Das Netzwerk UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) feiert die Wiedervereinigung mit dem Landesverband Baden-Württemberg. Bundesverbandsvorsitzende Katja Melder und Ruth Baumann, Vorsitzende des Landesverbands, erklären im Interview, wie es zum UFH-Friedensschluss kam und warum das ein wichtiger Schritt ist.

handwerk magazin: Was geht Ihnen spontan durch den Kopf, wenn Sie an die frühere Trennung beider Vereine denken, Frau Baumann?
Ruth Baumann: Das ist gar nicht so einfach, weil es Jahre zurückliegt und es hierzu viele Facetten gibt. Es war damals ein Zeichen, um zum Nachdenken auf beiden Seiten anzuregen und die gegenseitigen Vor- und Nachteile abzuwägen.
Können Sie das erklären?
Ruth Baumann: Vor 23 Jahren sorgte das damalige Delegiertenwahlrecht des Bundesverbandes für Missstimmung in den Landesverbänden. Es spiegelte den Proporz der Mitgliederzahlen nicht wider. Es gab auch Kolleginnen, die mit der Arbeit des Bundesverbandes „fremdelten“, daher wollte man eine Denkpause. Doch es folgte kurzfristig ein Verbot der Logo-Nutzung und dann eine gerichtliche Auseinandersetzung. Das führte zur Trennung. Statt Befindlichkeiten zu meistern, galt es anschließend Fakten zu akzeptieren.
Wie kam es zum UFH-Friedensschluss und zur Wiedervereinigung?
Katja Melder: Wir sind ziemlich parallel die ersten Schritte gegangen. Angefangen hat es bei Social Media. Uns gefiel, was der andere gepostet hatte. Dann hatten wir einen langen Prozess des miteinander Schreibens und Telefonierens. Irgendwann haben wir dann beschlossen, uns zusammenzusetzen und zu reden.
Was eint Sie beide?
Katja Melder: Wir stehen für das Handwerk. Wir stehen für die Frauen. Und wir stehen für unsere Betriebe. Das sind die wichtigen Botschaften, die auch die UFH haben. Da ticken wir einfach gleich. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, denn die Herausforderungen im Handwerk sind enorm.
Ruth Baumann: Bundesverband und Landesverband haben sich in den vergangenen 23 Jahren weiterentwickelt. Darauf bauen wir unsere Zusammenarbeit neu auf.
Es geht nicht um einzelne Personen. Es geht um die Zukunft unserer Betriebe. Und da braucht es Stärke, auch in der Politik. Das Handwerk beklagt sich, dass es Wirtschaft zweiter Klasse ist, wir wollen das ändern. Wir bündeln unsere Kräfte und setzen ein Zeichen. Damit wir wahrgenommen und gehört werden.
Was sagen die Mitglieder zum UFH-Friedensschluss bzw. zum Zusammenschluss?
Katja Melder: Wir haben sowohl im Bund als auch auf Landesebene Befürworter und Kritiker. Unser Bemühen ist es nun, alle mitzunehmen.

Ruth Baumann: Nach 23 Jahren wäre es gut, das Alte loszulassen und neu zu starten. Wir alle gewinnen dadurch und es ist unsere gemeinsame Aufgabe, auch die Kritiker dieser neuen Entwicklung auf beiden Seiten mitzunehmen.
Wie wird der Zusammenschluss vollzogen?
Katja Melder: Am 1. Januar 2026 gehört Baden-Württemberg wieder zur UFH-Familie. Wir haben einen Fahrplan, der den Arbeitskreisen bereits vorgestellt wurde. Im Wesentlichen sind sie einverstanden. Für das umstrittene Delegiertenwahlrecht haben wir inzwischen auch eine Lösung gefunden. Starke Landesverbände haben künftig mehr Stimmen als kleine Landesverbände. Das ist nur fair und war ein Wunsch von Baden-Württemberg, dem die anderen Landesverbände nachgekommen sind.
Ruth Baumann: Wir gehen Schritt für Schritt. Unser gemeinsamer Fahrplan steht und trotzdem zeigt sich erst bei der Umsetzung, welche, vielleicht auch bürokratischen, Probleme noch auftauchen können. Das arbeiten wir beide gemeinsam mit den Kolleginnen ab.
Was ändert sich denn künftig für die Baden-Württemberger?
Ruth Baumann: Ihre Stimme wird nun auch noch im Bundesverband gehört werden, da wir als Teil der Handwerkerfamilie als Einheit auftreten. Es ändert sich das Logo, die Corporate Identity wird einheitlich und der Landesverband bringt sich bei Bundesthemen und -veranstaltungen mit ein. Kurz: Wir werden so wie alle anderen Mitglieder Impulse setzen und mitentscheiden. Im November werden wir den gesamten Landesvorstand neu wählen, damit jeder einzelne Arbeitskreis, der sich einbringen will, dabei sein kann. Es gibt keine „Sonderwege“ mehr, sondern nur noch das „Wir“.

Katja Melder: Die Länder und die Arbeitskreise sind die Herzstücke der UFH. Das ist nicht der Bund. Deshalb fahre ich immer zu allen Landesverbandstagungen.
Das heißt: Die Entscheidung zum Beitritt ist unumkehrbar, aber ob alle Arbeitskreise mitziehen, ist offen?
Katja Melder: Genau. Das Alte ist jetzt vollständig abgeschlossen, das Neue kann mit aller Kraft entstehen. Wir brauchen Geschlossenheit, da kann es keine faulen Kompromisse geben.
Ruth Baumann: Wir halten uns an die Regeln demokratischer Entscheidungen: Die Mehrheit gibt den Weg vor. Wer damit nicht leben kann, kann nicht mehr UFH mitgestalten.
Was sind denn die großen Herausforderungen in den nächsten zehn Jahren?
Ruth Baumann: Wir müssen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie Personal- und Energiekosten, bürokratische Fußfesseln usw. verbessern. Das Vergaberecht muss mittelstandsfreundlich ausgerichtet sein, wenn man das Rückgrat der Wirtschaft wirklich schätzt. Die untrennbare Einheit von Familien- und Betriebsnamen bröckelt, Betriebe melden ab, fahren eine Exit-Strategie, wandern aus oder müssen in die Insolvenz. Wir müssen laut und wirksam werden, um unseren Teil dazu beizutragen, diesen Tendenzen entgegenzuwirken.
Katja Melder: Es fängt damit an, dass wir gegen das im netten Ton vorgebrachte „Von-oben-Herab“ nicht mehr stehen lassen. Jeder sollte darauf achten, dass er auf Augenhöhe angesprochen wird. Immer. Wir haben vier Kammerpräsidentinnen und starke weibliche Stimmen im Handwerk. Das sollte Impulsgeber und Mutmacher sein. Das Handwerk ist die starke Basis der deutschen Wirtschaft – und es ist längst nicht mehr männlich dominiert.
