Kongress "Building Information Modeling 2019" BIM: „Die Existenz des BIM-Stufenplans ist ein klarer Erfolg“

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Am 25. Juni 2019 findet der 4. Münchner BIM-Kongress statt. Wir sprachen mit Prof. Rasso Steinmann, einem der Referenten des Kongresses. Er ist Leiter des Labors für Bauinformatik an der Münchener Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Steinmann-Rasso_BIM-Experte
Prof. Dr. Rasso Steinmann, Leiter des Labors für Bauinformatik an der Münchener Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Vorsitzender der buildingSMART e.V., Leiter des VDI Koordinierungskreises BIM und Mitglied des DIN-AA-BIM, setzt sich für die Etablierung von Standards beim Building Information Modeling ein. – © privat

Als Vorsitzender des buildingSMART e.V. und Leiter des VDI Koordinierungskreises BIM , sowie Mitglied des DIN-AA-BIM setzt er sich außerdem für die Etablierung von Standards beim Building Information Modeling ein. Prof. Steinmann sagt: Deutschland ist auf einem guten Weg, BIM erfolgreich einzusetzen.

Herr Prof. Steinmann, das deutsche Chapter von buildingSMART International (bS) wurde bereits im Jahr 1995 gegründet. Seitdem arbeitet der Verein daran, einheitliche Schnittstellen zwischen verschiedenen BIM-Werkzeugen zu schaffen. Wie schätzen Sie die bisherigen Erfolge ein?

Zu Beginn hat man bei bS hauptsächlich an technischen Standards gearbeitet. Hier kamen insbesondere wichtige Beiträge für IFC aus Deutschland, auch die Zertifizierung der IFC-Software-Schnittstellen wurde und wird aus Deutschland heraus betrieben. Es wurde aber auch relativ bald klar, dass es neben den technischen Standards auch methodische braucht, und dass man das Thema kommunizieren muss. Das deutsche Chapter hat zusammen mit DIN im Jahr 2008 maßgeblich dazu beigetragen, dass der BIM-Beitrat beim damaligen Bundesbauministerium eingerichtet wurde, über den das Thema an die Verbände und Kammern getragen wurde. Wesentliche Beiträge wurden auch in die AG BIM der Reform Kommission Großprojekte eingebracht, was zu Gründung der Planen Bauen 4.0 geführt hat. Seit der Gründung des VDI Koordinierungskreis BIM hat sich bS hier intensiv eingebracht und etliche Blätter der VDI-Richtlinienreihe 2552 wurden und werden in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen von bS erarbeitet. Heute ist bS das wichtigste Kompetenz-Netzwerk zum Thema BIM, mit aktiven Arbeits- und Regionalgruppen. Auf dem diesjährigen bS-Summit in Düsseldorf hatten wir über 1000 Besucher.

Die Hürden scheinen hoch zu sein, immerhin widmet sich buildingSMART seit über 20 Jahren dem Ziel der Standardisierung. Warum ist es so schwierig, Standards durchzusetzen?

Es geht nicht darum Standards mit Gewalt durchzusetzen, sondern für deren Akzeptanz zu sorgen. Bei BIM handelt es sich ja bei weitem nicht nur um technische Datenformate, sondern um einen neuen methodischen Ansatz. D.h. man muss als Unternehmen gewohnte Pfade verlassen, um zu erkennen, dass andere Wege effektiver sind. Da sich das bis ins Kerngeschäft auswirkt, ist es nachvollziehbar, dass Unternehmen diesen Wandel vorsichtig vollziehen.

Dänemark ist ein Vorreiter in der Nutzung von BIM, öffentliche Bauaufträge dürfen dort schon seit Jahren nur mit Hilfe der Technologie durchgeführt werden. In Deutschland ist dies für 2020 geplant. Ein Erfolg?

