Kolumne "Professioneller Bauablauf" von Andreas Scheibe, 48. Folge VOB: Öffentliche Baustellen im Chaos – BdStZ bemängelt unrealistische Zahlen und fehlende Zuständigkeiten

Chaos, Kostenexplosionen und endlose Verzögerungen: Öffentliche Baustellen bringen häufig ein kleines bis größeres Drama mit sich. VOB-Trainer und und Kolumnist Andreas Scheibe erklärt in der 48. Folge von „Professioneller Bauablauf“, warum in Deutschland auch laut dem Bund der Steuerzahler (BdStZ) dringend umgedacht werden muss.

Öffentliche Baustellen besser abwickeln: In seiner Kolumne appelliert VOB-Trainer Andreas Scheibe an die Politik, endlich in eine ordentliche Vorbereitung zu investieren. - © Virginia - stock.adobe.com

Der ewige Wahnsinn: Baustellen ohne Plan. Der Bund der Steuerzahler (BdStZ) kritisiert, dass viele öffentliche Baustellen ohne eine vernünftige Gesamtplanung starten. Tja, da kann ich nur zustimmen – das sehe ich auf Baustellen tagtäglich. Die Firmen fangen an zu werkeln, und dann stellt sich raus, dass Heizung, Lüftung oder Brandschutz noch gar nicht richtig durchdacht wurden. Das heißt dann: umplanen, nacharbeiten, zahlen. Und wer blecht am Ende? Genau, der Steuerzahler. Kein Wunder, dass sich die Kosten verdoppeln oder verdreifachen. Projektmanagement? Fehlanzeige!

Öffentliche Baustellen: Klare Zuständigkeiten fehlen

Der Bund der Steuerzahler bemängelt auch, dass klare Zuständigkeiten und eine saubere Aufgabenverteilung oft fehlen. Absolut richtig! Ich sehe es immer wieder: Die Gewerke wissen nicht, wer wann was machen soll. Und warum geht das Budget immer hops? Der BdSt sagt: Es wird nicht sauber gerechnet. Kann ich bestätigen! Unrealistische Wirtschaftlichkeitsberechnungen? Alltag. Keine ordentlichen Kostenvergleiche? Auch keine Seltenheit. Ich habe genug Handwerker erlebt, die schon beim ersten Blick auf die Planung sagen: „Das wird niemals so billig!“ – und trotzdem wird’s durchgewunken. Dann kommen die Nachträge, weil niemand vorher mal richtig gerechnet hat. Die Politik tut jedes Mal überrascht – dabei könnte man das mit ein bisschen Realitätssinn leicht vermeiden.

Und was hat das alles jetzt mit der VOB zu tun? Der BdSt kritisiert, dass Vergaben nicht immer sauber laufen – genau mein Punkt! Die VOB gibt uns eigentlich alle Werkzeuge an die Hand, um Projekte sauber zu organisieren. Aber was passiert? Sie wird nicht konsequent angewendet. Ich habe erlebt, wie Bauleistungen nach Bauchgefühl vergeben werden und hinterher keiner weiß, wer eigentlich für was verantwortlich ist. Oder die Förderung läuft den Bauherren davon. Also lieber früher als zum richtigen Zeitpunkt die Ausschreibung starten. Selbst der BdSt verwendet den Begriff „baubegleitende Planung“. Dieser "Mumpitz" scheint sich mittlerweile zum Normalzustand entwickelt zu haben. Und ganz zum Schluss wundern sich alle, wenn es eskaliert.

So können Handwerksbetriebe öffentliche Baustellen besser managen

Wir Handwerker können helfen, das Chaos in den Griff zu bekommen – und zwar nicht erst, wenn der Schaden schon da ist. Wenn wir frühzeitig eingebunden werden, können wir bereits vor Baubeginn dafür sorgen, dass die Ausführungsunterlagen so lange korrigiert werden, bis sie wirklich funktionieren. Keine halbgaren Pläne mehr, keine ständigen Nachbesserungen, keine unklaren Zuständigkeiten.

