Verwaltung und Dokumentation Eine App genügt: So verbindet die Zimmerei Priller Baumann das Büro mit der Baustelle

Zugehörige Themenseiten:
Büroorganisation, Digitalisierungsgrad der Gewerke, IT-Trends, Start-up und Zeiterfassung

Um die Prozesse in ihrem Zweimannbetrieb zu steuern, nutzt die Zimmerei Priller Baumann in Fischbachau eine App zur Zeit- und Materialerfassung. Der Entwickler Michael Kriehn ist selbst Zimmerer, der genug von der Zettelwirtschaft in seinem Betrieb hatte – und sich als Lösung seine eigene App gebaut hat.

Zimmerei Priller Baumann
Christian Priller (li.) und Benedikt Baumann betreiben die Zimmerei Priller Baumann in Fischbachau. – © Zimmerei Priller Baumann

Von Balkonen, über Dachstühle bis zu kompletten Häusern: Benedikt Baumann und Christian Priller statten mit ihrem Zimmereibetrieb Priller Baumann die oberbayerische Region um Miesbach mit Holzwerken aus. Zu welchen Zeiten sie bei ihren Kunden arbeiten, und welches Material sie dafür benötigen, sollten die Kompagnons als ein Zweimannbetrieb leicht im Überblick behalten – könnte man denken.

Doch weit gefehlt. „Wir hatten Mühe damit, die Zettel wieder zu finden, auf denen wir wichtige Informationen notiert hatten“, schildert Baumann.Auch die Handschrift sei nicht immer die leserlichste. Daher haben sich die Zimmereimeister für die Digiholz -App entschieden, die diesen Dokumentations- und Verwaltungsaufwand für sie im Hintergrund erledigt. Auf der Baustelle notieren sie Anfang und Ende ihrer Arbeit übers Smartphone, ganz schnell und einfach per Fingertipp. Die erfassten Daten synchronisieren sich sofort mit der Web-Applikation am Bürocomputer. Technisch funktioniert das ganz einfach über ein Login.

Vom Handwerkschef zum Startup-Gründer

Ein kleiner Kniff, mit dem die Zimmerer einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung und Automatisierung gehen. „Mit der App sparen wir uns viel Zeit bei der täglichen Arbeit“, sagt Baumann, dem das Tool zur Zeit- und Materialerfassung als einziger digitaler Helfer im Betrieb für seinen Bedarf derzeit völlig ausreicht. Die App entwickelt hat Michael Kriehn, der ebenfalls eine siebenköpfige Zimmerei in Fischbachau, ganz in der Nähe der Zimmerei Priller Baumann, geführt hat. Nachdem er 2018 angefangen hat, seine digitale Anwendung zu entwickeln, managte er Betrieb und das neue Startup zugleich. Das wurde schnell zu viel. Vor anderthalb Jahren hat sich Kriehn daher entschieden, sich ganz Digiholz zu widmen – und voll unter die junge Handwerk-Startup-Szene zu gehen.

Die Motivation, eine eigene App zu entwickeln, lag an der Situation in Kriehns Betrieb, die ganz ähnlich der von Priller Baumann war. Oft musste Kriehn den Stundenzetteln seiner Mitarbeiter hinterherlaufen, die Verwaltungsarbeit erledigte er dann häufig am Wochenende. „Das kostete viel Zeit und Nerven“, erinnert sich der Gründer. Daher suchte er nach einer Lösung, um die Schnittstelle von der Baustelle ins Büro zu digitalisieren. Viele der existierenden Software-Produkten auf dem Markt waren ihm „zu umfangreich, zu teuer oder auch zu schwer bedienbar“. Das wollte er mit Digiholz anders machen. „Unser oberstes Ziel war es von Anfang an die Einstiegsbarriere für die Handwerksbetriebe in die digitale Welt so niedrig wie möglich zu halten“, erklärt Kriehn. Wichtig ist es ihm auch, mit einer Handwerker-Software möglichst viele Baustellenprozesse sinnvoll zu digitalisieren .

Smartwork-United hilft Betrieben bei der Digitalisierung


Mit Digiholz hat er mithilfe eines Programmierers im Familienkreis eine einfach Anwendung geschaffen, mit der Betriebe ihre Digitalisierung anschieben können. Neben der Zeit- und Materialerfassung ist auch die Foto-Dokumentation von Projekten möglich, die im Streitfall auch als Beweismittel für Unfälle und Haftungsfragen herangezogen werden kann. Die App verfügt außerdem über ein Bautagebuch, Checklisten sowie über eine Datenbank zur Dokumentenbereitstellung. Die Dateneingabe erfolgt durch den Mitarbeiter in der intuitiv bedienbaren mobilen App auf Basis von iOS und Android. Im Büro können die Daten dann über die Webapplikation ausgewertet, kontrolliert und archiviert werden sowie durch Exportfunktionen – datenschutzkonform – an Dritte weitergegeben werden. Wer bereits eine Bauabrechnungs-Software oder auch ein Enterprise-Resource-Planning-Tool (ERP) in seinem Betrieb nutzt, kann Digiholz

Michael Kriehn
Michael Kriehn hat das Start-up Digiholz gegründet. – © Michael Kriehn

Sein Know-how, das er über die eigene App-Entwicklung gesammelt hat, bringt Kriehn neuerdings in die frisch gestartete Plattform Smartwork-United ein, die Handwerk und innovative Digitalisierungslösungen zusammenführt. Als Partner dabei sind außerdem Craftguide, Evolute, MemoMeister, Materialrest24, Check and Work sowie OpenHandwerk. Gemeinsames Ziel der sieben Handwerk-Start-ups ist es, Handwerksbetrieben und Bauunternehmen die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen. Ihrer Beobachtung nach fürchteten die Betriebe vor allem hohe Kosten, mangelnde Expertise im Umgang mit digitalen Lösungen oder sind von den vielen Möglichkeiten an Anbietern und Strategien schlicht überwältigt. „Aus dem Digiholz -Alltag kennen wir die immer noch vorhandene Zurückhaltung in den Betrieben, neue Anwendungen zur Arbeitserleichterung zu nutzen“, beschreibt Kriehn. Seine App kann mittlerweile auch von anderen Gewerken genutzt werden.

Mit Digiholz will der Handwerk-Start-up-Gründer zeigen: Eine App allein kann schon viel Arbeitserleichterung bringen – ganz nebenbei. „Genau wie den Hammer in der Werkzeugtasche hat der Handwerker sein Smartphone ja heute immer dabei.“ Für die Handwerkschefs von Priller Baumann trifft diese Annahme voll in Schwarze. Heute erledigen die beiden alle relevanten Verwaltungsabläufe per Computer oder Smartphone, so Baumann: „Die Zettelwirtschaft hat bei uns ein Ende.“