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Mindestausbildungsvergütung 515 Euro im Monat: Bundeskabinett beschließt Azubi-Mindestlohn

Das Bundeskabinett hat sich auf eine Mindestausbildungsvergütung für Lehrlinge geeinigt: Ab 2020 sollen Azubis im ersten Lehrjahr 515 Euro monatlich erhalten, bis 2023 soll die Vergütung auf 620 Euro steigen. Wir erklären die möglichen Auswirkungen.

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Am 15. Mai 2019 hat das Bundeskabinett die Mindestausbildungsvergütung für Azubis beschlossen. Demnach erhalten Auszubildene ab 2020 im ersten Lehrjahr 515 Euro im Monat. Dieser Basiswert soll mit den Jahren weiter ansteigen: Ab 2021 sollen Lehrlinge 550 Euro im ersten Lehrjahr verdienen, ab 2022 bereits 585 Euro und ab 2023 sogar 620 Euro. Auch im zweiten, dritten und vierten Lehrjahr der Ausbildung soll die Vergütung erhöht werden: Um 18, 35 beziehungsweise 40 Prozent auf das jeweilige Basisjahr. Einschränkungen bezüglich der Vergütung soll es lediglich für tarifgebundene Unternehmen geben.

Ursprünglich hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) eine Vergütung von 504 Euro gefordert. Diesbezüglich betonte sie: „Für mich muss diese Mindestausbildungsvergütung eine von Maß und Mitte sein. Sie muss ausgewogen und in der Höhe klug gewählt sein. Denn sie soll bundes- und branchenweit gelten: Also nicht nur in Niedersachsen und Hessen, sondern auch in Sachsen und Brandenburg.”

Handwerk sagt, die Schmerzgrenze ist erreicht

Rückblick: Zu den damaligen Vorschlägen von Bundesbildungsministerin Karliczek erklärte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): „Mit dem Vorschlag, eine Mindestausbildungsvergütung in Anlehnung an das Schüler-Bafög in Höhe von 504 Euro gesetzlich festzulegen, wird die Schmerzgrenze von vielen ausbildenden Handwerksbetrieben gerade in strukturschwachen Regionen überschritten. Jede gesetzliche Regelung einer Mindestausbildungsvergütung muss den gerade im Handwerk besonders ausgeprägten Unterschieden zwischen den Branchen und Regionen gerecht werden." Ansonsten, so Schwannecke, drohe eine strukturelle Schwächung des umfassenden Ausbildungsengagements gerade der kleinen Betriebe des Handwerks, die für die Versorgung mit dringend gesuchten Fachkräften schwerwiegende Folgen hätte.

Die Festlegung von Ausbildungsvergütungen sei und müsse auch zukünftig eine Kernaufgabe der Tarifvertragsparteien in Deutschland bleiben. Diese könnten am besten einschätzen, welche Ausgestaltung von Ausbildungsvergütungen aufgrund der branchen- und regionalen Besonderheiten für die ausbildenden Unternehmen tragbar sei.

Auch die SPD lehnte Karliczeks Pläne ab: „Die Ministerin prescht nach Monaten der Untätigkeit mit nicht nachvollziehbaren und unabgestimmten Vorschlägen zur Höhe der Mindestausbildungsvergütung vor. Damit wird sie den berechtigten Ansprüchen der Auszubildenden, für ihre Leistung eine angemessene Vergütung zu erhalten, nur unzureichend gerecht“, sagte die Sprecherin für Berufsausbildung der SPD-Fraktion, Yasmin Fahimi, dem Handelsblatt.

Die Gewerkschaften fordern sogar noch mehr Geld für Azubis

Die Gewerkschaften haben sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, auch für Azubis ein "Mindestmaß an Absicherung" herauszuholen. In einem Vorstandsbeschluss des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) heißt es daher, dass Azubis in Zukunft 80 Prozent der durchschnittlichen Tarifvergütung aller Berufe bekommen sollten. In der Praxis wären das:

  1. Lehrjahr: 635 Euro
  2. Lehrjahr: 696 Euro
  3. Lehrjahr: 768 Euro
  4. Lehrjahr: 796 Euro

Höhere Vergütung soll Abbrecherquote senken

Das Hauptargument der Gewerkschaften, um eine Mindestausbildungsvergütung auch für Arbeitgeber schmackhaft zu machen, ist die Senkung der Abbrecherquote: Im Schnitt liegt diese bei 24 Prozent, bei schlecht bezahlten Berufen allerdings bei etwa 30 Prozent. "Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch", sagte Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, gegenüber Spiegel Online.

Im Handwerk ist das besonders bei den Friseuren zu spüren: Von gut 10.000 Jugendlichen, die jährlich ihre Ausbildung beginnen, halten nur gut 5.000 Azubis bis zur Prüfung durch. Die durchschnittliche Monatsvergütung von Friseur-Azubis liegt laut Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung im 1. Lehrjahr aktuell bei 406 Euro. Fleischer-Auszubildende (Ost) verdienen sogar nur 310 Euro, Schornsteinfeger-Azubis 450 Euro.

