In der EU sind die allermeisten Märkte liberalisiert. Schon seit über 30 Jahren ist der europäische Binnenmarkt mit seinen vier Grundfreiheiten für den Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr Realität. Nur der Finanzmarkt ist immer noch durch nationalstaatliche Grenzen und Regeln weitgehend abgeschottet. Nun soll die Öffnung hin zu einem einheitlichen EU-Finanzbinnenmarkt vorangetrieben werden. Den vielen Vorteilen stehen jedoch Risiken und Nachteile gegenüber. Zwei Experten legen ihre unterschiedlichen Sichtweisen dar.

Derzeit besteht der EU-Finanzmarkt noch überwiegend aus 27 Teilmärkten mit sehr unterschiedlichen Regeln. Für Banken und Finanzdienstleister, die Geldgeschäfte weltweit abwickeln, führt dies zu hohen Kosten, die einen Wettbewerbsnachteil darstellen. Doch natürlich gibt es gute Gründe dafür, dass es noch nicht zu einer Vereinheitlichung gekommen ist. Zwar hat die dänische Wirtschaftsberatungsgesellschaft Copenhagen Economics im Jahr 2020 berechnet, dass eine stärkere Integration des EU-Finanzbinnenmarktes Kostenvorteile von langfristig rund 95 Milliarden Euro pro Jahr im europäischen Bankensektor zur Folge haben könnte. Doch Wirtschaftswissenschaftler halten dagegen: Ein EU-Finanzbinnenmarkt sei ein erhebliches Risiko für die Finanzmarktstabilität.
Hier stellen Dr. Hendrik Hartenstein vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) und Dr. Hubert Gabrisch vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) ihre gegensätzlichen Überzeugungen dar.
"Wir müssen mehr Wettbewerb wagen, um effizienter zu werden."
„Viele Märkte in der EU sind liberalisiert – es wird Zeit, dass der Finanzbinnenmarkt nachzieht“, findet Dr. Hendrik Hartenstein vom Bundesverband deutscher Banken (BdB).
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