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Auftragsarbeiten Die ganz besondere Nähwerkstatt

Zwei Frankfurter Designerinnen eröffnen eine Werkstatt, in der geflüchtete Näherinnen ihre Fähigkeiten einsetzen können. Mitte Februar 2016 fiel der Startschuss für das Start-up-Projekt „Stitch by Stitch“: eine Nähwerkstatt in Frankfurt, die Auftragsarbeiten für junge Mode-Labels ausführt.

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Modedesignerin Claudia Frick (43) und Kommunikationsdesignerin Nicole von Alvensleben (47) gründeten das junge Unternehmen.

Kleine Stückzahlen: regional und nachhaltig

Das Besondere an ihrer Geschäftsidee: Stitch-by-Stitch beschäftigt ausschließlich geflüchtete Frauen und startet jetzt mit einer jungen Näherin aus Syrien. Das Projekt wird im Rahmen des Stipendienprogramms „Ankommer“ von der KfW-Stiftung gefördert, um Flüchtlingen die Eingliederung auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Die Geschäftsidee entwickelte sich aus verschiedenen Ansätzen: Modedesignerin und Maßschneiderin Claudia Frick stand für ihre eigene Mode-Marke „Coco Lores“ vor der Herausforderung, kleinere Stückzahlen regional und nachhaltig zu produzieren. Ihre Geschäftspartnerin und Kommunikationsdesignerin Nicole von Alvensleben wollte nach 14 Jahren in den USA in Frankfurt neu starten, „mit einem Geschäftsmodell, das nicht nur zukunftsfähig ist, sondern auch eine unternehmerische Lösung für aktuelle soziale Probleme bietet“.

Stick- und Nähtechniken aus anderen Kulturen

Stitch by Stitch kann schnell und effektiv kleine Produktionsserien von fünf bis zu 500 Teilen herstellen. „Aber mit Stick- und Nähtechniken, die aus anderen Kulturen kommen“, betont Claudia Frick. Zu den ersten Kunden der Schneiderei zählen neben „Coco Lores“ eine junge Taschen-Marke sowie ein Künstler, der mit nachhaltigen T-Shirts für mehr politische Toleranz wirbt. Das Projekt überzeugte auch die Jury der KfW-Stiftung „Ankommer“.

Die Gründerinnen gehören jetzt zu den 14 Start-ups, die für acht Monate praktische Coachings für den Start in die Selbständigkeit erhalten. Das Ziel für 2016: „Mit fünf Näherinnen einen soliden Kundenstamm aufzubauen, sodass wir mittelfristig von dem Unternehmen leben können“, erklärt von Alvensleben.

Start-up als Vorzeigeprojekt

Es dürfte nur wenige Unternehmen geben, die ähnlich jung sind wie die Frankfurter Näherei Stitch by Stitch und die schon so viel Aufmerksamkeit genießen. Die beiden Gründerinnen der Manufaktur sind beinahe jede Woche in den Medien, sie sind Teil von Vorzeigeprojekten der Bundesregierung. Dabei ist den Gründerinnen die Idee zum eigenen Unternehmen zufällig gekommen: Mode-Designerin und Schneiderin Claudia Frick war auf der Suche nach einer Schneiderei, die auch für kleinere Labels zu günstigen Preisen näht – fand aber keine. Gemeinsam mit Nicole van Alvensleben, Designerin und Werbekauffrau, gründete sie schließlich ihre eigene Schneiderei. Das Besondere: Die Gründerinnen beschäftigen ausschließlich geflüchtete Frauen.

Das junge Team spricht aktuell vier Sprachen. „Das ist für uns kein Hindernis“, sagt Eva-Madeleine Fiedler, die Stitch by Stitch betriebswirtschaftlich unterstützt. Stitch by Stitch ist kein klassischer Betrieb, sondern auch eine gemeinnützige Einrichtung. Die Schneiderinnen arbeiten hier nicht nur, sondern sie finden auch Hilfe in anderen Lebensbereichen. So gibt es jede Woche einen Deutschkurs. Regelmäßig unterstützen die beiden Chefinnen ihre Mitarbeiterinnen bei Behördengängen und anderen Problemen. „Die Frauen hier haben alle viel erlebt“, sagt Fiedler.

Wirtschaftlich erfolgreich ist das Unternehmen noch nicht. „Bisher sind wir ein Hybrid zwischen einem Unternehmen und einer gemeinnützigen Einrichtung“, sagt Fiedler. „Wir investieren viel Zeit, das zahlt sich finanziell nicht direkt aus.“ Für 2017 haben die Gründerinnen und ihr Team deshalb große Pläne: Sie wollen nicht nur für andere schneidern, sondern ihr eigenes Produkt entwickeln.

Hier finden Sie den Betrieb:

Themenfläche „Fokus. Made in Germany“, Halle C2.568, Online: www.stitchbystitch.de

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