In der schnelllebigen Welt des Bauwesens kann es leicht passieren, dass man den Überblick verliert, besonders wenn es um Ansprüche und Vergütungen geht. Viele Handwerksbetriebe verlieren unwissentlich Geld, weil sie nicht alle ihre rechtmäßigen Ansprüche kennen. Das muss nicht sein, appelliert Kolumnist Andreas Scheibe und erklärt, wie der Mindermengenausgleich im Baugewerbe gelingt.

Sind Sie auf dem Laufenden? Sind Sie sich vollkommen sicher, dass Sie alle Anforderungen an die Vergütungen für Ihr Projekt kennen? Oft hören wir, dass viele in der Branche nicht wissen, was ihnen zusteht. Zum Beispiel ist es entscheidend, genau zu verstehen, wie sich Massenveränderungen in Projekten auf deine Vergütung auswirken. Massenunter- und -überschreitungen sind nicht nur Zahlen – sie sind Ihr direktes Ticket zu mehr Vergütung.
Mindermengenausgleich und Co. – drei Fallgruppen bei Mengenabweichungen
Bei Mengenabweichungen kommt es darauf an, wie stark die tatsächlich ausgeführte Menge vom ausgeschriebenen Mengenansatz abweicht. Nach der VOB/B gelten dabei unterschiedliche Regeln:
- Mindermenge von mehr als 10 Prozent: Wird weniger als 90 Prozent der ursprünglich ausgeschriebenen Menge ausgeführt, kann ein sogenannter Mindermengenausgleich greifen. Hintergrund: Bestimmte Kosten, etwa Baustellengemeinkosten und Allgemeine Geschäftskosten, verteilen sich nun auf eine geringere Menge, die Kalkulationsgrundlage hat sich damit geändert.
- Mehrmenge von mehr als 10 Prozent: Wird mehr als 110 Prozent der ausgeschriebenen Menge ausgeführt, kann für den über 110 Prozent hinausgehenden Anteil ein neuer Preis verlangt werden.
- Erhebliche Leistungskürzung oder Wegfall: Werden Leistungen geändert oder vollständig gestrichen, gelten wiederum andere Regeln. Hier kommt es darauf an, ob eine reine Mengenabweichung oder eine Leistungsänderung beziehungsweise ein Wegfall vorliegt.
Die Feinheiten des Vergütungsanspruchs
Ob ein Mindermengenausgleich, eine Mehrvergütung oder eine Leistungsänderung vorliegt - Sie müssen in der Lage sein, zwischen verschiedenen Szenarien zu unterscheiden. Rechtfertigt der große Umfang eines Projekts oder seine Komplexität den Rückgriff auf Experten? Auf jeden Fall! Es ist entscheidend, sich mit erfahrenen Fachleuten zusammenzutun, die Ihnen helfen können, Ihre Ansprüche zu verstehen und durchzusetzen.
Lassen Sie sich nicht einschüchtern
Versuchen Sie nicht, in einem so wichtigen Bereich wie der Vergütungspolitik allein zu navigieren. Es kann den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg bedeuten – und letztlich, wie viel Geld am Ende in Ihrer Tasche bleibt.
Ihr rechtmäßiger Anspruch
Und vergessen Sie bitte auch nicht, dass Sie im öffentlichen Bereich oft einen 100 Prozent unstrittigen Anspruch auf zusätzliche Vergütungen haben, selbst wenn Sie denken, dass Verhandlungen unumgänglich seien. Diese Vergütungen sind fest im Vergabe- und Vertragsrecht verankert.
Schlussrechnung als Schlüssel
Was, wenn ich Ihnen sage, dass Sie nicht alle möglichen Dokumentationen bei Ihren Projekten behalten müssen? Ihre Schlussrechnung ist der Schlüssel, selbst wenn die Dinge aus dem Ruder laufen. Stellen Sie einfach sicher, dass Sie darauf vorbereitet sind, Ihre Positionen klar zu präsentieren und zu verteidigen – und Sie werden überrascht sein, wie viel Sie für sich beanspruchen können.
Über den Autor Andreas Scheibe:

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!
Mit der Continu-ING GmbH (continu-ing.com) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den
Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.
Neues Buch: „VOB ist Chefsache – Schluss mit öffentlichen Chaosbaustellen“
Mit seinem neuen Buch „VOB ist Chefsache – Schluss mit öffentlichen Chaosbaustellen“ richtet sich Andreas Scheibe gezielt an Inhaber und Geschäftsführer von Handwerksbetrieben, die öffentliche VOB-Projekte wirtschaftlich sicherer und strukturierter steuern wollen. Auf 521 Seiten zeigt er anhand ausführlicher Anleitungen, Rechenbeispiele und fünf Fallstudien, welche Rechte, Pflichten und unternehmerischen Aufgaben bei gestörten Bauabläufen entscheidend sind. Im Mittelpunkt stehen sieben zentrale Geschäftsführeraufgaben – von Mindermengen, Bauzeitstörungen und Stundenlohnarbeiten über Nachtragskalkulation und LV-Analyse bis hin zu unwirksamen Vertragsklauseln, Controlling und professioneller Kommunikation.
Das Ziel: VOB-Wissen zur Chefsache machen. Handwerksunternehmer sollen berechtigte Vergütungsansprüche frühzeitig erkennen, nachvollziehbar begründen und ihre Projekte auch bei unklarer Planung, Verzögerungen und zusätzlichen Leistungen wirtschaftlich souverän führen können. Das Buch verbindet dafür baubetriebliches Hintergrundwissen mit konkreten Vorgehensweisen für die tägliche Praxis im VOB-Projektgeschäft.
Kostenloses Strategiegespräch: Mehr Klarheit und Struktur für Handwerksbetriebe im VOB-Projektgeschäft
Mit einem kostenlosen und unverbindlichen Strategiegespräch bietet die Continu-ING GmbH Chefs von Handwerksbetrieben die Möglichkeit, ihre aktuellen Abläufe und Herausforderungen im VOB-Projektgeschäft zu analysieren. Gemeinsam werden Verbesserungspotenziale herausgearbeitet und ein konkreter 6-Schritte-Plan entwickelt, der zeigt, welche Strukturen, Vorlagen, Argumentationen und Strategien im eigenen Betrieb noch fehlen und wie diese Schritt für Schritt eingeführt werden können.
Im Mittelpunkt stehen typische Herausforderungen gestörter Bauabläufe: fehlende oder unvollständige Ausführungsunterlagen, Bauzeitverschiebungen und Bauzeitverlängerungen sowie die strukturierte Dokumentation und Darlegung berechtigter Vergütungsansprüche. Das Ziel ist, Handwerksunternehmen dabei zu unterstützen, ihre Projekte klarer zu steuern, professionell gegenüber Auftraggebern und Planern aufzutreten und ihre Projektleiter mit praxistauglichen Systemen für das tägliche VOB-Projektgeschäft auszustatten.
