Umfrage Kfz-Versicherung: Telematik findet kaum Fans

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Telematiktarife in der Kfz-Versicherung scheinen bei den deutschen Autofahrern noch immer auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Laut einer aktuellen Umfrage kann sich nur etwa ein Viertel (27 Prozent) der rund 1.000 befragten Autofahrer den Abschluss eines entsprechenden Tarifs vorstellen. Hier die Ergebnisse einer Umfrage der Dekra.

Telematiktarife erlauben die Überwachung durch den Versicherer.
Telematiktarife erlauben die Überwachung der Fahrzeuge durch den Versicherer. – © metamorworks-stock.adobe.com

Die Idee der Telematik- Tarife ist einfach: Wer vorausschauend fährt, spart Geld bei der Autoversicherung. Wer mehr Risiko eingeht, zahlt auch mehr. Deshalb werden die Tarife auch Pay-how-you-drive genannt. Die meisten Autoversicherer bieten diese Tarife an, bei denen das Fahrverhalten aufgezeichnet und ausgewertet wird. Wer seinem Versicherer den digitalen Blick auf die eigene Fahrweise erlaubt, erhält im besten Fall einen Bonus auf die Versicherungsprämie. Gut ein Viertel der Autobesitzer steht einem solchen Tarif aufgeschlossen gegenüber, ergab eine aktuelle Befragung der Dekra und des Marktforschungsinstituts Ipsos. Die Dekra zählt zu den weltweit führenden Unternehmen der TIC-Branche (Testing, Inspection, Certification).

Angst vor Big Brother

Die Gründe für die Zurückhaltung vieler Autofahrer im Blick auf die Telematik- Tarife scheinen recht klar zu sein: 59 Prozent geben an, sie würden sich auf jeder Fahrt in ihrem Fahrzeug beobachtet fühlen. Bei einer ähnlichen Umfrage vor drei Jahren gaben dieses noch 61 Prozent der Befragten an. Der gleiche Anteil (59 Prozent) stimmt der Aussage zu, beim Sammeln der großen Datenmengen bestehe die Gefahr, dass diese missbräuchlich verwendet werden. In diesem Punkt sind die Sorgen seit der letzten Befragung offenbar leicht zurückgegangen. Denn 2017 äußerten sich noch 67 Prozent entsprechend.

Vorteile der Tarife überzeugen nicht

Zudem sieht weniger als die Hälfte der befragten Autofahrer einen Vorteil in Telematik- Tarifen. Nur 46 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben , dass Drängler und Raser durch die Telematik in Zukunft mehr auf ihre Fahrweise achten würden. So könnten Unfälle vermieden werden. Auch hier gibt es im Vergleich zu 2017 keine Veränderung in der Haltung der Befragten.

Umfrage zur Beliebtheit von  Telematiktarifen
Umfrage unter 1.000 Autofahrern zu ihrer Einstellung zu Telematiktarifen. – © Dekra

“Im Grunde ist es natürlich sehr zu begrüßen, wenn Autofahrerinnen und Autofahrer dazu ermuntert werden, vorausschauend und sicher zu fahren. Gleichzeitig zeigt unsere Befragung aber auch: Das Vertrauen in die Sicherheit der aufgezeichneten Daten ist das A und O. Die Bedenken der Versicherten in dieser Hinsicht muss man auf jeden Fall sehr ernst nehmen”, sagt Guido Kutschera, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Bei Daten über das Zustandekommen von Unfällen sind immerhin die meisten Autobesitzer bereit, die Weitergabe zu akzeptieren. Hier sagen nur 30 Prozent, sie würden die Daten gar nicht weitergeben. Dabei handelt es sich laut Dekra um den niedrigsten Wert unter allen 13 abgefragten Kategorien.

Das sagen die Verbraucherzentralen

„In der Regel ortet eine kleine, im Auto installierte Telematik-Box das Fahrzeug über GPS und protokolliert laufend Fahrtdaten wie das Tempo, die Beschleunigung oder das Bremsverhalten. Die gesammelten Informationen sendet die Telematik-Box dann über das Mobilfunknetz an die Kfz-Versicherung“, schreiben die Verbraucherschützer. Da junge Fahrer für viele Unfallschäden verantwortlich sind, gewähren die Versicherer ihnen für umsichtiges Fahren attraktive Rabatte auf ihre sonst sehr hohen Prämien. Diese Rabatte werden nachträglich zurückgezahlt. Allerdings nur dann, wenn das aufgezeichnete Verhalten der Versicherung gefällt.

So geht Telematik

Jede Autofahrt wird aufgezeichnet und bringt dem Fahrer um so mehr Punkte, je defensiver er fährt. Aus der Summe der Punkte ergibt sich der Gesamtscore. Für achtsames Fahren sammeln Versicherte für jede Fahrt Punkte, aus denen sich ein Gesamtscore ergibt. Und um so höher der Score desto niedriger ist die Prämie.

Wodurch sich defensives Fahren definiert und wie stark die einzelnen Kriterien gewichtet werden, ist in jedem Tarif unterschiedlich. Die Verbraucherzentralen haben eine Liste erstelle, in denen die wichtigsten Kriterien genannt sind:

  • Geschwindigkeit
    Überhöhtes Tempo führt häufiger zu Unfällen. Wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, sammelt daher Punkte und kann seine Bonus-Zahlung verringern.
  • Bremsverhalten
    Abruptes Abbremsen kann Auffahrunfälle begünstigen und deutet auf eine wenig vorausschauende Fahrweise hin. Riskante Bremsmanöver lassen Ihren Telematik-Score daher schrumpfen.
  • Beschleunigungsverhalten
    Wer beim Anfahren häufig schnell und stark beschleunigt, wird mit Punkteabzug bestraft.
  • Fahrverhalten in Kurven
    In Kurven passieren durch erhöhte Fliehkräfte viele Unfälle. Ruhige Lenkbewegungen und eine gute Kurvenlage wirken sich deswegen positiv auf die Bonus-Zahlung aus.
  • Fahrtzeit und -ort
    Bei Fahrten im Berufsverkehr oder Nachtfahrten mit schlechten Sichtverhältnissen kracht es besonders oft. Fahren Sie hingegen vormittags auf Autobahnen, sinkt das Unfallrisiko statistisch gesehen – und sie sammeln Punkte für den Telematik-Score.