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#handwerkerinnenmaenner Handwerkerinnenmänner: Sie ist der Boss!

Er schreinert, malert, handwerkt und sie macht das Büro? Von wegen! Bei diesen Unternehmerpaaren ist sie die Frau vom Fach und er der Mann an ihrer Seite. Handwerkerinnen erzählen, wie sie als Chefinnen die Aufgaben und Rollen im Unternehmen verteilen, und sagen ihre Meinung zu überholten Klischees.

Themenseiten: TS Büroorganisation, TS Frauen im Handwerk und TS Mitarbeitermotivation

Unzählige Girls-Days und jahrelange Diskussionen um Frauenquoten sind an vielen Familienbetrieben scheinbar spurlos vorbeigegangen. Typische Firmenspitzen im Handwerk sehen oft weiterhin ganz klassisch aus: Er ist Handwerker, arbeitet in der Werkstatt und beim Kunden. Und wo versteckt sie sich? Im Büro. Eine muss sich ja um den Rest kümmern. Frauen arbeiten weiterhin meist in den Betrieben ihrer Männer mit und überlassen selbst bei gleicher Ausbildung ihren Männern die Werkstatt, um sich auf die Aufgaben im Hintergrund zu konzentrieren. Oder sie sind Einzelkämpferinnen, schmeißen den Laden ganz allein ohne die Unterstützung ihrer Männer.

Zehn Prozent der mitarbeitenden Lebenspartner sind Männer

Das ist nicht nur eine gefühlte Wahrheit: Unternehmerpaare leiten laut Zentralverband des Handwerks (ZDH) 75 Prozent aller Handwerksbetriebe. Allerdings sind nur zehn Prozent der mitarbeitenden Lebenspartner Männer. Das belegt eine Studie des Deutschen Handwerksinstituts. Wo bleiben die emanzipierten Handwerkerinnen? Und wo bleiben vor allem die Männer, die bereit sind, im Betrieb ihrer Frau an ihrer Seite ihren Mann zu stehen?

Diese Unternehmerpaare brechen die traditionelle Rollenverteilung im Handwerksbetrieb

Hier berichten Paare, die mit der traditionellen Rollenverteilung im Handwerksbetrieb brechen, von ihren Erfahrungen. Handwerkerinnen erzählen von den Männern an ihrer Seite, berichten, wie ihr Umfeld auf die Fachfrau mit männlicher Unterstützung reagiert und wie sie mit überholten Klischees umgehen.

Sie sind auch ein Unternehmerpaar mit einer ganz untypischen Aufgabenverteilung? Wer übernimmt in Ihrem Familienbetrieb welche Rolle? Gegen welche Klischees müssen Sie deshalb kämpfen? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Hier für bitte bis ans Ende der Seite scrollen und das Kontaktformular nutzen. Wir freuen uns auf Ihre Geschichte!

Anna Heller (34), Brauerin

Handwerkerinnenmänner: Anna Heller
Handwerkerinnenmänner: Steffen Potratz-Heller

Das ist mein Unternehmen: Brauerei Heller in Köln (Nordrhein-Westfalen). Vor fast zehn Jahren habe ich den Betrieb meines Vaters übernommen, als er nach schwerer Krankheit starb. Wir brauen jährlich rund 420.000 Liter Bier, natürlich Kölsch, gerne aber auch mal ein Alt.

Das ist mein Mann: Steffen Potratz-Heller, Journalist und PR-Berater. Er ist vor drei Jahren Vollzeit in die Brauerei eingestiegen, hat unter anderem das Marketing übernommen, ist mittlerweile außerdem Biersommelier, macht bei uns die Brauereiführungen und Bier-Tastings.

Das sagen die Leute: Bei Abendveranstaltungen im Unternehmen höre ich oft, mein Mann „müsse“ auf die Kinder aufpassen. Nein, er darf. Solch überholte Sprüche kommen meist von der älteren Generation. Auch bei Meetings wird meine Blickweise als Frau von den Älteren gern überhört, obwohl ich die Brauerei leite. Für jüngere Kollegen gehört ein gleichberechtigtes Zusammenarbeiten von Frauen und Männern zum Glück bereits zur Normalität.

Das sagen wir: Wir machen und entscheiden viel zusammen und haben für uns einen guten Weg gefunden, damit wir beide Familie und Beruf unter einen Hut bringen können. Ich bin dankbar dafür, dass mein Mann nach der Geburt unserer Tochter sieben Monate Zuhause geblieben ist. So lange hätte ich im Betrieb nicht ausfallen können. Väter in Elternzeit sollten zur Selbstverständlichkeit werden. Dann würden auch mehr Frauen Karriere machen.

Silke Rabe (54), Schreinerin und Innenarchitektin

Handwerkerinnenmänner: Silke Rabe und Fritz Wolf

Ich bin Schreinerin und Innenarchitektin und Chefin im Familienunternehmen.

