Finanzen -

Interview zu Fördermitteln Unternehmensnachfolge muss sexy werden

Die Zahlen sind alarmierend: Viele Unternehmer finden keinen Nachfolger. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch an der Finanzierung liegt es nicht. Ein Interview mit Birgit Felden, Expertin für Unternehmensnachfolge und Familienunternehmen.

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Birgit Felden beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit Unternehmerfamilien und deren Familienunternehmen. Sie selbst war jahrelang Unternehmerin, Vorstand und aktiv in Aufsichtsräten - diese Erfahrungen bringt Sie mittlerweile in ihre Forschungsprojekte, Vorträge, Beratungen und Bücher mit ein. Wir haben uns mit Frau Felden über die Problematik der Unternehmensnachfolge unterhalten und gefragt, was Ihre Meinung dazu ist.

handwerk magazin: Sie sind der Auffassung, dass Geld für Übernahmen genügend vorhanden ist. Warum finden sich dennoch so wenig Nachfolger?

Birgit Felden: Zum einen haben wir natürlich ein demografisches Problem. Aus meiner Sicht ist das Thema aber auch insgesamt gar nicht so bekannt. Das heißt, viele potentielle Gründer kommen gar nicht auf die Idee, dass sie auch ein Unternehmen übernehmen könnten.

hm: Woran liegt das?

Birgit Felden : Ein Startup zu gründen, ist sexy. Aber bei dem Thema Nachfolge denken viele an verstaubte Betriebe und alte Zöpfe. Aus meiner Sicht braucht es umfassende Anstrengungen aller Marktbeteiligten, Übernahmen attraktiver zu machen.

hm: Aber nicht mit mehr Förderung?

Birgit Felden: Förderung ist wichtig, aber das Angebot ist bereits gut. Woran es noch fehlt, ist die Information darüber, wo und wie es die Gelder gibt und über den Nachfolgeprozess insgesamt.

Wir haben aus diesem Grund gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium die Plattform www.nachfolge-in-deutschland.de mit vielen Tools wie z.B. dem Nachfolge-Wiki (www.nachfolgewiki.de) ins Leben gerufen, die jetzt fünf Jahre online ist und großen Zulauf hat. Im Moment sind wir gerade dabei einen Nachfolgerechner zu entwickeln, er wird voraussichtlich im Herbst online sein. Ziel muss sein, die Informationen spannender und leichter zugänglich zu machen.

hm: Mehr Information ergibt mehr Übernehmer?

Birgit Felden: Ich denke, ja. Gleichzeitig müssen aber auch weitere Zielgruppen erschlossen werden. Zum einen Frauen, hier sehen viele Experten großes Potenzial. Wichtig wäre aber auch Schüler frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren oder nicht deutsch Sprechende.

hm: Sie denken da an Flüchtlinge?

Birgit Felden Auch. Aber in erster Linie geht es um potentielle Unternehmer aus dem Ausland, z.B. Polen. Hier gibt es schon gute Initiativen, beispielsweise eine Börse im Saarland, die interessierte Gründer aus Frankreich und deutsche Unternehmen zusammenbringen will. Eine umfassende Übersicht über Börsen findet sich ebenfalls auf nachfolgewiki.de.

Danke für das Interview!

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