KGM hat den KGM Musso in der Diesel-Variante frisch renoviert. Ein stämmiger Pick-up mit Schwielen – und ein Anpacker fürs Handwerk.
Leiterrahmen, Dieselmotor, zuschaltbarer Allradantrieb, Platz für eine Palette auf der Pritsche und maximal 3,5 Tonnen Anhängelast – der KGM Musso ist ein Pick-up von echtem Schrot und Korn. Ein handfester Arbeiter unter seinesgleichen. Noch Fragen? Aber sicher. Dann nichts wie los.
Der Rundgang zeigt vorne ein kantiges, aber keineswegs aggressives Gesicht, deutlich frischer als der frühere, etwas altbackene Chromgrill. Die Seitenlinie ist klassisch, ein genauer Blick lohnt: Der Musso mit 3,1 Meter langem Radstand begnügt sich mit 5,15 Metern Länge, für einen mittelgroßen Pick-up sehr kompakt. Der Musso Grand – bis zur hinteren Tür identisch – streckt den Radstand auf 3,21 Meter und pumpt sich auf 5,46 Meter Länge auf. Das kommt der Ladefläche zugute: Sie ist jetzt außerdem von 570 Millimeter hohen Bordwänden eingerahmt – Rekord, da passt was rein.
Europalette passt nur längs in den KGM Musso
Beim Aufstieg auf die Ladefläche hilft im Stil der aktuellen Pick-ups nun links wie rechts eine seitliche Trittstufe. Oben angekommen, entdeckt der Kletterer jetzt acht statt bisher vier seitliche Zurrösen im 1,3 (Musso) oder 1,6 Meter (Musso Grand) langen und beleuchteten Ladebett. Das bedeutet in jedem Fall Platz für eine Europalette längs, quer passt der Ladungsträger nicht zwischen die Radkästen.
Bei den Gewichten gilt es aufzupassen, nun wird’s ein wenig kompliziert. Der KGM Musso Grand trägt in der bereits gut ausgestatteten Basisvariante Core mit blattgefederter Starrachse rund eine Tonne. Ziehen darf er mit Sechsgang-Schaltgetriebe 2,6 Tonnen. Dieser Wert steigt mit der empfehlenswerten Automatik auf 3,5 Tonnen. Die nochmals feinere Ausführung namens Lux ist von einer Mehrlenker-Hinterachse mit Schraubenfedern gekennzeichnet. Die Anhängelast mit der hier serienmäßigen Automatik beläuft sich ebenfalls auf 3,5 Tonnen. Die komfortablere Hinterachse verträgt indes weniger Gewicht, das drückt die Nutzlast auf gut 800 Kilo. In ähnlichen Regionen bewegt sich der kürzere KGM Musso, der stets über die aufwendigere Achse verfügt. Womit klar ist: Soll der Musso richtig ranklotzen, dann ist die Langausführung mit Automatik die richtige Wahl.
Lehne der Rückbank ist flach umklappbar
Genug der Zahlen, jetzt wird gefahren. Also flott hineinschwingen am Griff an der A-Säule ins Cockpit. Die Sitze ähneln eher üppigen Sesseln, die Materialqualität rundum ist dem rauen Einsatzzweck angemessen. Der Blick fällt auf digitale Instrumente, Tacho und Drehzahlmesser zeigen gegenläufig an, zusätzlich digital. In der Mitte kommt ein Monitor im beliebten Maß von 12,3 Zoll hinzu. Gut: Für die Einstellung der Klimatisierung ist KGM zu Drehreglern zurückgekehrt. Praktisch: Die Lehne der Rückbank lässt sich als Zusatz-Gepäckraum komplett flach umklappen.
Der KGM Musso ist als Diesel ein eher friedlicher Zeitgenosse
Ein Tastendruck weckt den Diesel, der vergleichsweise kompakte Vierzylinder mit 2,2 Litern Hubraum tuckert friedlich vor sich hin. Der Wählhebel der Automatik steckt in einer klassischen Schaltkulisse, das ist ein wenig Siebziger oder Achtziger. Ebenso klassisch sind die Antriebsarten, gewählt per Drehregler: Auf der Straße fährt der Musso mit Hinterradantrieb, dann gibt’s den zuschaltbaren Allradantrieb und im nächsten Schritt eine Übersetzung, wenn’s im Gelände oder auch in der Baugrube mit beladenem Anhänger anspruchsvoll wird. Dann kommt auch das selbstsperrende Differenzial an der Hinterachse zum Tragen. Die Bodenfreiheit ist im Vergleich zum Vorgänger um drei auf 25 Zentimeter gewachsen. Das bedeutet gleichzeitig größere Böschungswinkel vorne wie hinten.
Der Antritt des Pick-ups, hier in Langausführung, wirkt eher behäbig. Trotz 148 kW/202 PS Leistung und 441 Nm Drehmoment (Schalter: 400 Nm) legt er gelassen ab. Ein zugkräftiges Kaltblut eben, kein Heißsporn. Das liegt am Gewicht, auch am weit gespreizten Automatikgetriebe. Es ermöglicht sogar gelassenes Cruisen mit niedrigen Drehzahlen auf der Autobahn. Man muss ja nicht gleich mit gut 170 Sachen über die Piste preschen, die der KGM Musso maximal rennen kann. Spätestens dann ist auch der Normverbrauch von knapp zehn Litern perdu. Auch flotte Kurvenhatz zählt nicht zu den Stärken des Pick-ups, dafür arbeitet die Lenkung zu gefühllos, ist das Fahrwerk nicht gedacht. Das gibt sich trotz der aufwendigen Achse auf übleren Straßen ein wenig bockig. Tipp eines KGM-Musso-Kenners: Auf die optionalen Räder im Format 20 Zoll mit 50er-Bereifung verzichten und es bei den serienmäßigen 18-Zöllern mit 60er-Reifen belassen.
Preisliste beginnt bereits bei 34.445 Euro netto
Das führt zum Thema Kosten und einer faustdicken Überraschung: Die Preisliste beginnt bereits bei 34.445 Euro netto, der Grand kostet lediglich 1.260 Euro mehr. Für harte Jobs im Handwerk verzichtbar ist der 7.143 Euro netto weite Schritt zur Lux-Ausführung. Ergänzend kommt eine Herstellergarantie von fünf Jahren oder 150.000 Kilometern hinzu, auch für gewerbliche Einsätze, wie KGM betont. Zu bekommen ist der zugkräftige Kaltblüter zurzeit bei etwa 140 Händlern in Deutschland, ihre Zahl soll wachsen. Alle Fragen beantwortet?

