"Zweites Bargeld" kommt frühestens 2026 Digitaler Euro: Die wichtigsten Fakten zum neuen Zahlungsmittel

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Der digitale Euro kommt – so hat es die EZB beschlossen. Unternehmer müssen ihn als Zahlungsmittel akzeptieren. Was er ist, warum er kommen muss und was er für das Handwerk bedeutet im Überblick. Übrigens: Mit Kryptowährungen hat der digitale Euro nichts gemein. Zumindest solange es keine Tokenisierung gibt.

Der digitale Euro kommt
Der digitale Euro kommt – auch für das Handwerk. – © sirav – stock.adobe.com

Der digitale Euro ist eine digitale Geldbörse – Wallet genannt -, die jeder Menschund jedes Unternehmen in Deutschland künftig haben soll. Darin enthalten ist Zentralbankgeld,und das muss von jedem Unternehmen in Deutschland akzeptiert werden. Darin unterscheidet es sich von Bank-und Kreditkarten, denn bei ihnen kann jeder Unternehmer selbst entscheiden, ob er sie akzeptiert oder nicht.

Der digitale Euro – ein zweites Bargeld

Um den digitalen Euro richtig zu verstehen, hilft ein Blick auf die aktuelle Lage: Liegt Geld auf Konten bei Banken, ist es Buch- oder Giralgeld.Der Kontoinhaber hat einen Anspruch an die Bank, dieses Geld nach seinem Willen auszuzahlen. Gerät die Bank in Zahlungsschwierigkeiten, kann das Geld verloren sein, wenn der Einlagensicherungsfonds nicht greift. Nur wer Bargeld hält, ist vor diesem Risiko geschützt. Doch kann Bargeld leicht gestohlen werden, so dass die Aufbewahrung an einer gesicherten Stelle wichtig ist.

Der digitale Euro verbindet die Vorteile von Bargeld mit der Sicherheit von Bankguthaben. Denn das Geld in der Wallet wird von der Zentralbank besichert. Es ist also risikoärmer als das Geld bei der Hausbank. Und es ist sicherer als Bargeld, weil es nicht geklaut werden kann.

Der digitale Euro stabilisiert die Finanzlage – insbesondere in Krisen

Dass Banken pleite gehen können, hat die Finanzkrise 2008 eindrücklich gezeigt. Und zuletzt im März 2021 ging wieder ein Finanzinstitut in die Insolven , die Greensill Bank. Wer sein Geld dort deponiert hatte, hofft darauf, vom Einlagensicherungsfonds zumindest bis zur Höhe von 100.000 Euro entschädigt zu werden. Allerdings haftet dieser Fonds nur für Spareinlagen, das Vermögen auf Girokonten ist meist verloren.

Besser beraten war, wer Bargeld hielt. Doch schon seit Jahren boomen digitale Bezahlmethoden und Onlinebanking – eine Entwicklung die sich durch Corona beschleunigt hat. Nur rund 20 Prozent der Geldmenge in Euro wird als Bargeld gehaltenund ist daher in Krisen sicher. Das bedeutet: 80 Prozent des Geldvermögens ist in Krisen potenziell gefährdet, was das gesamte Finanzsystem bedrohen kann.

Diese Sicherheitslücke schließt der digitale Euro – mit ihm kann auch online bezahlt werden, ohne dass Geld bei Geschäftsbanken geparkt werden muss. Er ist sicher wie Bargeldund flexibel wie Buchgeld.

Ein Gegengewicht zu Bitcoinund privaten Zahlungsmitteln

Die Europäische Zentralbank (EZB) möchte das Finanzsystem weniger anfällig für Störungen in der Wirtschaft machen -und die Souveränität der Währung schützen. „Sonst,“ sagt Fabio Panetta, Direktoriumsmitglied der EZB, „übernimmt jemand anderes.“ Dies könnte der Bitcoin sein, aber auch der Diem, wie ihn Facebook als Zahlungsmittel einführen möchte. Beide unterliegen keiner behördlichen Aufsichtund Regulatorik -und zumindest der Bicoin hat sich bereits als sehr schwankungsintensiv und instabil erwiesen.

