Fußschutz: Auswahl des geeigneten Sicherheitsschuhs

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Arbeitsschutz und Gesundheit

Handwerker sind oft den ganzen Tag in denselben Schuhen auf den Beinen. Arbeitsschuhe müssen deshalb nicht nur optimal schützen, sondern auch perfekt passen. Wie Sie den richtigen Schuh für die tägliche Arbeit auswählen.

Zugelassen für orthopädische Zurichtungen: Der L 10 Shadow von Elten. – © Elten GmbH

Fußverletzungen bilden bei der Berufsgenossenschaft Bau die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfälle. Durch passendes und speziell ausgestattetes Schuhwerk lassen sich Gefährdungen wie herunterfallende Gegenstände zwar nicht verhindern, aber ihre Auswirkung auf die Gesundheit deutlich vermindern. Viele Unfälle durch Rutschen, Stolpern oder Umknicken können sogar ganz vermieden werden. Allein schon aus Kostengründen sollte daher jedem Unternehmer daran gelegen sein, sein Team mit geeignetem und passendem Schuhwerk zu versorgen.

Welche Klassen es gibt

Fußschutz wird in verschiedene Klassen eingeteilt: Berufsschuhe (Kennzeichen O) haben keine Anforderungen an den Zehenschutz. Schutzschuhe (Kennzeichen P) verfügen bereits über eine Zehenschutzkappe, die mit 100 Joule Energieaufnahmevermögen allerdings nur halb so viel Aufprallenergie wie die Schutzkappe eines Sicherheitsschuhs (Kennzeichen S) aufnehmen kann.

Sicherheitsschuhe sind nach EN 20345 in folgende Klassen aufgeteilt:

Sicherheitsschuh-Klasse Eigenschaften Material
S1   Zehenschutzkappe mit Energieaufnahmevermögen von 200 Joule, geschlossener Fersenbereich, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich Leder oder andere Materialien
S1P S1, zusätzlich Stahl- oder durchtrittsichere Sohle Leder oder andere Materialien
S2 S1, zusätzlich schützend vor Wassereintritt und Wasseraufnahme Leder oder andere Materialien
S3 S2, zusätzlich durchtrittsichere und profilierte Laufsohle Leder oder andere Materialien
S4 Stahlkappe, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich vollständig vorgeformt oder vulkanisiert, z.B. Gummi oder PVC
S5 S4, zusätzlich Durchtrittsicherheit, profilierte Laufsohle vollständig vorgeformt oder vulkanisiert, z.B. Gummi oder PVC

In Handwerksbranchen, in denen Fußschutz nötig ist, kommen vor allem Sicherheitsschuhe der Klassen 1 bis 3 zum Einsatz.

Der Weg zum richtigen Arbeitsschuh

Erster Schritt ist eine Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes der einzelnen Mitarbeiter, inklusive des Chefs. Ist der Kollege mechanischen Einwirkungen wie herabfallenden Gegenständen, spitzen oder schneidenden Gegenständen oder unebenem oder schiefem Boden ausgesetzt? Wird mit elektrischer Spannung oder bei extremer Hitze beziehungsweise Kälte gearbeitet? Besteht Berührungskontakt mit Chemikalien? Werden wetterfeste Schuhe benötigt?

