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Betriebsführung Digitalisierungsbarometer: Handwerker sehen in Sachen Digitalisierung mehr Chancen als Risiken

Je jünger, desto digitaler: Wenn es darum geht, den eigenen Betrieb mithilfe neuer Technologien zu führen und zu entwickeln, kommt es aufs Alter der Handwerkschefs an. An einer ganzheitlichen strategischen Vision für den eigenen Betrieb hapert es noch.

Topic channels: TS Digitalisierungsbarometer, TS Digitalisierung, TS Coronavirus und TS IT-Trends

Die Digitalisierung ist im Handwerk voll angekommen. Das Fazit zieht Wolfgang Plöger, Direktor Forschung und Beratung bei Lab4Innovations. In einer umfangreichen Studie im Auftrag der Empfehlungs- und Bewertungsplattform „Wirsindhandwerk.de“ hat er dafür die Gewerke des Baus und Ausbaus unter die Lupe genommen und mit Handwerkschefs zum Status ihrer Digitalisierung gesprochen und über die zahlreichen Möglichkeiten, die Betrieben dabei entstehen. „Eine wichtige Voraussetzung dabei ist, dass die Betriebsinhaber in der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken erkennen und an Strategien arbeiten, neue Technologien und digitale Prozesse im Betrieb zu verankern“, sagt Plöger.

Dem stimmen mit 54 Prozent die Mehrheit der Betriebsinhaber zu: Bei ihnen überwiegen ganz klar die Chancen fürs Handwerk. Digitale Technologien lassen sie effizienter arbeiten, sagen 51 Prozent, und 47 Prozent glauben, dass das Handwerk dadurch insgesamt eine positive Veränderung erfährt. Für 41 Prozent ist die Digitalisierung besonders auch im eigenen Betrieb wichtig. Zu diesem positiven Trend beigetragen hat laut der Studie ein kleines Stück weit auch die Corona-Pandemie: So wollen neun Prozent aufgrund der verhängten Distanzhaltungsregeln ihre betriebliche Digitalisierung künftig stärker vorantreiben. Lediglich ein Fünftel aller Befragten, also 20 Prozent, halten die Bedeutung der Digitalisierung im Handwerk generell für überschätzt.

IT- und Datensicherheit als TopThema

Doch was umfasst die Digitalisierung in Betrieben? Dazu wurden in der Studie vier Dimensionen herangezogen, um die digitalen Aktivitäten zu strukturieren:

  • die Marktkommunikation
  • die Geschäfts- und Verwaltungsprozesse
  • die betriebliche Leistungserbringung
  • und allen voran die Betriebsführung und -entwicklung. Zu dieser zählen sieben Indikatoren, die als Basis für erfolgreiche digitale Aktivitäten gelten. An erster Stelle steht für 62 Prozent der Betriebe die IT- und Datensicherheit. Dabei geht es darum, die technische Infrastruktur im Betrieb aktuell zu halten und gegen Cyberattacken abzusichern und auch die Daten zu schützen. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) grenzt hier direkt an: Laut der Studie haben 54 Prozent der Betriebe eine offizielle Verfahrensanweisung, die den Umgang mit dem Regelwerk erläutert und mit der die Mitarbeiter vertraut sind.

Das eigene Personal zu schulen und weiterzubilden und dabei mit neuen Technologien, Trends und Regularien vertraut zu machen ist ein weiterer Punkt, der für 32 Prozent eine große Rolle im Arbeitsalltag spielt. Auch die schriftliche Dokumenta­tion sämtlicher betrieblicher Abläufe und Arbeitsverfahren ist für 31 Prozent zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Als große Belohnung winkt dabei nicht nur der Fortbestand des Betriebs, indem analoge – bisher sehr papierlastige – Verwaltungsarbeiten digitalisiert werden: Mit Software-Lösungen können auch neue digitale Geschäftsmodelle umgesetzt werden, die bisher nicht möglich waren. 61 Prozent haben dafür eine Branchensoftware im Einsatz, 53 Prozent stellen ihren Mitarbeitern außerdem digitale Endgeräte zur Verfügung. „Das ist eine notwendige Maßnahme, um reibungslos funktionierende digitale Arbeits- und Prozessschritte zu gewährleisten“, beobachtet Plöger.

Dimension Betriebsführung- und -entwicklung

Dimension Betriebsführung- und -entwicklung

Den Digitalisierungsgrad in den Handwerksunternehmen bemisst die Studie anhand von vier Dimensionen: Die erste dreht sich darum, wie ein Betrieb geführt und entwickelt wird. Wie die Zahlen zeigen, hapert es dabei noch an einer übergreifenden Strategie.

Nachholbedarf: Entwicklung einer ganzheitlichen Strategie

Ein wichtiger Aspekt ist dem Studienleiter zufolge außerdem, dass im Betrieb eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie vorhanden ist. Experten aus Verbänden, Kammern und der Industrie, die ebenfalls bei der Studie befragt wurden, erklären diese Strategie sogar zum relevantesten Indikator. Im Betriebsalltag kommt sie allerdings noch zu kurz: Nur 16 Prozent haben sich bisher tiefer gehende Gedanken dazu gemacht und eine Vision entwickelt, wie ihr Betrieb mittel- bis langfristig aufgestellt sein soll.

Wie wichtig es den einzelnen Handwerkschefs generell mit der digitalen Betriebsführung ist, hat vor allem auch mit dem Alter zu tun. Das Digitalisierungsbarometer zeigt: Diejenigen, die unter 40 Jahre alt sind, treiben ihren Betrieb heute am liebsten mithilfe digitaler Technolo­gien voran. Der Index in der Altersgruppe liegt bei 43. Bei den 40- bis 49-Jährigen beläuft sich der Index immerhin noch auf 40. Eine abnehmende Tendenz, ihre Geschäfte zu digitalisieren, weisen die Inhaber im Alter von 50 bis 59 Jahren sowie ab 60 Jahren auf. Sie setzen nach wie vor eher auf analoge Geschäftsführung und -entwicklung.

Ähnlich verhält es sich mit der Betriebsgröße. Je mehr Mitarbeiter ein Handwerksunternehmen hat, desto digitalaffiner, so lautet die pauschale Formel. Das Digitalisierungsbarometer belegt: Betriebe, die 20 und mehr Mitarbeiter zählen, weisen bei der Betriebsführung und -entwicklung einen Index von 63 aus. Bei denjenigen unter 19 Mitarbeitern und weniger nimmt die Begeisterung für digitales Management zusehends ab.

Der Steckbrief zur Studie

Das Digitalisierungsbarometer ist ein empirisch-fundiertes Forschungskonzept, um ein ganzheitliches Bild der Digitalisierung im Handwerk in ausgewählten Gewerken des Baus und Ausbaus zu zeichnen. Initiator der Studie ist die Empfehlungs- und Bewertungsplattform „Wirsindhandwerk.de“ in Zusammenarbeit mit Lab4Innovations und mit Unterstützung des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) und des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie der Deutschen Bank und Signal Iduna. Im Zeitraum November 2019 bis Oktober 2020 wurden 1.800 Handwerker, 1.000 Endkunden, 900 Jugendliche und 44 Experten befragt. Hinzu kamen 24 offene Interviews mit Handwerkern und Betriebsinhabern sowie drei Gruppendiskussionen mit Endkunden.
digibarometer-handwerk.de.

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