Die Baumann-Kolumne "Neues von der Werkbank" Kommentar: Lehre der Krise und der WM – ohne Leistung kein Tor!

Weder die Kenntnis um die Folgen spätrömischer Dekadenz noch die Schilderung des Aufstiegs und Niedergangs der Familie Buddenbrook durch Thomas Mann, um nur zwei Beispiele zu nennen, sensibilisieren aktuell die Menschen, sich der Realität zu stellen. Wer eigene Leistung negiert, blockiert oder delegiert, wird sein Leben damit verschwenden, auf den Erfolg anderer zu warten, um dies dann als Folge eigenen Engagements zu vermarkten. Was in diesem Zusammenhang die vergangene Fußball-WM und Wohlstand gemeinsam haben, lesen Sie in dieser Folge von „Neues von der Werkbank“.

Ruth Baumann Landesvorsitzende UFH Baden-Württemberg
Ruth Baumann, Landesvorsitzende ufh Baden-Württemberg, vergleicht die deutsche Wirtschaftspolitik mit der überschaubaren Leistung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der vergangenen WM. - © privat

Der Verlauf der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft steht sinnbildlich für vieles, was gerade, so zumindest mein Eindruck, dysfunktional läuft. Der Glanz vergangener Zeiten, der Ruhm der mehrfachen Weltmeister, stößt dann an seine Grenzen, wenn andere Nationen nicht die kalte Asche bewachen, sondern zeigen, dass sie das Feuer selbst entfachen und weitertragen können. Ob sportliche Höchstleistungen, Gewinn des Eurovision Song Contests, Forschung und Erfindungen, Ideengeber in Europa und der Welt – während Verkaufsschlager ausbleiben, wachsen stattdessen pekuniäre Zusagen.

Wer keine Leistung liefert, kann keinen Erfolg verteilen. Wer beim Fußball nicht das Tor trifft, scheidet aus. So einfach ist das. Man kann auch zu einer trostspendenden Teilnehmerurkunde greifen, damit sich alle mitgenommen fühlen, aber der Marktwert dieser Art von Auszeichnung ist begrenzt.

Die ehemaligen Garanten für eine Top-Leistung sind geschlachtet

Gleiches gilt bei der Schaffung von Wohlstand. Nur eine „Trost-Teilnehmerurkunde“ bei dem Versuch, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, reicht nicht aus. Die Transformation ist kein Exportschlager, die ehemaligen „Milchkühe“ Stahlproduktion, Medizin/Medizintechnik, Fahrzeug- und Maschinenbau sind größtenteils geschlachtet. Arbeitsplätze schwinden. Wo und wie konkret entstehen jetzt neue Firmen und Arbeitsangebote? Schulden sind Versprechen in die Zukunft. Jeder Unternehmer, der mit seiner Bank schon einmal Kreditgespräche geführt hat, weiß wovon ich spreche. Welche Zukunft wird uns und unseren Betrieben also aktuell versprochen?

Es kommen die Steuererhöhungen, die eigentlich nicht kommen sollten

Neben alten Schulden, die noch Schulden hießen, folgten neue, die nun Sondervermögen heißen. Diese reichen allerdings jetzt auch nicht mehr. Mittlerweile kommen Steuererhöhungen, die eigentlich nicht kommen sollten (Tabak, Alkohol, Kryptogewinne), steigende Einkommensteuer, angedachte Mehrwertsteuererhöhung. Und Krankenkassen- sowie Pflegeleistungen werden abgespeckt, um Beitragssteigerungen zu vermeiden, während zugleich der Zusatzbeitrag steigen wird. Zwangsbeglückung von Minijobbern, damit mehr Geld in das System kommt. Ebenfalls neu im Angebot: Abgaben auf Zucker, Plastik etc.

Trotz höchster Steuereinnahmen gelingt es dennoch nicht, die Ausgaben durch Einnahmen zu decken. Existiert überhaupt das Ziel, nur so viel Geld auszugeben, wie auch eingenommen wird? Selbstverständlich unter Einpreisung kommender Renten- und Pensionszusagen, Tilgungen, Instandhaltungsverpflichtungen, Verteidigung usw.