Der Stufenplan zur Digitalisierung des Bauwesens in Deutschland mit dem Ziel 2020 wurde vom BMVI im Dezember 2015 vorgestellt und war eine Folge der Initiativen, die bS-Deutschland in den Jahren zuvor geleistet hatte. Insofern, ja, allein schon die Existenz des Stufenplans ist ein klarer Erfolg. Neben den Initiativen, die diesen Stufenplan begleitet haben, wie die BIM-Pilotprojekte, aber auch die Entwicklung der VDI 2552-Richtlinien sowie das Engagement deutscher Experten bei DIN, CEN und ISO, hatte dieser Stufenplan eine wichtige Signalwirkung: denn ab jetzt war jedem klar, dass es ernst wird und höchste Zeit, sich mit diesem Thema intensiv auseinander zu setzen. Auch das ist schon heute als Erfolg zu verbuchen.

Sind die deutschen Unternehmen denn bereit, diese Vorgabe zu erfüllen? Und sind die Schnittstellen es?

Der Stufenplan gibt ja kaum etwas technisch Konkretes vor, sondern beschreibt einen Weg, wie das deutsche Bauwesen gemeinsam dieses Ziel erreichen kann. Ich denke es war und ist jedem klar, dass man 2020 nicht komplett „fertig“ ist und dann am 1.1.2020 ein großer Hebel umgelegt wird und die Welt mit einem Schlag anders ist. Viel wichtiger war und ist, dass man sich auf den Weg gemacht hat und schon jetzt in 2019 einen Stand erreicht hat, der praxistauglich ist. Gleichzeitig hat man gelernt und versteht Abhängigkeiten und Notwendigkeiten heute wesentlich besser als noch vor fünf Jahren. Damals wusste man, dass man so etwas braucht, aber erst heute ist man soweit, dass man es als Stand der Technik formulieren kann.

Heute gibt es eine erfreulich zunehmende Zahl von Unternehmen, die die letzten fünf Jahre genutzt haben, und die sind bereit. Es gibt aber auch noch viele Unternehmen, die zögerlich waren und sind, und für die könnte es ein Kraftakt werden. Wir haben Schnittstellen, die funktionieren, das zeigen die erfolgreichen Zertifizierungen, aber dieses Thema ist nie zu Ende. Digitalisierung ist ja ein ständig weiterführender Prozess. So wie uns allen klar ist, dass Digitalisierung auf anderen Gebieten noch lange nicht fertig ist, kann man nicht erwarten, dass für das Bauwesen 2020 alles fix und fertig ist. Wir haben einen funktionierenden Stand erreicht, auf dem man aufbauen kann, das ist doch das Wesentliche.

Öffentliche Bauprojekte sind das Eine. Warum sollte ein privater Bauherr auf den Einsatz von BIM bestehen?

Aus den gleichen Gründen, warum auch der öffentliche Bauherr das anstrebt, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, z.B.: relevante Information für Entscheidungen liegen in höherer Qualität transparenter rechtzeitig vor, Effizienzsteigerung durch Fehlerreduzierung, effizientere Koordination, reduzierte Risiken, gesicherte Budgets, gesicherte Termine, usw.

Gibt es BIM-Systeme, die heute schon die von Ihnen geforderten Standards zum Datenaustausch bieten? Welche sind das?

Weder ich persönlich noch bS fordern Standards, sondern wir erkennen, wo es einen Bedarf für Standards gibt, entwickeln diese im Konsens mit der Praxis und bieten sie an, und leisten Überzeugungsarbeit. Und ja, es gibt inzwischen viele Systeme die z.B. IFC und BCF unterstützten. Für IFC können sich die Systeme zertifizieren lassen. Die Liste findet man auf: www.buildingsmart.org/compliance/certified-software/

Herr Prof. Steinmann, vielen Dank für das Gespräch.
  • 4. Münchner BIM-Kongress – Das jährliche Forum für Planer, Bauherren und Bauunternehmer. 25. Juni 2019, Oskar-von-Miller Forum, München
      https://bimkongressmuc.de