Für das handwerksnahe Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) in München sind ohnehin andere Aspekte wichtiger als die Vergütung: "Hauptpunkte sind immer das Betriebsklima, eine gute und breit aufgestellte Ausbildung sowie rechtzeitig unterbreitete Übernahme- und Karrieremöglichkeiten", sagte LFI-Bildungsexpertin Andrea Greilinger. Das LFI hat sich eingehend damit beschäftigt, wie Handwerksbetriebe Auszubildende finden und halten können.

Welche Betriebe betroffen wären

Fragen, welche Betriebe von einer Mindestausbildungsvergütung betroffen wären, also ihren Auszubildenden mehr zahlen müssten, und wie hoch die zu erwartende Kostensteigerung für Betriebe ausfallen könnte, hatte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit einer datengestützten Simulation untersucht. Diese Simulationen zeigten, dass etwa elf Prozent aller Ausbildungsbetriebe in Deutschland von einem angenommenen Betrag von 500 Euro Mindestausbildungsvergütung im 1. Ausbildungsjahr betroffen wären. Mehr als jeder dritte Ausbildungsbetrieb in Deutschland (35 Prozent) müsste seine Ausbildungsvergütung bei einem angenommenen Betrag von 650 Euro anpassen. Handwerksbetriebe, kleine Betriebe mit bis zu neun Beschäftigten und Betriebe in Ostdeutschland wären von einer Mindestausbildungsvergütung dadurch besonders herausgefordert.

Durch die Einführung der Mindestausbildungsvergütung werden sich folglich auch die Kosten erhöhen, die Betriebe für die Ausbildung insgesamt aufwenden müssen. Hiervon wäre nach den Berechnungen des BIBB ebenfalls das Handwerk überproportional betroffen. Die Nettokostensteigerungen können je nach Ausbildungsbereich, Betriebsgröße, Region und angenommener Vergütungshöhe zwischen 1 und 15 Prozent liegen. Wenn nur die von der Einführung einer Mindestausbildungsvergütung betroffenen Betriebe betrachtet werden, würden die Kostensteigerungen noch deutlicher ausfallen.

"Mit den vom BIBB durchgeführten Simulationen können keine abschließenden Aussagen über die tatsächlichen Auswirkungen der Einführung einer Mindestausbildungsvergütung getroffen werden“, erklärt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. „Sie können aber in der Diskussion über die Größenordnung einen wichtigen Beitrag leisten. Letztendlich gilt es, die Ausbildungsbereitschaft gerade der Kleinbetriebe nicht weiter zu gefährden.“

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mail@haemmelmann.de

Die Wirkung nach Außen

Welche Schlussfolgerungen ziehe ich, wenn ich die Forderungen sehe?
Das Handwerk braucht Hilfe, bzw. die dort Beschäftigten.
Ich bin im Meisterprüfungsausschuss und Handwerksunternehmer. Aus den Erfahrungen die ich machn durfte ist für mich folgendes Klar:
Unter vielen Betrieben herrscht ein Hauen und Stechen. (Der Billigste/Wirtschaftlichste zählt. Das alleine ist schon Schwachsinn)
Es wird komplexer.
Die Qualität in der Ausbildung sinkt.
Der Aufwand für eine Ausbildung steigt.
Die Anerkennung einer handwerklichen Leistung sinkt allgemein. (Wer braucht noch einen Schreiner? -Für einen neuen Schrank?)
Nach meiner jetzigen Einschätzung haben wir bald viele Bachelor auf dem Bau und wenige Hadwerks-Gesellen.
Darüber mache ich mir Gedanken, besonders über den: Meister! Meister seines Faches. Habe gestern erst mal geschaut was um 1800 ein Schreinermeister als Stück zu fertigen hatte.......Ich verbinde das mit Europa, hier sind wir wohl alleine, das jahrhunderte alte Wissen Können und Erfahrung im Handwerk zu erhalten....

H.undD.ME@t-online.de

Azubi-Mindestlohn

Es ist zum Verzweifeln. Natürlich ist es immer gut wenn Bezüge erhöht werden und
damit die berufliche Arbeit gewürdigt wird.
Aber hier geht es um Auszubildende die auf Kosten des Arbeitgebers eine Qualifizierung
für einen bestimmten Beruf erhalten. Im Mittelmußten noch die Azubi für eine
Lehre bezahlen. Natürlich haben wir uns weiterentwickelt. Gut so.
Aber die Ausbildung so zu verteuern ist geradezu fatal.
Kein Azubi bricht die Lehre wegen der Bezüge ab. Ich bin Koordinator der ehren-
amtlichen Initiative VerA (Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen) in der Region
Stuttgart, wir haben seit Mitte 2010 bis jetzt ca. 750 Anforderung für eine Begleitung
in der Ausbildung erhalten und ca. 200 Senioren/innen kümmern sich darum.
Die Probleme die zum Abbruch führen sind nicht die Bezüge, so einfach ist es nicht.
Dass wir trotzdem eine Erfolgsquote von über 80 % haben, liegt an der Kommunikation mit den jungen Menschen und um persönliche Unterstützung und Rat.
Nicht am Geld. Die Erhöhung der Ausbildungsvergütung führt nur zu weniger
Lehrstellen, gerade im Handwerk.
Das ganz kurz zu diesem Thema. Wie weit ist die Politik vom realen Leben entfernt?
Viele Grüße
H.D.Mechler
Rohrer Höhe 37
70565 Stuttgart