Auch für die Wettbewerbsfähigkeit des Euros und seines Währungsraums gegenüber anderen Währungsräumen ist der digitale Euro wichtig. Denn nicht nur der Diem steht in den Startlöchern, sondern auch andere Notenbanken sind bei der Konzeption einer digitalen Währung bereits weiter. Kurz: Ein digitaler Euro ist wesentlich für die Wettbewerbsfähigkeit Europasund seiner Unternehmen in einer immer stärker digitalisierten Geschäftswelt.

Ein Konto bei der EZB für jedermann

Der digitale Euro verschafft dem Handwerk, aber auch Privatleuten, neue Möglichkeiten im Zahlungsverkehr. Ist er eingeführt, kann jeder bei der Zentralbank ein Konto haben, über das das bargeldlose Bezahlen abgewickelt wird. Wie genau die Kontoeröffnung aussehen wird, steht noch nicht fest. Vermutlich werden die Geschäftsbanken dabei jedoch eingebundenund sie werden wohl auch die Verwaltung übernehmen.Der Vorteil des EZB-Kontos gebenüber einem traditionellen Bankkonto: es ist vor der Insolvenz der Bank geschütztund es werden keine Negativzinsen verlangt. Allerdings wird die bei der EZB hinterlegbare Summe auf einen Maximalwert begrenzt, aktuell sind 3.000 Euro für Privatleute im Gespräch. Auch wie mit Kontoüberziehungen umgegangen werden soll, ist noch nicht geklärt.

Der digitale Euro kommt nicht vor 2026

Um die Details zu klären hat sich die EZB eine zweijährige Testphaseund eine dreijährige Umsetzungphase genehmigt – vor 2026 kommt der digitale Euro also nicht.

Doch dass er kommen muss, finden viele Finanzexperten: Je mehr Menschen bargeldlos bezahlen, desto mehr muss die EZB selbst umdenken. Gerade die technik-affine junge Generation steht neuen Geldformen offen gegenüber“, sagt beispielsweise Dr. Thomas Gitzel, Chefsvolkswirt der in Liechtenstein ansässigen VP Bank. Diese Entwicklung sehen private Anbieter als Chance, ein eigenes Zahlungsmitel in den Umlauf zu bringen. So soll noch in diesem Jahr die an den US-Dollar gekoppelteund von Facebook initiierte Digitalwährung ‚ Diem ‚ in einem Pilotversuch auf den Markt kommen. Mit der Kopplung an den US-Dollar hebt sich Diem auch von Bitcoin & Co. ab. Er soll zu einem alternativen Zahlungsmittel werden. Gerade deshalb wird der Druck auf die Zentralbanken stärker, selbst in diesem Segment tätig zu werden,“ so Gitzel. „Der als Zahlungsmittel konzipierte Diem wird vermutlich nicht alleine bleiben. Die europäischen Währungshüter müssen deshalb nicht nur gründlich, sondern auch schnell sein.“

Wird der digitale Euro tokenisiert, hat er doch mit der Blockchain zu tun

Aber: So, wie die EZB ihre Digitalwährung konzipiert, reicht sie nicht aus – findet zumindest Dr. Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands (DSGV). Er fordert eine zusätzliche Tokenisierung als auch tokenisiertes Zentralbankguthaben. Zur Erklärung: Bei der Tokenisierung werden digitale Abbildungen des Euros in Form von Token über die sogenannte Blockchain abgebildet. Das bietet viele Vorteile wie eine schnellere Abwicklung oder niedrigere Kosten. „Bankenund Sparkassen in Deutschlandund Europa haben eine zentrale Rolle im Wirtschaftskreislaufund leisten einen unverzichtbaren Beitrag bei der effizienten Versorgung von Unternehmenund Verbrauchern mit Finanzmitteln. Diese stabileund wertvolle Liquiditätsversorgung kann nur erhalten bleiben, wenn die EZB alle drei heutigen Geldarten in das Projekt einbezieht“, sagt er. Gemeint: Bargeld, Digitalgeld, Token.