Anlagenmechanikerin SHK, Content Creatorin und Model – Sandra Hunke ist im Handwerk richtig bekannt. Doch der Weg dorthin war für „Das Baumädchen“ sehr steinig, wie sie in ihrem neuen Buch schonungslos schreibt. Das Schreiben sei wie eine Therapie gewesen. Ein Gespräch über Offenheit.

handwerk magazin: Frau Hunke, in Ihrem neuen Buch „Ich zeig’ euch, wo der Hammer hängt!“, mit dem Sie seit einigen Monaten im Buchhandel für Furore sorgen, schreiben Sie ehrlich und schonungslos über Ihr Leben – vom Mobbing-Opfer in der Schule über Ihre beschwerlichen Anfänge im Handwerk bis zu den schillernden Catwalks dieser Welt. Wie ist die Resonanz auf diese Offenheit bislang?
Sandra Hunke: Die Resonanz ist sehr gut. Ich hatte echt Respekt, wie die Leute darauf reagieren. Und alle finden es echt toll, dass ich so schonungslos und ehrlich bin und auch meine Niederlagen niedergeschrieben habe. Denn das zeigt einfach: Von nichts kommt nichts. Jeder muss sich im Leben ein bisschen durchboxen. Mein Buch gibt ganz vielen Leuten sehr viel Motivation, es auch schaffen zu können.
Aus welcher Ihrer Zielgruppen bekommt eine Sandra Hunke das meiste Feedback?
Das ist tatsächlich total gemischt. Es sind junge Leute dabei, aber auch ältere Menschen, die gesagt haben, dieses Buch werde ich auf jeden Fall meinem Enkel schenken, damit er sich das mal durchliest. Mit dieser kunterbunten Mischung habe ich gar nicht gerechnet.
Ein Feedback, mit dem Sie nicht gerechnet hatten?
Es ist krass, dass ganz viele Politiker das Buch gelesen, mir eine E-Mail geschrieben und mich gelobt haben. Beispielsweise möchte mich nächstes Jahr Bauministerin Verena Hubertz besuchen kommen, aktuell ist sie ja schwanger. Dass selbst so hohe Tiere wie Politikerinnen das Buch durchlesen und sich die Zeit nehmen, mir eine E-Mail zu schreiben, das finde ich schon besonders. Das ging echt unter die Haut. Überhaupt das ganze positive Feedback: Sonst nehmen sich die Leute oft nur Zeit für negatives Feedback. Bei mir ist es genau andersrum – das ist schön!
Wie schwer ist es Ihnen gefallen, die teils heftigen Geschichten aus Ihrer Schul- oder der Anfangszeit im Handwerk aufzuschreiben?
Es gab Zeilen, da sind auf jeden Fall ein paar Tränen gekullert. Ich bin durch die ganzen Schmerzen noch einmal durchgegangen und habe alles Revue passieren lassen. Manchmal habe ich mir gedacht: Krass, dass ich mir das alles habe gefallen lassen. Aber gut, das hat was mit mir gemacht und gehört einfach zu mir. Das Schreiben war wie eine kleine Therapie für mich.
Gab es eine spezielle Schreibroutine?
Ganz unspektakulär: Sobald meine Kleine im Bett lag, habe ich mich hier unten im Haus hingesetzt. Man denkt ja, man schreibt so ein Buch an einem See, ganz für sich allein. Die Zeit hatte ich leider nicht. Ich habe zwischen Windeln wechseln, Kind füttern, aufräumen und Baustelle das Buch geschrieben. Also meistens abends bis in die Nacht hinein.
Gehen wir mal näher auf die Denkanstöße Ihres Buches ein. Wo können wir aus der Sicht von Sandra Hunke ansetzen, um mehr Frauen für handwerkliche Berufe zu begeistern?
Wir können auf jeden Fall in den Schulen mehr aufklären, vielleicht das Fach Werken wieder in den Stundenplan aufnehmen, wo auch die Mädels, wenn sie zu Hause nicht die Chance haben, Berührungspunkte mit handwerklichen Tätigkeiten haben. Auch sollten Handwerksunternehmen mehr nach außen zeigen, dass bei ihnen auch Frauen auf der Baustelle arbeiten und wie gut das Arbeitsklima vor Ort ist. Oder sie sollten auf Social Media posten, wie stolz sie sind, im Bauhandwerk eine Frau auszubilden. Man kann da ganz viel machen. Das Wichtigste ist, dass wir stolzen Handwerkerinnen dies wirklich nach außen tragen – um Mut zu machen, ins Handwerk zu gehen. Frauen brauchen einfach Vorbilder.
Aus Ihrem Buch kann man auf jeden Fall rauslesen, wie gut Frauen das Handwerk bereichern können.
Ja, voll! Ich finde immer dieses Fighten Männer gegen Frauen oder Frauen gegen Männer ganz schlimm. Wir funktionieren einfach als Team gut. Frauen haben eine andere Denkweise als Männer – und umgekehrt. Und dementsprechend ergänzen wir uns in so vielen Dingen so gut. Wir müssen uns als Team sehen und nicht als Gegner. Auch auf der Baustelle.
Mit Ihrem Buch wollen Sie gezielt mit Klischees im Handwerk aufräumen. Also, fangen wir mal an …
Ein Klischee ist, dass Frauen schnell aufgeben. Dem ist nicht so! Wir Frauen haben schon echt Durchhaltevermögen. Zweitens: Dass Frauen das schwächere Geschlecht sind, das stimmt auch nicht. Was allein eine Mama zu Hause leistet, wie krass ist das bitte? Das sind Superheldinnen. Und dass Frauen zu schwach sind für den Beruf ist auch totaler Quatsch, weil wir im modernen Handwerk so viele praktische Hilfsmittel haben. Meine Botschaft: Jeder hat andere Stärken – und das ist gut.
Wie geht es Ihnen damit, dass wir uns heute im Jahr 2025 immer noch über diese Themen unterhalten müssen?
Ich sehe das nicht nur schwarz und weiß. Wir bewegen uns in die richtige Richtung! Früher durften Frauen nicht mal wählen oder im Baugewerbe arbeiten. Aber wir sollten uns auf keinen Fall ausruhen, wir müssen weiter laut sein. Aber wir wollen jetzt nicht nur negativ reden. Das Positive ist doch, dass wir Frauen einfach aufstehen und sagen: Hey, wir sind jetzt dran. Wir haben auch eine Daseinsberechtigung auf dem Bau und wir dürfen auch im Handwerk arbeiten.
Stichwort: Wir sind jetzt dran. Was ist Ihr nächster Job? Das Schreiben, das Modeln oder die Baustelle?
Meine Baumädchenvilla bauen, sobald ich meine Baugenehmigung bekomme.
Klingt nach viel Bürokratie …
Ja, da hakt es irgendwie. Ich weiß auch nicht, woran es genau liegt. Aber es dauert halt so lange, wie es dauert. Da will ich jetzt auch nicht zu negativ sein.
Zur Person: Sandra Hunke
Sandra Hunke, Jahrgang 1992, ist Anlagenmechanikerin SHK, Content Creatorin und Model – und bundesweit bekannt. Mit ihrem neuesten Buch „Ich zeig‘ euch, wo der Hammer hängt!“ (EMF Verlag, 208 Seiten) möchte sie auf eine ganz persönliche Art und Weise Schluss mit Vorurteilen machen, mit überholten Klischees aufräumen und zeigen, wie Frauen das Handwerk bereichern. Ein schonungsloser Bericht, der einen das eine oder andere Mal schlucken lässt.
