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Gebrauchtmaschinen Erste Wahl aus zweiter Hand

Angebote für Gebrauchtmaschinen finden sich vor allem online: Plattformen bündeln die Anzeigen gewerblicher und privater Anbieter. Doch nicht jedes Schnäppchen lohnt sich. Wo sich gute Gebrauchte finden lassen und was man beim Kauf beachten sollte.

Auf die „schlanke Taille“ seiner Hebebühne ist Daniel Hiltscher besonders stolz. „Neben dem Raupenlaufwerk war es uns wichtig, ein Gerät zu finden, das auch durch enge Gartentore passt“, sagt der Juniorchef von Hans Hiltscher Einblasdämmung, Spezialist für Wärmedämmung im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück. Die Hebebühne mit einer Breite von nur 80 Zentimetern hat der Betrieb vor vier Jahren gebraucht bei einem Arbeitsbühnen-Mietservice in Holland gekauft. Drei Jahre war die Maschine dort schon gelaufen, nun wurden neue angeschafft, und die alte musste raus. „Wir hatten uns damals über Hersteller und Typen informiert“, erinnert sich Daniel Hiltscher. Als er das gewünschte Fabrikat dann im Internet in die Suchmaschine eingab, ploppten auch Gebrauchtangebote auf – wie das in Holland.

Die Dämmspezialisten fuhren zum Anbieter, und nachdem die Hebebühne dort tipptopp lief, wurde man sich einig: „Im Vergleich zum Neukauf haben wir rund 60 Prozent gespart“, freut sich Hiltscher. Bei ihm ist die Maschine täglich im Einsatz und „funktioniert einwandfrei“. Gerade schaut er sich nach einer zweiten Hebebühne um: „Gut möglich, dass es wieder eine Gebrauchte wird.“

Online-Marktplätze dominieren

Wer sich für gebrauchte Maschinen interessiert, kommt am Internet kaum noch vorbei. Große Plattformen bündeln Angebote aus ganz Deutschland, aber auch anderen europäischen Ländern. „Der eher traditionell geprägte Maschinenhandel ist online angekommen. Die Händler haben das globale Potenzial des Internets erkannt“, sagt Thorsten Muschler, Geschäftsführer von maschinensucher.de, dem nach eigenen Angaben größten deutschen Online-Marktplatz für gebrauchte Industriemaschinen. Hier sind rund 150.000 Inserate von 5.100 Anbietern gelistet. Die allermeisten Inserenten sind gewerbliche Maschinenhändler, doch auch Einmalverkäufer können ihre Maschine einstellen. Das Portal funktioniert im Prinzip wie ein Anzeigenblatt, allerdings können die Anbieter umfangreiche Informationen, einschließlich technischer Datenblätter sowie Fotos und Videos der Maschinen hochladen.

Neben diesen Online-Anzeigenmärkten gibt es Plattformen, auf denen gebrauchte Maschinen nach dem Ebay-Prinzip per Versteigerung „unter den Hammer kommen“. Der Chance, hier ein echtes Schnäppchen zu ersteigern, steht aber in jedem Fall der erhöhte Zeitaufwand entgegen: Eine Maschine ungesehen zu kaufen macht bei größeren Investitionen wenig Sinn. Man fährt also zum Händler und ist im Grunde kaufbereit – doch den Zuschlag bekommt am Ende ein anderer Bieter.

Für den Gebrauchtkauf spricht auf jeden Fall der in der Regel deutlich geringere Preis. Dieses Argument ist besonders für Gründer und junge Betriebe interessant. Unternehmen mit guter Gewinnlage sollten dagegen das Abschreibungspotenzial beim Neukauf in ihre Entscheidung einbeziehen.

Einstieg in neue Technik

Auch wer modernisieren oder neue Geschäftsfelder entwickeln möchte, senkt mit gebrauchten Maschinen das Risiko einer Fehlinvestition. Stephan Wöhltjen, Tischlermeister und Partner des Tischlernetzwerks TopaTeam aus dem niedersächsischen Achim-Uphusen, hat mit dem Kauf einer gebrauchten CNC-Maschine den Einstieg in den computerunterstützten Möbelbau gewagt. Ein aktuelles Modell hätte schnell eine Viertelmillion Euro gekostet, die 15 Jahre alte Maschine von einem Tischlerkollegen aus der Nachbarschaft war für 10.000 Euro zu haben. „Jetzt oder nie“, habe er sich gedacht, sagt Wöhltjen. Rund 10.000 Euro hat er zusätzlich investiert, um die Maschine bei sich aufzustellen, sie einzurichten sowie die Mitarbeiter zu schulen. „Es ist eine neue Technik, und wir mussten unsere Fertigung komplett umstellen. Durch den Gebrauchtkauf konnten wir das einfach ausprobieren, ohne gleich riesige Summen zu investieren.

