Außenstände: Kreishandwerkerschaft treibt für Betriebe Geld ein

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Statt selbst gegen säumige Kunden vorzugehen oder Inkassofirmen zu beauftragen, können Betriebe auch die Kreishandwerkerschaft einschalten. Wie sie davon profitieren.

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    „Unsere Mahnungen bewegen Kunden oft, die Rechnungen zu bezahlen.“ Ingo Friedrich, Justiziar der Kreishandwerkerschaft Hagen.

Verband treibt Geld ein

Trübe Konjunkturaussichten, schlechtere Zahlungsmoral – Handwerksbetriebe müssen sich bald noch häufiger über Außenstände ärgern. Inkassodienstleister bieten Hilfe an, sind aber einigen Firmen zu teuer. In dieser Situation können sich die Innungsbetriebe selbst helfen – über ihre Kreishandwerkerschaft.

Zum Beispiel über die in Reutlingen. „Für uns gehört das Inkasso schon seit Mitte der 1990er-Jahre zum Service für unsere Mitglieder“, sagt Geschäftsführer Ewald Heinzelmann. Rund 1500 Betriebe in 32 Innungen, die der Kreishandwerkerschaft Reutlingen angehören, können das Angebot nutzen. Pro Jahr kommen etwa 450 neue Aufträge herein. Die kleinste Forderung liegt zurzeit bei 50, die größte bei über 40000 Euro. „Wir bieten das komplette Verfahren an“, so Heinzelmann. Mahnschreiben, gerichtliches Mahnverfahren und auf Wunsch auch die Vertretung vor dem Amtsgericht gehören dazu.

Geringe Inkassokosten

Die Kosten dafür sind gering: Unabhängig von der Höhe der Forderung kann jedes Mitglied fünf Inkassofälle jährlich kostenlos in Auftrag geben. Bei Firmen ab 500000 Euro Lohnsumme verdoppelt sich die Zahl der Freiaufträge auf zehn. Jeden weiteren rechnet die Kreishandwerkerschaft mit 50 Euro ab. Hinzu kommen…

… Auslagen und Gebühren fürs gerichtliche Mahnverfahren und fürs Gericht. „Doch diese und unsere Kosten muss der Schuldner bezahlen“, ergänzt Heinzelmann.

Auch die Kreishandwerkerschaft Hagen unterstützt ihre 950 Mitgliedsbetriebe in 16 Innungen beim Eintreiben ihrer Außenstände inklusive gerichtlichem Mahnverfahren und Zwangsvollstreckung. „Meistens haben die Firmen bereits erfolglos mehrere Mahnschreiben verschickt, bevor sie uns einschalten“, berichtet Justiziar Ingo Friedrich. Das Mahnschreiben mit dem Absender „Kreishandwerkerschaft Hagen“ bewegt oft die Kunden, den säumigen Betrag zu überweisen.

Mit befördert haben diesen Service Kreishandwerkerschaften wie die in Kleve. Geschäftsführer Achim Zirwes hat sich bis zum Bundesgerichtshof gegen zwei Anwälte verteidigt. „Dieser hat unseren Inkassoservice bestätigt, den wir seit 30 Jahren mit 95 Prozent Erfolgsquote bei unstreitigen Forderungen anbieten.“ Inzwischen hat das Rechtsdienstleistungsgesetz Klarheit geschaffen. „Verbände, die den Inkassoservice anbieten wollen, lassen sich in ein Verzeichnis beim zuständigen Gericht eintragen und dürfen die Betriebe unterstützen“, so Andreas Fabri, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften in Deutschland. Viele Betriebe in den rund 5000 Innungen profitieren davon.