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    Sieht aus wie ein Sneaker, erfüllt aber die Anforderungen der Schutzklasse 3: Vintage Pirate von Elten.
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    Zugelassen für orthopädische Zurichtungen: Der L 10 Shadow von Elten.
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    © Lemaitre
    Leichtgewicht mit biegsamer Sohle und Aluminium-Kappe: Coolgrey aus der Crazy-Serie von Lemaitre wiegt nur 500 Gramm (S1).
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    Reinschlüpfen und loslegen: Dank nachgiebigem Gummizug lässt sich der Slippper von Lemaitre sehr komfortabel an- und ausziehen (S2).
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    Leicht, weich und robust: Lemaitre Softsport mit universaltauglicher Germax-Sohle und extraweiter Stahlkappe (S1).
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    Dickies Arcus Safety Trainer: Mit rutschsicherer, öl- und chemikalienfester Sohle, Kappe und Zwischensohle aus Verbundmaterial und Schnellschnürsystem (S1).
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    Sicherheitshalbstiefel für Werkstatt und Bau: Dickies Storm mit Vorderkappe und Zwischensohle aus Stahl (S1).
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    Der Cross Line Safety-Halbstiefel von Makita mit wasserabweisendem Oberleder, Stahlkappe sowie ölfester, antistatischer Sohle (S3).
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    Sprint Trainer von Makita: Ein robuster Halbschuh der Sicherheitsklasse S1 mit Vorderkappe und Zwischensohle aus Stahl sowie öl- und hitzebeständiger Sohle bis 180 Grad Celsius.
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    Mittelfußknochenschutz: Poron XRD M-Guard ist ein speziell geformter Extremaufprallschutz aus Polyurethan zur Einarbeitung in Arbeitsschuhe beim Hersteller.
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    © Uvex
    Private Einlagen sind in Sicherheitsschuhen nicht zulässig. Uvex bietet mit der Medicare EVA Sohle eine geprüfte Einlage aus Weichschaum, die individuell anpassbar ist.

Anhand der vorhandenen Gefährdungsrisiken wird entschieden, ob besonderer Fußschutz nötig ist und welche Eigenschaften dieser besitzen muss. Ausführliche Hinweise zur Gefährdungsanalyse, Auswahl und Benutzung von Fußschutz gibt die GUV-R 191 http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/r-191.pdf

Geeignet für orthopädische Zurichtungen

Für die Auswahl eines Schuhmodells sollten neben dem Gefährdungsrisiko auch die persönlichen Eigenschaften des Beschäftigten berücksichtigt werden, etwa ob jemand leicht umknickt oder Einlagen braucht. Ab dem 40. Lebensjahr führen zum Beispiel verminderte Muskulatur und erschlaffende Bänder im Fuß zu Veränderungen, wie Knick-, Senk- oder Spreizfüße. Außerdem werden die Füße mit zunehmendem Alter immer druckempfindlicher. Wer orthopädische Veränderungen am Schuh – etwa Einlagen oder Absatzerhöhungen und Abrollhilfen – benötigt, kann jedoch die Einlage aus dem Privat- nicht einfach in den Arbeitsschuh legen: Unsachgemäße Veränderungen am Sicherheitsschuh können dazu führen, dass der Sicherheitsschuh den Anforderungen der EN 20345 nicht mehr gerecht wird. Die gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierung wäre dann ungültig oder es geht sogar der Versicherungsschutz verloren. Arbeits- und Sicherheitsschuhe sollten daher von Herstellerseite für orthopädische Zurichtungen zugelassen sein. Diese kann dann unkompliziert durch einen Orthopädieschuhmacher oder im Sanitätshaus vorgenommen werden.

Tragekomfort

Je wohler sich ein Mitarbeiter im Arbeitsschuh fühlt, desto höher ist die Trageakzeptanz. Umgekehrt können Schuhe, die nicht richtig sitzen, Gefährdungen noch verstärken. Guter Tragekomfort wird vor allem durch geringes Gewicht, flexibles Material, Passform sowie Dämpfung für Vorderfuß und Ferse erreicht. In Sachen Gewicht kann etwa Zehenschutz aus Kunststoff oder Aluminium eine leichte Alternative zur Stahlkappe sein. Unabhängig vom Material sollten die Übergänge zwischen Kappe und Schaft gepolstert sein, um Druck- und Scheuerstellen zu vermeiden. Auch Nähte dürfen keinesfalls beim Tragen stören.

Die Sohle sollte so konzipiert sein, dass der Fuß natürlich abrollen kann. Der Schuh muss in Höhe des Zehengrundgelenkes knicken, zwischen Mittelfuß und Ferse sollte die Sohle fest sein.

Um unterschiedlich breiten Füßen gerecht zu werden, gibt es am Markt Mehrweitensysteme, die durch unterschiedliche Einlagesohlen und/oder Leisten realisiert werden. Immer mehr Hersteller bieten auch Modelle mit Damenleisten.