Das ist mein Unternehmen: Rabe Innenausbau in Simtshausen (Hessen). Unser 20 Mitarbeiter starkes Team plant, fertigt und montiert aufwändige Raumkonzepte für private Villen und Objekte wie Restaurants, Hotels, Verwaltungen und Praxen.

Das ist mein Mann: Fritz Wolf, genau wie ich Schreiner und Innenarchitekt. Mit ihm habe ich im Jahr 1995 gemeinsam den Betrieb meiner Eltern übernommen.

Das sagen die Leute: Männer dominieren zwar unsere Branche. Allerdings ist das Schreinerhandwerk sehr kreativ und daher beliebt bei Frauen. Sie werden auch gern beauftragt, da Kunden uns einen besonderen Blick für das Gestalterische zusprechen. Daher wundert sich niemand über mich als Chefin.

Das sagen wir: Wir führen unser Unternehmen als gleichberechtigte Doppelspitze. Für uns wäre ein Alleingang keine Alternative gewesen, da wir sowohl beruflich als auch privat an einem Strang ziehen.

Susan Jäger (41), Raumaustattermeisterin

Handwerkerinnenmänner: Susan Jäger und Martin Jäger

Ich bin Raumausstattermeisterin und habe mein eigenes Unternehmen gegründet.

Das ist mein Unternehmen: Möbelpolsterei & Autosattlerei Jäger in Hannover (Niedersachsen). Vor 15 Jahren habe ich eine Telefonnummer und einen angefangenen Auftrag eines Sattlermeisters übernommen. Mittlerweile arbeiten wir zu siebt. Mit der Autosattlerei besetze ich eine spannende Nische, in der sonst fast nur Männer arbeiten.

Das ist mein Mann: Martin Jäger, Jurist. Er ist seit der Gründung meine rechte Hand. Anfangs hat er mir beim Möbel schleppen geholfen, jetzt bringt er mir das unternehmerische Denken bei, allerdings rein privat. Er ist angestellter Justiziar und unterstützt mich nach Feierabend bei den betriebswirtschaftlichen Aufgaben im Büro.

Das sagen die Leute: Kunden sprechen immer erst meinen Mann und nicht mich an, wenn er im Laden ist. Dabei ist er nicht mal vom Fach.

Das sagen wir: Ich habe mir nie Gedanken über typische Rollen im Handwerksbetrieb gemacht. Verwechslungen finde ich spannend, darüber ärgere ich mich nicht. Die Reaktionen der Kunden sind schön zu beobachten. Die meisten rechnen halt einfach nicht mit einer Frau in Führung.

Monika Kirschbacher (57), Malermeisterin und Restauratorin

Ich bin Malermeisterin und Restauratorin im Handwerk.

Das ist mein Unternehmen: Renne Malerbetrieb in Münster (Nordrhein-Westfalen). Vor fast 30 Jahren habe ich den Betrieb meiner Eltern übernommen. Mit meinen elf Mitarbeiterm übernehme ich Malerarbeiten im Privat- und Firmenkundenbereich. Außerdem übernehmen wir auch Sonderaufträge wie Vergoldungen, Marmorierungen oder aufwendige Malerarbeiten in Yachten.

Das ist mein Mann: Klaus Kirschbacher, Architekt. Er kam vor sieben Jahren in den Betrieb, übernimmt eigene Projekte und kümmert sich fast vollständig um unser Büro. Als Architekt bringt er seine Kompetenzen außerdem besonders gut im Privatkundenbereich bei Beratung und Gestaltung ein.

Das sagen die Leute: Architekten, Bauleiter und Behörden nehmen mich als Handwerkerin manchmal nicht ernst. Gleiches passiert mir gelegentlich bei Abstimmungen mit anderen Gewerken. Die Profession meines Mannes hinterfragt dagegen niemand. Unsere Gesellschaft ist offenbar noch nicht immer bereit für Chefinnen.

Das sagen wir: Wir selbst kümmern uns nicht um Klischees oder typische Rollenverteilungen. Viele Privatkunden, zum Beispiel alleinstehende Frauen, freuen sich über eine Frau vom Fach, die den Auftrag nicht nur fachgemäß ausführt, sondern auch an praktische, zum Beispiel leicht zu putzende, Lösungen denkt. Spätestens im Kundengespräch wird außerdem deutlich, wer von uns welche Kompetenz mitbringt. Die Kombination Malermeisterin und Architekt hat Vorteile für viele Beratungs- und Gestaltungsaufgaben.

Der Mann an IHRER Seite

Sind Sie auch die Chefin ihres Familienbetriebs und arbeiten mit ihrem Mann zusammen? Kommen Ihnen die Erfahrungen bekannt vor, von denen unsere Handwerkerinnen hier berichten? Dann erzählen Sie uns Ihre Geschichte! In nachfolgendem Formular können Sie Ihren Text aufschreiben und Ihr Bild hochladen:

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