Fünfzehn Jahre ist für CNC-Technik natürlich ein stolzes Alter. „Die Maschine hat ihre Mucken“, gibt Wöhltjen zu. Doch durch den „kurzen Dienstweg“ zum Nachbarn habe die Einarbeitung gut funktioniert. „Wenn was ist, kann ich meinen Kollegen fragen und muss nicht einen Techniker rufen.“ Auch dass es auf eine gebrauchte Maschine in der Regel keine Garantie gibt, ist für ihn kein Problem. „Ersatzteile für die Maschine sind noch erhältlich. Und wenn etwas kaputt geht, tut das bei diesem geringen Kaufpreis auch nicht so weh.“

Sicher ist dieser „Nahkauf“ die Ausnahme. Auf den Verkaufsplattformen zeigt sich, dass ein Großteil des Gebrauchtmarkts über gewerbliche Maschinenhändler läuft. Doch auch hier gibt es Unterschiede. Angesichts der oft nicht unbeträchtlichen Investitionssummen lohnt ein genauer Blick auf den Anbieter.
Im ersten Schritt muss hier unterschieden werden: Handelt sich um einen lagerhaltenden Händler – der die inserierte Maschine bei sich vor Ort hat –, oder stammt das Angebot von einem Makler, der lediglich inseriert? „Bei Maklern kann man sich nie sicher sein, ob die Maschine überhaupt noch zu haben ist. Man weiß nicht, wo sie steht, ob sie vom Makler besichtigt wurde, funktionsfähig ist, und die technischen Angaben sind vielfach oberflächlich und unvollständig“, erklärt Andreas Plum, Inhaber von Plum & Partner Werkzeugmaschinen aus Bünde in Nordrhein-Westfalen. „Am Ende hat man Zeit investiert und interessiert sich ernsthaft, dabei ist die Maschine längst verkauft.“ Plum & Partner handelt seit 1896 mit Maschinen, meist Werkzeugmaschinen.

Anbieter genau prüfen

Zum Prüfen eines Anbieters empfiehlt Maschinenhändler Plum: Ein B lick auf die Website sollte unter anderem die Lagerhalle mit den Maschinen zeigen. „Sieht man nichts, ist meist auch keine Halle vorhanden.“ Ein Manko, denn im Maschinenlager können Interessenten gleich zahlreiche Maschinen besichtigen und unter Strom prüfen.

Weitere Punkte, die oft bereits aus dem Profil auf den Verkaufsplattformen ersichtlich sind: Wie lange ist der Händler schon am Markt? Ist er mit einem Gütesiegel zertifiziert? Bietet er ein aussagekräftiges Angebotsblatt mit den Charakteristika der Maschine, also allen relevanten technischen Daten? Sind aussagekräftige Fotos oder auch Videos hinterlegt? Sehen die Maschinen sauber und gepflegt aus? Ist der Anbieter gut erreichbar, meldet sich schnell zurück und kennt sich mit den Fabrikaten und technischen Details aus?

Wichtig ist zudem: „Besser einen Händler möglichst aus der Region auswählen“, rät Plum. So können Anfahrt- und Transportkosten für den Käufer verringert werden. „Außerdem wollen Unternehmer oftmals eine Maschine in Zahlung geben. Da macht es Sinn, wenn auch der Händler auf kurzem Weg vorbeischauen kann.“