Wo führt das alles noch hin?

Die Dysfunktionalität unseres Staates ist greifbar. Ob Bildung oder Brücken, Wehrtechnik oder Wohnungsbau, bei der hohen Belastung der Leistungsträger sollte man mit besseren Ergebnissen aufwarten. Der Wohlstand anderer Generationen ist irgendwann aufgebraucht, Investitionen finden andernorts statt und künftige Generationen werden sich nicht im Schuldendienst erschöpfen. Sie gehen dorthin, wo es auch Investitionen, Firmen und Arbeitsplätze gibt. Aktuell sind es 300.000 pro Jahr, Tendenz steigend. Und: Wie viele Firmen müssen noch in die Insolvenz, ins Ausland oder in die „Dauer-Pause“, auf wie viele Arbeitsplätze kann man noch verzichten, bevor man zugibt, dass dies nicht der richtige Weg ist?

Mehr Entlastungen, weniger Staat – der Leistung von Milei nacheifern!

Jetzt ist höchste Zeit, die abgegebenen Versprechen der Steuersenkungen und Entlastungen umzusetzen. Die Gegenfinanzierung dazu liefert ein an sich selbst sparender, schlanker Staat. Hinweise hierfür gibt das Handwerk gerne. Bei Rente, Gesundheit, Wohnungsmarkt, Bürokratie, Energiekosten gilt: Wer Wahrheit und Änderungen scheut, braucht keine Wunder zu erwarten. Vergleicht man die aktuellen Vorhaben mit den Umwälzungen in Argentinien, ist noch sehr viel Luft nach oben. Belächeln wir nicht Milei, sondern eifern wir ihm nach.

Leistung statt Teilnehmerurkunde – der Ball liegt jetzt im Spielfeld von Vater Staat

Um Wohlstand zu erschaffen, zu erhalten und zu sichern, ist mehr als verbale Oberflächenkosmetik nötig. Wirtschaftlicher Erfolg braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, die aktuellen reichen lediglich für eine „Trost-Teilnehmerurkunde“. Das kann nicht unser Anspruch sein, der Sozialstaat ist dann Geschichte und „Wohlstand für alle“ verschwindet schlichtweg im Bücherregal. Erfolg entsteht nicht beim Bolzen, sondern als Teamleistung. Unsere Betriebe und Mitarbeiter haben geliefert, der Ball liegt jetzt jedoch im Spielfeld von Vater Staat.

Über Autorin Ruth Baumann:

Bei Ruth Baumann war es ein zart gehauchtes "Ja", das sie in einen mittelständischen Straßenbaubetrieb und damit ins Handwerk brachte: Seit ihrer Hochzeit führt sie gemeinsam mit Ehemann Martin Baumann die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. Trotz ihres abgeschlossenen Hochschulstudiums entschied sie sich damals bewusst, in den Familienbetrieb einzusteigen und bekräftigte dies durch eine weitere Ausbildung zur Bürokauffrau. Zunächst im Ehrenamt bei den Unternehmerfrauen im Handwerk Freiburg, später als Präsidentin des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, war es ihr immer ein besonderes Anliegen, die Mitglieder mit einem gesunden Selbstbewusstsein und Stolz auf das Handwerk auszustatten. Sie sieht die Unternehmerfrauen als Wirtschaftsverband und vertritt dies auch in der Öffentlichkeit.

Ihre betriebliche Erfahrung wurde in der Folgezeit auch verstärkt in der politischen Theorie nachgefragt und stieß – zu ihrer eigenen Überraschung – auf immer mehr Resonanz. Es folgten unterschiedliche Kommissionen und Funktionen in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die sie mittlerweile auch auf Bundesebene ausführt. In Interviews, Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um das Handwerk gibt sie parteiübergreifend Einblicke in die Sorgen und Nöte von Familienbetrieben.

Zugehörige Themenseiten:
Fußball-WM und Fußball-EM, Meinung und Neues von der Werkbank – Kolumne von Ruth Baumann