Die Baumann-Kolumne "Neues von der Werkbank" Kommentar: Generation Schneeflöckchen – So beeinflusst „Fridays for Future“ das Handwerk

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Neues von der Werkbank – Kolumne von Ruth Baumann

Eltern seien gut beraten, wenn sie ihre Kinder auf das ‚wahre‘ Leben, mit allen Höhen und Tiefen, vorbereiten und ihnen auch zeigen, dass Eigenverantwortung und Leistung kein Ballast, sondern Kompass im Leben sein können. Mit solch einer Meinung stößt man bei sogenannten „Helikoptereltern“ auf nur wenig Gegenliebe, weiß Kolumnistin Ruth Baumann, Präsidentin der Unternehmerfrauen im Handwerk (ufh) Baden-Württemberg. Was die Generation Schneeflöckchen, Fridays for Future und das Handwerk damit zu tun haben, erklärt sie in einer neuen Folge von „Neues von der Werkbank“.

Ruth Baumann Landesvorsitzende UFH Baden-Württemberg
Ruth Baumann Landesvorsitzende UFH Baden-Württemberg. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. – © privat

Ja, ich gebe es zu. Bis letzte Woche habe ich noch nicht gewusst, dass man mit Schneeflöckchen angeblich verzärtelte Jugendliche, deren Eltern wie auch Lehrer und damit auch eine einhergehende Geisteshaltung bezeichnet. Bei allem Charme, den dieser Begriff zunächst ausstrahlt, ist jedoch auch ein bitterer Beigeschmack feststellbar.

Wer wagt, der gewinnt?

In der Regel wollen alle Eltern nur das Beste für ihr Kind, es vor Gefahren bewahren und ihm ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Es gehört aber leider auch zur Wahrheit, dass wir unsere Kinder nicht ihr gesamtes Leben lang in Watte packen können bzw. wäre es für unseren Nachwuchs ein schlechtes Zeichen, wenn er sich in Watte packen lassen würde. Jeder kennt die Warnung vor der heißen Herdplatte und trotzdem wage ich die Vermutung, dass auch jeder von uns, trotz Mahnung, auf eben diese Herdplatte schon einmal gefasst hat. Warnungen sind gut, aber können eigene Erfahrungen (leider) nicht ersetzen.

Schüren wir doch keine Ängste, sondern stärken besser Vertrauen. Wir treffen Entscheidungen und diese können auch mal falsch sein. Sie werden korrigiert, denn die Sache aussitzen ist sicher keine Option. Wir sollten um unsere Fähigkeiten wissen und zugleich keine Angst vor Anstrengungen haben. Dabei ist es unerheblich, ob diese in der Schule, im Beruf, im Ehrenamt oder wo auch immer eingebracht werden. Wir sollten außerdem eine gewisse Risikobereitschaft in unserem Leben haben. Sicher setzt man mal falsche Schwerpunkte im Leben, aber auch das kann man ändern. Vielleicht haben wir die schulische Ausbildung eine Zeit lang als lästig empfunden, doch die Durchlässigkeit unseres Schulsystem ermöglicht zu jedem Zeitpunkt einen weiteren Start. Das Leben ist flexibel, nicht komplett planbar und wartet für den Mutigen und Handelnden mit unterschiedlichen Überraschungen auf. Risikobereitschaft gehört aber nun mal dazu. Auch einen Betrieb zu übernehmen, zu gründen oder zu führen ist zunächst ein Sprung ins kalte Wasser. Da kann es Höhen und Tiefen geben, die einem zwar Respekt abfordern, aber nicht Angst machen sollten. Wer nicht als Schneeflöckchen im Sonnenstrahl zerfließen will, ist hierzu aufgefordert!

Von Zukunftsängsten kann man sich nicht freikaufen

Die Fridays for Future-Bewegung hat gezeigt, dass sich viele Mitglieder unserer Gesellschaft Sorgen um die globale Zukunft machen. Dies ist aller Ehren wert! Wenn man jedoch glaubt, diese Angst bezwingen zu können, indem man den Geldbeutel öffnet oder den Unterricht schwänzt (Co2-Abgabe, Zugfahren, Schulstreik usw.) kann ich persönlich das nicht ganz nachvollziehen. Wo ist hierbei der Lösungsansatz? Verbote ersetzen nicht Eigenverantwortung, von Ängsten und Risiken kann man sich nicht freikaufen. Man kann allerdings gestalten und anpacken.

Wo bleiben die Lösungen?

Und da wären wir auch schon beim Handwerk: Wo sind die Lehrlinge und Fachkräfte, die den Energiewandel gestalten wollen? Wo sind die Mechatroniker, die sich für eine umweltschonende Mobilität einsetzen? Wo sind die Forscher, die für ressourcenschonende Produkte stehen? Oder wo sind die Menschen, die Lebensmittel produzieren und vermarkten wollen? Wo sind die Heizungsbauer, die mit wenig Energie für wohlige Wärme sorgen? Und wo sind eigentlich die Elektriker und Energieberater, die dafür sorgen, dass der Strom und das Internet laufen? Angesichts der unbesetzten Lehrstellen und des Facharbeitermangels wohl eher auf der Straße, denn in einem Betrieb. Es reicht nicht, Missstände zu benennen, wenn man zugleich das Risiko scheut, Dinge auch ändern zu wollen. Ohne weitere Leistungsträger ist die Zukunft der Lastenradfahrer übersichtlich. Die landwirtschaftliche Produktionsfläche wird auch nicht durch die produzierte Energie der Solarparks ersetzt werden können. Und… und … und… es braucht hier Lösungsansätze!

Es geht nicht ohne das Handwerk

Eltern tun gut daran, ihren Kindern diese Zusammenhänge, den Spaß an den eigenen Gestaltungsmöglichkeiten, der Freude an Leistung und dem daraus resultierenden Erfolg auch zu vermitteln. Denn so wenig wie der Strom automatisch aus der Steckdose kommt, die Frisur von sich aus perfekt sitzt, das Brot immer aromatisch duftet, die Wurst einfach mundet… da war immer ein Handwerker zuvor am Werk. Mit Taten und Tatkraft, während andere nur mit Worten die Welt ändern wollen. Schneeflöckchen in der Sonne…