Was man beim Kauf beachten sollte

Vor der Kaufentscheidung müssen typische Kostenfallen geprüft werden, denn durch aufwendigen Transport oder Nachrüstungen können vermeintliche Schnäppchen schnell teuer werden.
  • Pflichtenheft. Was soll die Maschine können? Besitzt sie alle Features, die im Betrieb benötigt werden? Oder verfügt sie über überflüssige Funktionen, die unnötig Strom oder Platz verbrauchen? Geplanter Nutzungszeitraum im Verhältnis zur geschätzten Lebensdauer: Handelt es sich nur um eine Übergangslösung oder langfristige Nutzung? Gelegentlicher Einsatz oder Dauerbetrieb? Solide gebaute Mechanik oder schnell alternde Computertechnik? Zu erwartende Störanfälligkeit? Passen die Maße zu räumlichen Gegebenheiten?
  • Marktkenntnis / Finanzierung. Was kostet die Maschine neu/gebraucht? Qualitätsprodukt oder aus Billigfertigung? Ist es sinnvoll, durch Gebrauchtkauf auf Abschreibungen zu verzichten? Ist Leasing von Neumaschine Alternative?
  • Rechtliches. Betriebserlaubnis / TÜV für ältere Modelle? Konformität mit aktuellen Sicherheitsvorschriften, betrieblichen Versicherungen, zu erwartenden künftigen Entwicklungen? Eventuell Nachrüstung nötig?
  • Gewährleistung / Service. Besteht Garantie etwa vonseiten des Herstellers oder Händlers (letzteres nur üblich, wenn dieser die Maschine generalüberholt hat)? Ist die Maschine sauber und wurde sie regelmäßig gewartet? Sind Ersatzteile erhältlich? Ist individuelle Konfiguration/ Umbau möglich und was kostet dieser?
  • Transport. Wie aufwendig sind Ausbau, Einbau und Lieferung und wer übernimmt diese? Haftung für ordnungsgemäße Verladung und Transport/Gefahrenübergang?

Wo man Gebrauchtmaschinen kaufen und verkaufen kann

Bei den Online-Plattformen haben wir in der Übersicht die Anbieter nach der Anzahl der Anzeigen gelistet. Bei den Versteigerungs-Plattformen sind die wichtigsten Anbieter genannt. Bei den Gebrauchtangeboten der Hersteller ist es nahezu unmöglich, alle zu erfassen. Deshalb sind hier Beispiele der großen Anbieter aufgeführt. Weitere Angebote für Gebrauchtmaschinen finden sich in Fachmagazinen und Verbandszeitschriften.

Art Anbieter, Anzahl der Angebote (Abrufdatum 17.5.2018) Bemerkungen
Online-Plattformen mascus.de, ca. 398.000 Angebote online

maschinensucher.de, ca.150.000 Angebote online

resale.de, ca. 150.000 Angebote online

forklift-international.com, ca. 79.500 Angebote online

machinerypark.com, ca. 46.000 Angebote online

lagermaschinen.de, ca. 15.000 Angebote online

machinestock.com, ca. 7.000 Angebote online


gebrauchtmaschinen.de, ca. 5.000 Angebote online
Baumaschinen und Nutzfahrzeuge

Industriemaschinen mit Schwerpunkt Werkzeug, Metall, Holz und Druck

Nach eigenen Angaben ältester Gebrauchtmaschinenmarktplatz weltweit

Gabelstapler, Lagertechnik, Anbau- und Reinigungsgeräte

Baumaschinen

Nur lagerhaltende Händler, daher Sofortverfügbarkeit garantiert

Produkte der Mitglieder des Fachverbandes Maschinen- und Werkzeug-Großhandel

Schwerpunkt Metallbearbeitungsmaschinen
Versteigerungs-Plattformen trademachines.com

surplex.com

troostwijkauctions.com/de/

ebay.de
Suchmaschine für Industrieversteigerungen

Online Industrie-Auktionen von holz- und metallverarbeitenden Maschinen

Industrieversteigerungen

Sowohl Auktionen als auch Angebote zum Sofortkauf auf der Plattform,
Festpreis­angebote unter ebay-kleinanzeigen.de
Gebrauchtmaschienhändler Direkter Kontakt über Website oder Angebote in
Newsletter etc.
Standort in der Region sinnvoll
Insolvenzversteigerer Direkter Kontakt über Website, Newsletter etc. Standort in der Region sinnvoll
Gebrauchtmaschinenbörsen von Herstellern
(Maschinen sind in der
Regel vom Hersteller technisch
und optisch auf­bereitet)
trumpf.com, Stichwort: Produkte/Services/

zeppelin-cat.de,
Stichwort Gebrauchtmaschinen

schulergroup.com, Stichwort: Service/Gebrauchtmaschinen

used.liebherr.com/de
Werkzeugmaschinen

Baumaschinen


Pressen und Bandanlagen


Baumaschinen, Anbauwerkzeuge und Ersatzteile
Messen ReTEC Seit dem Siegeszug der Online-Plattformen verlieren Messen an Bedeutung

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