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Betriebsgebäude Gewerbehöfe: Mieten statt selbst bauen

Gewerbehöfe sind Alternativen zum Neubau oder Kauf eines Betriebsgebäudes. Nicht nur Gründer sind Mieter in den zentrumsnahen Gewerbeobjekten. Denn Handwerksbetriebe profitieren auch von Gemeinschaftseinrichtungen. handwerk magazin hat eine Übersicht über Gewerbehöfe zusammengestellt.

Themenseiten: TS Gewerbebau, TS Standortwahl und TS Immobilien

In vier Etagen haben auf 50 bis 500 m² bis zu 70 Betriebe Platz, mit höchstens 9,20 Euro/m² bewegen sich die Mieten im ortüblichen Rahmen. Außerdem gibt es Lastenaufzüge, Deckenlasten und schallgedämmte Wände. Im Keller sind Lagerflächen und 116 Parkplätze, im Erdgeschoss können in einer Lieferzone Waren be- und entladen werden. Das Gebäude selbst liegt zentral im Süden des Stadtteils Eimsbüttel unweit von drei U-Bahn-Stationen und einer großen Durchgangsstraße, die nächste Autobahnabfahrt ist nicht einmal vier Kilometer entfernt.

Handwerker als Mieter

Mit diesen Attributen wirbt die Meistermeile “ in Hamburg um Handwerksbetriebe als Mieter. Ab März zogen Dachdecker, Elektriker, Maler, Glaser, Gebäudereiniger und andere Gewerke ein. Für Politik und Wirtschaft ist die „Meistermeile“ ein Vorzeigebeispiel für einen modernen Gewerbehof. Als der Hamburger Senat und die Handwerkskammer Hamburg 2011 den Masterplan „Handwerk 2020“ vorstellten, vereinbarten sie auch den Ausbau und Neubau von Gewerbehöfen im ganzen Stadtgebiet.

Mit der „Meistermeile“ wurde ein Bau realisiert, der ausschließlich von Handwerksunternehmen angemietet werden soll. Jeder Nutzer baut die Flächen selbst aus und spart so Mieten. Wenn der Betrieb floriert, kann er zusätzliche Flächen am gleichen Standort anmieten. Außerdem profitiert er von gemeinschaftlichen Anlagen und Dienstleistungen. So kann er im „Meisterhof“ eine zentrale Abfallentsorgung nutzen, die jedem Mieter zur Verfügung steht.

Erfolg vor allem in Metropolen

Mit solchen und weiteren Vorzügen werben Gewerbehöfe in mehrere 100 Standorte in Deutschland. Vor allem in Metropolen wie Berlin, München und Leipzig haben sich Gewerbehöfe durchgesetzt. Mit Hilfe der öffentlichen Hand, die Betreibergesellschaften gründete, wurden an vielen Plätzen im Stadtgebiet Standorte gebaut, welche sich durch verkehrsgünstige Lage möglichst in Innenstadtnähe sowie mietergerechte Flächen und Infrastruktur auszeichnen. Vor allem Handwerks- und Produktionsbetriebe, die mit Lärm-. Geruchs- und Staubemissionen auffallen und wenig Publikumsverkehr haben, sind willkommen. Viele suchen eine Alternative zu Standorten auf der grünen Wiese. Hier sind die Mieten möglicherweise preisgünstiger, die Anfahrten zu vielen Kunden jedoch häufig deutlich länger.

Brachliegende Industriestandorte reaktiviert

In weiteren Metropolen wie Köln und Frankfurt hält die öffentliche Hand sich hingegen zurück. Ausschließlich private Investoren haben in diesen Städten Gewerbehöfe gebaut. Häufig nutzen sie brachliegende Industriestandorte, die für Wohnbebauungen nicht in Frage kommen. Andere Großstädte wie Stuttgart haben bis heute keinen einzigen Gewerbehof, weil geeignete Flächen nicht vorhanden sind oder mit anderen Objekten bebaut wurden. Ansonsten wünschen manche private Investoren ausschließlich Industrie- oder Dienstleistungsunternehmen als Mieter. So ist dem Vernehmen nach in Köln lediglich ein Gewerbehof im Stadtteil Kalk für Handwerksunternehmen geeignet. In anderen „Gewerbehöfen“ überwiegen große Hallen oder Büroräume, welche für Gewerke nicht umgebaut werden können.

Viele Mieter bleiben sehr lange

Während der letzten Jahre haben Berlin, München und andere Hochburgen neue Standorte realisiert und planen weitere Gewerbehöfe. Auch einige kleinere Großstädte wie Augsburg, Fürth, Halle und Magdeburg haben solche Standorte entwickelt. Meistens wurden aufgegebene Industriestandorte umgebaut. Wenn Gewerke sich für solche Standorte interessieren, müssen sie auch selbst bestimmte Voraussetzungen erfüllen und auf die Marktumgebung achten. So sind Betriebe mit hohen Sicherheitsauflagen nicht willkommen, weil sie die Arbeit anderer Mieter beeinträchtigen können. Und wo der Wettbewerb mit vergleichbaren Produkten und Dienstleistungen bereits präsent ist, sollten auch alternative Standorte geprüft werden. Wer zuletzt kommt, hat erfahrungsgemäß den schwersten Stand. Und das kann bei Gewerbehöfen für sehr lange Zeit der Fall sein. Viele Mieter bleiben für Jahre, ja Jahrzehnte.

Die richtige Auswahl treffen

Wer sich als Handwerksbetrieb für einen Gewerbehof interessiert, sollte Folgendes beachten:

1. Jeder Gewerbehof schreibt Mindest- und Höchstflächen vor. Wer weniger als 30 m² und mehr als 1000 m² benötigt, ist in der Regel nicht willkommen.

2. Facility Management und Abfallentsorgung bietet nahezu jeder Gewerbehof an. Auch Poststelle, Parkraumbewirtschaftung und – vereinzelt – Büroservices gehören zum Portfolio. Prüfen Sie dessen Notwendigkeit für Ihren Betrieb.

3. Viele Höfe haben nur wenig Parkplätze. Betriebe mit zahlreichen Pkw - Pendlern unter Mitarbeitern und Kunden werden deshalb häufig abgelehnt.

5. Wer regelmäßig Kundenbesuch hat, muss auf einen Standort im Erdgeschoss oder in der ersten Etage achten. Für Einzelhändler und andere Betriebe mit größeren Endkundenzahlen sind Gewerbehöfe weniger geeignet.

Wo es Gewerbehöfe gibt

Eine Übersicht über Gewerbehöfe in deutschen Städten ab 500.000 Einwohnern mit Angaben zu Betreibern, Größe und Besonderheiten gibt es hier als Download .

Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Gewerbehöfe Deutschland (PDF, 110 kB)

    Marktüberblick über Gewerbehöfe in Deutschland. Bei der Auswahl der Gewerbehöfe wurden nur Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern berücksichtigt.Nutzen: Mit Hilfe dieser Übersicht können Handwerker mehr...

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