Und noch etwas: Wir können als „Erklärbär“ mit der VOB unterm Arm durch das Projekt gehen und allen Beteiligten klar machen, wer welche Rechte und Pflichten hat. So kann man viele Probleme schon im Vorfeld lösen, bevor sie überhaupt entstehen. Die VOB ist nicht das Problem – sie ist die Lösung, wenn man sie richtig einsetzt!

Botschaft an die Politik: Investiert in eine ordentliche Vorbereitung!

Was wir fordern sind: Mehr Hirn, weniger Chaos. Jeder Aufwand, der mehr in die Planung geht spart am Ende vom Projekt die doppele Zeit an Ärger und Chaos. Es ist höchste Zeit, dass sich in Deutschland was ändert. Der Bund der Steuerzahler hat es erkannt, aber wir Handwerker wussten es schon lange. Die Politik muss kapieren: Eine ordentliche Vorbereitung kostet erst einmal Geld, spart aber später Millionen. Und macht vor allem uns Handwerkern das Leben um einiges leichter.

Über Autor Andreas Scheibe:
© Continu-ING GmbH

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!

Mit der Continu-ING GmbH (vob.de) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den
Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.

"Stark im Handwerk – das Buch für Handwerker im VOB-Projektgeschäft"

Im August 2021 ist das erste Buch "Stark im Handwerk" von Andreas Scheibe erschienen. Darin beweist der Experte, dass die in der VOB viel Potenzial und auch viel Geld für Handwerker steckt. Aus der Praxis weiß handwerk-magazin-Kolumnist Scheibe, dass das Bild, welches Auftraggeber, Architekten und Planungsbüros oft vom Handwerker haben, meist kein ruhmreiches ist. Zwar sind die ausführenden Firmen nach deutschen Standards sehr gut ausgebildet und wissen technisch bestens Bescheid, doch von einer Sache hat man Ihnen nichts erzählt: Welche Rechte sie haben! Und auch nicht, dass sie eigentlich und zuallererst auf Augenhöhe mit Auftraggeber und Fachplaner stehen. "Der Handwerker ist zwar der letzte in der Reihenfolge bezogen auf den Bauablauf, aber der letzte Depp ist er noch lange nicht", erklärt Andreas Scheibe.

In diesem Zusammenhang kommt der Autor in seinem Buch sowohl auf die Rechte und Pflichten eines Handwerkers als auch auf die Rechte und Pflichten der anderen Projektbeteiligten zu sprechen. Denn genau diese sind im Detail in der VOB geregelt. Die Formulierungen klingen jedoch oft kompliziert und die Anwendung ist daher auch sehr unbeliebt – zu Unrecht, wie der Autor findet. Das Buch von Andreas Scheibe weckt nicht nur Interesse für das Projektgeschäft, sondern auch für das Durchsetzen von Rechten und Einfordern von Pflichten, sowie den spielerischen Umgang mit Paragrafen. Das Ziel: Handwerk muss wieder Spaß machen, gerecht bezahlt werden und zu alter Stärke zurückfinden.

stark-im-handwerk.de

Neues Buch: "Der professionelle Bauablauf – Das Schritt-für-Schritt System um deine Liquidität nachhaltig zu sichern"

Im August 2023 erschien das bereits dritte Buch von Andreas Scheibe „Der professionelle Bauablauf“. In diesem Buch sind viele Jahre Erfahrung in der Durchführung und auch Beratung von hunderten Handwerksunternehmen eingeflossen. Daraus entstanden ist ein praxiserprobtes und sofort umsetzbares Schritt-für-Schritt System welches mehr Klarheit und Sicherheit im Bauablauf für Handwerker verspricht. In diesem Buch geht es um notwendige Fähigkeiten um standardisierte Ablaufpläne zu erstellen, hochprofitable Nachträge durchzusetzen und berechtigte Forderungen darzulegen, zu begründen und zu verhandeln.

In seinem Buch geht Andreas Scheibe auch auf die 47 häufigsten und teuersten Fehler in VOB-Projekten ein, und wie sich diese verhindern lassen. Am Ende geht es darum, einen standardisierten Schriftverkehr einzuführen und Projekte strukturiert und profitabel abzuwickeln. Und das nach den Spielregeln der VOB.

der-professionelle-bauablauf.de

Zugehörige Themenseiten:
Auftragsabwicklung und Professioneller Bauablauf – Kolumne von Andreas Scheibe