Baustelle. In der 16. Folge von „Professioneller Bauablauf“ weiß Kolumnist Andreas Scheibe dazu nicht nur Rat, sondern auch von einem häufigen Szenario zu berichten.

Kolumnist Andreas Scheibe, warum die Behinderungsanzeige ein schlechtes Image genießt, aber doch ein äußerst hilfreiches Instrument ist
Die Behinderungsanzeige genießt nicht den besten Beruf, ist aber dennoch ein ausgesprochen hilfreiches Instrument auf der Baustelle. – © Robert Kneschke – stock.adobe.com

Es war einmal ein öffentliches Bauprojekt. Mit Bauherr, Architekt, Planer und ausführenden Firmen. Bauherr, Architekt und Planer waren ein kühnes Team voller Ideale und Träume. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg das Projekt aus dem Reich der Fantasie zu heben und durch die Auftragnehmer verwirklichen zu lassen. Doch eines Tages stand er da, der Störenfried mit seinem Schwert, der Behinderungsanzeige, um zu trennen das Richtige vom Falschen. Er berichtete zur großen Verwunderung des Bauherrn von Missständen auf der Baustelle, aber auch in der Planung. Plötzlich wurde dem Bauherrn klar, dass sein Team zwar ganz schön wagemutig, aber ansonsten recht halbherzig war. Und zwar halbherzig in der Umsetzung und Bereitstellung der Pläne.

Wie sollte es das Fantasieprojekt von einst nun sicher in die Realität schaffen? Ertappt und beschuldigt gingen Architekt und Planer also zum Gegenangriff über. Sie stiegen in einen Kampf gegen den rechtschaffenen Handwerker ein, der einzig und allein den Werkerfolg im Sinn hatte. Klingen trafen aufeinander, Wortgefechte wurden ausgetragen und die Schuldkarte immer wieder weitergereicht.

Die Behinderungsanzeige als Friedensinstrument

Bis irgendwann der Handwerker aus dem Kampf austrat, denn ihm wurde es allmählich zu blöde. Er überreichte dem Bauherrn eine Schriftrolle voller Belege und Konsequenzen zur Behinderung und verließ sodann den Schauplatz. Nachdem die Emotionen verflogen waren, dämmerte dem Bauherrn langsam, dass das Ansinnen des Handwerkers keineswegs eine Kriegserklärung war. Vielmehr war es der Wunsch nach einer Lösung für sämtliche Umstände. In diesem Moment wendete sich das Blatt. Nun sah er sein kühnes Team mit anderen Augen und veranlasste eine gründliche Aufklärung der Situation. Der Bauherr erkannte die Behinderungsanzeige als Friedensinstrument und verstand zugleich, dass der Handwerker nur helfen konnte indem er störte.

In aufklärender Mission

Das böse Blut zwischen Architekt, Planer und Handwerker verschwand von Tag zu Tag. Denn endlich stellten auch Architekt bzw. Planer fest, dass der Handwerker nicht angreifen, sondern lediglich aufklären wollte. Als ihnen also seine Mission dämmerte, wollten auch sie sich auf die Reise begeben, es dem Handwerker gleichtun und Bauprojekte von nun an besser gestalten. Und wenn es der professionelle Bauablauf so will, dann arbeiten Architekt, Planer und Handwerker noch heute mit dem Bauherrn als neues kühnes Team zusammen.

Mittel der VOB sind vielmals nicht bekannt

Bitte nicht falsch verstehen, liebe Leserschaft, ich will hier nichts und niemanden ins Lächerliche ziehen! Ich will nur zeigen, dass das Gewese um die förmliche Behinderungsanzeige manchmal ziemlich überflüssig ist. Sie ist ein Friedensinstrument und keine Kampfansage. Das weiß man aber nur, wenn man sie schon mal überbracht und sachlich betrachtet hat. Doch die Mittel der VOB – wie eben eine Behinderungsanzeige – sind vielen schlichtweg nicht bekannt. Aber im Grunde sollten sie das! Denn nur so wird man zu einem Ritter bzw. Retter der Baustelle. Ich habe hier beispielsweise Obermonteure im Sinn, aber natürlich auch Projektleiter sowie Geschäftsführer von Handwerksunternehmen. Also rüstet Euch und wisst um eure Waffen Bescheid, wenn es mit dem Bauprojekt mal abwärts gehen sollte! Hilfe erhaltet Ihr zum Beispiel von mir und meinem Team.

Über Autor Andreas Scheibe:
Andreas Scheibe
© Continu-ING GmbH

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!

Mit der Continu-ING GmbH (lücken-im-lv.de) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.

„Stark im Handwerk – das Buch für Handwerker

Im August 2021 ist das erste Buch „Stark im Handwerk“ von Andreas Scheibe erschienen. Darin beweist der Experte, dass die VOB voller Potenzial, aber auch Geld steckt. Aus der Praxis weiß handwerk-magazin-Kolumnist Scheibe, dass das Bild, welches Auftraggeber, Architekten und Planungsbüros oft vom Handwerker haben, meist kein ruhmreiches ist. Zwar sind die ausführenden Firmen nach deutschen Standards sehr gut ausgebildet und wissen technisch bestens Bescheid, „doch von einer Sache hat man Ihnen nichts erzählt: Welche Rechte sie haben! Und auch nicht, dass sie eigentlich und zuallererst auf Augenhöhe mit Auftraggeber und Fachplaner stehen“, erklärt Scheibe. „Der Handwerker ist zwar der letzte in der Reihenfolge bezogen auf den Bauablauf, aber der letzte Depp ist er noch lange nicht!“

In diesem Zusammenhang kommt der Autor in seinem Buch sowohl auf die Rechte eines Handwerkers als auch auf dessen Pflichten zu sprechen. Denn genau diese stehen so im Detail in der VOB. Diese ist jedoch kompliziert und daher auch sehr unbeliebt – zu Unrecht, wie der Autor findet. Das Buch von Andreas Scheibe weckt nicht nur Interesse für das Projektgeschäft, sondern auch für das Durchsetzen von Rechten und Forderungen sowie den spielerischen Umgang mit Paragrafen. Das Ziel: Handwerk muss wieder Spaß machen und zu alter Stärke zurückfinden.

stark-im-handwerk.de


Neues Buch: „Starke Obermonteure – Retter der Baustelle“

Wollen Sie Ihre Obermonteure zu Mega-Monteuren ausbilden? Verzeihen Sie den Wortwitz, aber genau darum geht es: Obermonteure sollen die VOB/C aufsaugen und wie die Mitternachtsformel auch noch mitten in der Nacht rezitieren können. So schaffen Sie mehr Sicherheit als auch höhere Profitabilität auf Ihren Baustellen. Bestellen Sie dazu ab dem 6. August 2022 die Neuerscheinung meines Buches „Starke Obermonteure – Wie deine Obermonteure zum Retter deiner Baustelle werden“.

starke-obermonteure.de