Nachwuchs bei Iveco: Zu eDaily und eMoovy gesellen sich zwei E-Vans von Stellantis – Iveco eJolly und eSuperjolly. Was die neue Modellpolitik fürs Handwerk bedeutet.

Reifere Semester erinnern sich an die legendäre Fernseh-Ratesendung „Was bin ich?“ von Robert Lembke. Mit der ebenso legendären Frage: „Welches Schweinderl hätten Sie denn gerne?“ Beide Fragen passen bestens zur aktuellen Flotte der Elektrotransporter von Iveco. Gesellen sich doch zu eDaily und eMoovy jetzt eSuperjolly und eJolly. Was bin ich? Beide sind gute Bekannte, handelt es sich doch um Transporter aus dem Stellantis-Stall, die Unterschiede beschränken sich auf die Bezeichnung. Im Programm von Iveco tauchen beide jeweils ausschließlich als Kastenwagen mit vollelektrischem Antrieb auf. Ergibt zusammen ein E-Transporter-Quartett, dessen Mitglieder allesamt nichts miteinander zu tun haben.
eSuperjolly: Topfitter Senior
Und das richtige „Schweinderl“? Da wäre bei den 3,5-Tonnern der wuchtige eDaily mit Heckantrieb, lieferbar in einer Vielzahl von Varianten als Fahrgestell und Kastenwagen. Und der eMoovy, im Ursprung ein Hyundai-Fahrgestell mit Van-Fahrerhaus und Aufbauten, leicht, niedrig, hochmodern.
Sowie jetzt der eSuperjolly: Er geht unmittelbar auf die Elektrovarianten von Citroën Jumper, Fiat Ducato, Opel Movano und Peugeot Boxer zurück. Iveco argumentiert, dass die Kunden einen geräumigen Kastenwagen mit Frontantrieb wünschen. Dieser hier hat jetzt in den Grundzügen 20 Jahre auf dem Buckel und ist somit der Chef im Ältestenrat seiner Klasse. Man merkt’s ihm an, die Sitzposition ist von vorgestern, das Fahrwerk leer oder teilbeladen schwer verdaulich und die Karosserie ächzt und stöhnt mitunter.
Aber fit ist der Senior, topfit. Dank einer deftigen Motorleistung von 205 kW/279 PS und überschäumendem Temperament braust er der jüngeren Transporterwelt superfröhlich um die Ohren – die wörtliche Übersetzung von Superjolly. Mit seiner Batterie von 98 kWh nutzbarer Kapazität – Vorsicht: Iveco nennt die optimistischere Brutto-Kapazität von 110 kWh – rollt der eSuperjolly trotzdem recht weit. Auch lädt er zügig mit maximal 150 kW. So ein Transporter-Senior hat’s drauf, auch wenn das Altenteil näher rückt. Da wären ein praktischer Drehknauf für die Fahrtrichtung und hübsch konfigurierbare Instrumente.
Angesichts der üppigen Batterie gilt es, Gewicht und Nutzlast im Auge zu behalten. Ausweg wäre eine Aufstockung auf 4,25 Tonnen zulässige Gesamtmasse, begleitet von den bekannten verkehrsrechtlichen Einschränkungen. Hinzu kommt eine anständige Anhängelast von 2,4 Tonnen. Das alles gibt’s recht kompakt in Längen von 6,0 und 6,4 Metern und zwei Höhen mit maximal 17 Kubikmetern Ladevolumen. Bei den Preisen schweigt sich Iveco aus, sie werden sich an den Geschwistern orientieren: Ein Fiat E-Ducato startet nach der Liste im Netz bei netto 51.300 Euro.
eJolly: Softie im Transporter-Quartett
Rund 12.000 Euro niedriger ist ein Opel Vivaro Electric angesiedelt, in der Stellantis-Markensammlung auch als Citroën Jumpy, Fiat Scudo und Peugeot Expert zu finden, jetzt obendrein als Iveco eJolly. Auch er ist mit zehn Jahren nicht mehr der Jüngste, aber von ganz anderem Schlag als sein großer Bruder. Vergleichsweise niedrige Sitzposition, mit Beladung ein sanftes Fahrwerk, kein explosiver Antritt – der Iveco eJolly ist der Softie unter seinesgleichen. Aber 100 kW/136 PS sind auch nicht von schlechten Eltern und genügen im Alltag vollauf.
Zumal hier bei 3,2 Tonnen Schluss ist, sich kein Hochdach gegen den Wind stemmt und sich die Anhängelast auf nur eine Tonne beschränkt. Das ist ebenso knapp wie die Batteriekapazität der kleinen Variante von brutto 49 kWh, nutzbar sind etwa zehn Prozent weniger. Also her mit dem größeren Akku und netto 69 kWh Energie. Das Ladetempo entspricht mit maximal 100 kW an der Schnellladesäule dem milden Temperament des Transporters. Die konfigurierbaren digitalen Instrumente sind hier wie überall ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Regler für den E-Antrieb etwas fummelig.
Die Nutzlast des eJolly beläuft sich auf 900 bis fast 1.300 Kilogramm, abhängig von Batteriegröße, zulässiger Gesamtmasse und der Länge von 4,98 oder 5,33 Metern – er schultert somit mehr Gewicht als sein großer Bruder. Die Höhenlinie der Karosserie bleibt unter der Zwei-Meter-Markierung, in den Laderaum passen 5,1 bis 6,3 Kubikmeter. Je nach Job auch mehr durch die Kombination einer Ladeklappe in der Trennwand mit einem Schwenksitz auf der Beifahrerseite. Praktisch ist ein Stromanschluss mit 5 kW Leistung für Einbauten oder Geräte, er läuft auch eine Viertelstunde nach Abstellen des E-Motors.
Warum auf Iveco eJolly und eSuperjolly setzen – und nicht auf die Schwestermodelle?
Weshalb aber Iveco wählen und keines der Schwesterfabrikate, zu denen sich auch Toyota gesellt? Vielleicht, weil der Fuhrpark auch größere Kaliber umfasst und aus einer Hand sein sollte. Oder weil eine Lkw-Werkstatt à la Iveco ganz selbstverständlich auch samstags arbeitet, manche sogar 24 Stunden. Oder wegen einfallsreicher Finanzierungen: Im Programm „Gate“, einer Langzeitmiete, zahlen Kunden Monat für Monat nur die tatsächlich gefahrenen Kilometer. Somit rücken Einsätze und Fahrzeugkosten näher zueinander. Es folgt die Abschlussfrage: Welches Schweinderl aus dem Quartett der Iveco-E-Transporter hätten Sie denn gerne?


