Fahrbericht KGM Musso EV: Gut ausgestatteter Halbstarker mit Langzeitgarantie

Vollelektrisch angetrieben, gebaut auf einer SUV-Plattform: Wie macht sich der KGM Musso EV im Handwerker-Fuhrpark? Das klärt unser erstes Treffen.

Optisch ein Goldstück: der vollelektrisch angetriebene KGM Musso EV.
Optisch ein Goldstück: der vollelektrisch angetriebene KGM Musso EV. - © Randolf Unruh

Sanft schimmert der goldglänzende Lack, herausgeputzt sind schmückende Details: Der KGM Musso EV zeigt’s – so schick kann ein Pick-up aus­sehen: Da wäre vorn ein nahezu geschlossener Grill anstelle des typischen Schlunds asiatischer Pick-ups. Drüber gibt’s ein Tagfahrlicht in Baggerzahn-­Optik, seitlich kräftige Nüstern mit inte­grierten LED-Scheinwerfern, schließlich einen Unterfahrschutz und zwei schmückende rote Abdeckungen. Hinter ihnen verbergen sich Abschleppösen.

Seitlich verleiht die schräge Dachlinie der Karosserie ordentlich Schwung. Unten sind Radläufe und die empfindlichen Schweller schützend beplankt. Darüber hinaus beweisen die KGM-Designer Liebe zum Detail. Mit angedeuteten Griffen sowohl vorn auf den Radläufen als auch weiter hinten für den eleganten Übergang vom Fahrerhaus zur Pritsche. Davor schimmert silbrig die Silhouette eines Nashornschädels. Musso heißt schließlich Nashorn auf Koreanisch, womit die ­Herkunft dieses Pick-ups geklärt wäre. Aber noch nicht das Fabrikat. KGM ist die noch junge Nachfolgemarke von Ssang­Yong, ein Unternehmen mit wechselhafter Geschichte und ebenso wechselhaftem Besitz. Einst bekannt für eher grob und ungeschlacht gestaltete Fahrzeuge.

Der KGM Musso EV ist eigentlich ein KGM Torres EVX mit Pritsche

Ganz anders der Musso EV. Aber kann der Schöne auch anpacken? Basis des Pick-ups ist der KGM Torres EVX, ein SUV mit elektrischem Frontantrieb. Für den Schritt zum Pick-up rasiert KGM das Heck ab und ersetzt es durch eine Pritsche. Radstand und Länge wachsen mit diesem Schritt jeweils um rund einen halben Meter. Damit streckt sich der Koreaner auf 5,16 Meter, bleibt indes zwei Hand­spannen unterhalb klassischer Midsize-Wettbewerber.

Geringe Nutzlast, wenig Anhängelast, Europalette passt nur längs ins Heck

Die Ladebordwand klappt dank Dämpfern links und rechts leichtgängig auf und ab, seitliche Trittstufen helfen beim Entern der Ladefläche. Sie ist rundum mit Kunststoff verkleidet und misst in Länge und Breite 1,52 auf 1,35 Meter. KGM spricht zwar von Palettenmaß, doch Vorsicht, die Europalette passt nur längs ins Heck. Fracht lässt sich mit insgesamt acht Zurrösen sichern. Die Nutzlast beläuft sich je nach Variante auf rund eine dreiviertel Tonne. Auf der Pritsche gestattet KGM davon nur eine halbe Tonne. Nicht genug? Der Stromer darf 1,8 Tonnen ziehen, mit Allradantrieb hat der ­Autobauer das Spektrum jüngst auf 2,3 Tonnen erweitert. Somit entpuppt sich der Musso EV wie andere E-Pick-ups eher als Halbstarker in seinem Segment.

Das trifft auch auf den Antrieb zu. Serienmäßig fährt der KGM als Fronttriebler mit einer Leistung von 152 kW/207 PS und 339 Nm Drehmoment vor. Gegen einen Aufpreis von netto 3.361 Euro fügt der Hersteller eine zweite E-Maschine mit identischer Potenz an der Hinterachse hinzu. Daraus resultiert eine Systemleistung von 175 kW/238 PS. Mit vier Fahr­modi stellt sich der Pick-up auf unterschied­liche Anforderungen ein. Im Bauch hält eine ­Lithium-Eisenphosphat-Batterie 80,6 kWh Energie bereit. Geladen wird vorne links über dem Radlauf mit maximal 120 kW, ein eher mäßiges Tempo.

Geräumiges und gut ausgestattetes Cockpit

Zu den Überraschungen des KGM Musso EV zählt sein geräumiges und gut ausgestattetes Cockpit – SUV-Schick statt Pick-up-Arbeitsmaschine. Der Platz in der ersten Reihe ist üppig, die Sitze sind bequem und duften in gehobener Ausstattung dezent nach Leder. Dahinter bleibt genug Raum für Passagiere. Im Stil der aktuellen Mode ist das Lenkrad mehreckig geformt. Seine diversen Tasten sind für die Grundfunktionen der Fortbewegung verzichtbar. Vor dem Fahrer dehnt sich ein guter halber Meter Glas mit zwei Displays. Die Armaturen sind eher verspielt als gut ablesbar. Und wer die Klimatisierung einstellen will, muss erst per Tastendruck das entsprechende Menü öffnen, denn prak­tische Drehregler sind Fehlanzeige.

Der KGM Musso EV überzeugt mit ordentlichem Antritt und Langzeitgarantie

Auch unterwegs profitiert der KGM Musso EV von seinen SUV-Genen. Da wäre ein Antritt mit ordentlich Wumms der zweimotorigen Variante, eine gut abgestimmte Lenkung sowie ein vergleichsweise komfortables Fahrwerk dank der Mehrlenker-Hinterachse mit Schraubenfedern. Eine Niveauregulierung hält das Heck in der Waagerechten. Sonderlich gelenkig ist der Pick-up allerdings nicht, da müssen Rückfahrkamera plus Einparkhilfen vorne wie hinten unterstützen. Was der Fahrer übersieht, entdeckt der serien­mäßige Totwinkel-Assistent. Ohnehin fährt bereits serienmäßig ein ganzes ­Rudel Helfer mit.

Netto geht’s beim KGM Musso EV bereits mit 35.286 Euro für die Variante „Core“ los – nahezu voll ausgestattet von Leichtmetallrädern über das Navi bis zur Zweizonen-Klimaanlage. Auf der Liste der Extras stehen lediglich vier Positionen: Allradantrieb, Metallic-Lackierung, Wärmepumpe und elektrisch verstellbare Sitze mit Belüftung vorn sowie Sitzheizung reihum. Beachtung verdient die Garantie: sieben Jahre oder 150.000 Kilometer Vollgarantie, gar zehn Jahre oder eine Million Kilometer auf die Antriebsbatterie. Sieh an, der KGM Musso EV ist sogar mehr als ein Goldstück.

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