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Geldanlage Geldregen für mutige Aktionäre

Regelmäßig im Frühling schütten Unternehmen einen Großteil ihrer Gewinne an ihre Eigentümer aus. Statt immer nur zuzusehen, sollten Privatanleger mitmischen – aber mit Bedacht.

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Viele der gut zehn Millionen Aktionäre und Aktienfondsbesitzer in Deutschland durften sich wieder freuen. Im Frühjahr 2018 schütteten heimische Unternehmen für das Geschäftsjahr 2017 mehr als 46 Milliarden Euro an ihre Eigentümer aus – so viel wie noch nie. Weitere Rekorde sind möglich.

„Die Indikatoren deuten auf eine anhaltend gute Konjunktur hin, wodurch die Ausschüttungen auch in den kommenden Jahren jeweils um rund zehn Prozent ansteigen sollten“, so Michael Bissinger, Analyst bei der DZ Bank, in einer aktuellen Studie. Seine Prognose bezieht sich auf die 110 größten Börsengesellschaften Deutschlands. Dabei handelt es sich um die im HDax erfassten Emittenten, also 30 Dax-Konzerne, plus 50 aus dem MDax sowie 30 TecDax-Titel. Wer deren Anteilsscheine besitzt, dürfte dieser Tage gerne auf seinen Kontoauszug sehen, erklärt Bissinger.

Attraktive Renditen

Tatsächlich lässt der bevorstehende Geldregen ein Investment in Aktien attraktiv erscheinen. Hinzu kommt: Die jüngste Kurskorrektur an den Börsen hat die Dividendenrendite erhöht. Denn bei sonst gleichen Bedingungen steigt diese Kennzahl mit fallendem Aktienkurs und umgekehrt. Aktuell zahlen die Dax-Konzerne im Schnitt 3,2 Prozent. Auf europäischer Ebene ist das Verhältnis aus jährlicher Gewinnausschüttung pro Aktie und Kurs ähnlich hoch. Andreas Hürkamp von der Commerzbank rechnet mit einer Dividendenrendite von durchschnittlich 3,3 Prozent bei den im Euro Stoxx 50 zusammengefassten fünfzig Konzernen aus der Eurozone. Die Analysten von Generali Investments erwarten hier sogar eine Relation von 3,6 Prozent. Die Schätzungen der Beobachter variieren. In jedem Fall sind die Renditen verlockend.

Also rein in Dividendentitel? Ja, aber erst nach Durchführung einer ganzheitlichen Finanzplanung, bei der Anleger und Berater gemeinsam ermitteln, wie viel Geld dafür zur Verfügung steht und wie riskant die Anlage sein darf. Die „Dividendenkönige“ finden Interessierte zum Beispiel auf mydividends.de oder dividendenchecker.de. Im Dax zum Beispiel kommen Gesellschaften wie Allianz, BWM, Daimler, Telekom oder Münchener Rück aktuell auf eine Dividendenrendite zwischen vier und fünf Prozent.

Aber Vorsicht: Eine hohe Dividendenrendite ist nur ein Auswahlkriterium bei der Anlage. Grundlegende Faktoren wie etwa die Wettbewerbsposition des Unternehmens, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, die finanzielle Stärke und die Dynamik der Gewinne kommen hinzu. Erfahrene Vermögensmanager betonen: „Wenn Anleger sich nur an Hitlisten orientieren, verdrängen sie leicht, dass die Dividendenrendite auch steigt, wenn der Kurs der Aktie fällt.“

Dividenden schwanken stark

Ein sinkender Börsenpreis hat oft fundamentale Gründe. Ein Beispiel ist VW. Der Diesel-Skandal hat die Aktien in den Keller geschickt. Und weil der Autobauer in den USA Schadensersatz in Milliardenhöhe leisten muss, kürzte das Management die Ausschüttung je Vorzugsaktie für 2015 von 4,80 Euro auf 0,17 Euro. Immerhin verdient der Konzern Geld. Für 2017 erwarten Beobachter wieder eine Gewinnbeteiligung der Aktionäre in Höhe von fast vier Euro.

Ein anderer Beleg ist RWE. Auch deren Aktionäre bekamen in den vergangenen Jahren wenig bis nichts. Hier macht sich die Energiewende sowie der Rückzug von Investoren aus Kohle-Unternehmen bemerkbar. Für 2017 wollen die Essener 1,50 Euro Dividende plus ein Euro Sonderausschüttung wegen des Innogy-Verkaufs an Eon für ihre Anleger lockermachen. Die Deutsche Bank wiederum zahlt nur elf Cent, nach 19 Cent für 2016.

Die Beispiele bekannter deutscher Konzerne zeigen, dass Dividenden stark schwanken und auch mal ausfallen können. Für private Anleger kommt die Auswahl einzelner Aktien auf eigene Faust nicht infrage. Die Gefahr eines Fehlgriffs ist zu groß. Um das Anlagerisiko über zahlreiche Unternehmen aus der ganzen Welt zu streuen, kommen global investierende Dividendenfonds infrage. Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement beim Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen, hält den DWS Top Dividende für „sehr gut gemanagt“. Solche aktiv verwalteten Fonds sind teuer. Die Gesamtkostenquote liegt oft zwischen 1,5 und 2,0 Prozent. Im Gegenzug vertrauen Anleger darauf, dass die Fondsmanager die aussichtsreichsten Aktien im Portfolio haben und bei Bedarf die Favoriten wechseln.

Diese Flexibilität haben passive Fonds nicht. Diese Exchange Traded Funds (ETF) bilden starr einen Index ab. Der von der Deutschen Börse aufgelegte Dividendenindex (DivDAX) etwa enthält die 15 Unternehmen des DAX mit den höchsten Dividendenrenditen. Der Index wird jährlich im September angepasst.

Im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds sind ETF sehr günstig; die Gesamtkostenquote für Anleger liegt häufig bei 0,2 bis 0,4 Prozent. „Blind zugreifen sollten Anleger aber nicht“, betont Roestel und erklärt: „Sinn macht nur ein ETF auf dem DivDAX-Performanceindex, welcher die Dividenden einrechnet.“ Bei einem Kursindex würden die Zahlungen an die Aktionäre nicht berücksichtigt, weshalb sie für Anleger unattraktiver seien als Performanceindizes.

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