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Viele Azubis und trotzdem unbesetzte Stellen So startet das Handwerk in das neue Ausbildungsjahr 2018/2019

Das Ausbildungsjahr 2018/2019 könnte nicht besser beginnen: Die Ausbildungszahlen steigen kontinuierlich an. Das Handwerk könnte auf Grund der wirtschaftlichen Lage sogar noch mehr Ausbildundsplätze schaffen, allerdings bleiben trotzdem zahlreiche Stellen unbesetzt.

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Das Handwerk gibt Gas im Wettlauf um die Fach- und Führungskräfte der Zukunft. Zahlreiche Handwerkskammern melden erfreuliche Zahlen bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk. So konnte beispielsweise die Region Stuttgart im Vergleich zum letzten Ausbildungsjahr ein stolzes Plus von 6,1 Prozent verzeichnen. „Unter dem Druck des Fachkräftemangels setzen Handwerksbetriebe noch mehr als bisher auf eigene Ausbildung“, bilanziert Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, den erfreulichen Trend.

Handwerk für eine solide berufliche Zukunft

In diesem Ausbildungsjahr waren wieder erneut die Ausbildungen zum Kraftfahrzeugmechatroniker, zum Elektroniker, zum Friseur und zum Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gefragt. Allerdings sind in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern für das aktuelle Jahr noch zahlreiche freie Plätze gelistet. In Ulm sind beispielsweise aktuell noch 1098 weitere Ausbildungsplätze in nahezu allen Gewerken und Regionen unbesetzt. So sieht es auch bei vielen anderen Handwerkskammern in Deutschland aus. Der Bedarf ist in allen Gewerken hoch, besonders aber im Baugewerbe und in den Lebensmittelhandwerken. Jetzt gilt es, die noch nicht besetzten Lehrstellen im Handwerk nicht zu Leerstellen werden zu lassen.

Große Chancen im Handwerk für Jugendliche

Den jungen Menschen werden immer mehr die Möglichkeiten eines Handwerksberufs klar, egal auf welcher Schule sie sind. Die Chancen für die Jugendlichen in den Handwerksbetrieben waren noch nie so gut. Trotz sinkender Schülerzahlen und gleichbleibendem Drang zu den Hochschulen findet das Handwerk immer mehr Auszubildende. Das Handwerk ist in der Berufsorientierung ganz nah an die Schülerinnen und Schüler herangerückt, beispielsweise durch Bildungspartnerschaften, Kooperative Berufsorientierung oder durch die Ausbildungsbotschafter. Fachkräfte werden gebraucht. Denn Azubis von heute sind die Gesellen und Fachkräfte von morgen.

Seit einigen Jahren sind die die Auftragsbücher der regionalen Betriebe ungebrochen voll. Die zwei am stärksten wachsenden Gruppen im Handwerk sind Abiturienten und Flüchtlinge. Knapp 15 Prozent der neu abgeschlossenen Verträge in der Region Ulm sind Abiturienten, die dieses Jahr die Karrieremöglichkeiten im Handwerk für sich entdeckt haben. Noch nie hatten junge, ausbildungsinteressierte Leute so gute Chancen mit einer Ausbildung im Handwerk den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere zu legen. Aufgrund der hervorragenden Konjunktur ist der Bedarf an Auszubildenden und Fachkräften ungebrochen hoch.

Nachwuchs im Handwerk finden und gut ausbilden

Der Suche nach talentierten Nachwuchskräften widmen sich die Ausbildungsbetriebe immer professioneller. Unternehmen mit gutem Ruf und einem regionalen Netzwerk, wie beispielsweise zu Schulen oder Vereinen, kommen bei Jugendlichen gut an. Die Qualität in der Ausbildung spricht sich unter Jugendlichen und den Eltern schnell herum – und wer gut ausbildet, wer sich um seine Nachwuchskräfte bemüht, hat zumindest die Aussicht, Azubis zu bekommen und diese später auch im Betrieb zu halten. Auch das Klappern gehört hier zum Handwerk – das heißt, Firmen müssen in der Öffentlichkeit und bei den Jugendlichen als Topbetriebe wahrgenommen werden.

An erster Stelle steht das gegenseitige Kennenlernen im mehrtätigen Praktikum. Hinzu kommt die Darstellung des Ausbildungsangebots im Internet und den sozialen Medien. Ein professionelles Auftreten der Unternehmen bei Berufsinfomessen oder Eigenveranstaltungen wie einem Tag der offenen Tür unterstreichen die Ausbildungskompetenz. Ergänzend werden Lehrstellen- und Praktikumsbörsen genutzt. Hinzu kommt, dass junge Menschen spüren wollen, dass ihr Einsatz für den Betrieb wichtig ist und wertschätzend mit ihnen umgegangen wird. Fördernd für den Nachwuchs ist es auch, wenn Unternehmen guten Azubis rechtzeitig die Übernahme in ein Arbeitsverhältnis signalisieren.

Zahlreiche Azubis im Handwerk sind Geflüchtete

Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, macht angesichts der aktuellen Diskussion um den Fachkräftebedarf und um ein Einwanderungsgesetz deutlich: „Das Azubi-Plus dieses Jahr verdanken wir auch der Integration von Flüchtlingen in die duale Ausbildung. Es ist stark, dass die Handwerksbetriebe ihren Beitrag für die Zukunft leisten und Zeit und Geld in eine Ausbildung investieren.“ Es haben sich 211 geflüchtete Menschen im Kammergebiet neu für eine handwerkliche Ausbildung entschieden; das sind 7,7 Prozent der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Eine Prozentzahl die stolz macht und beweist, dass Integration funktionieren kann.

Dies gelte in ganz besonderem Maße für die Ausbildung von Geflüchteten. Zahlreiche junge Menschen, insbesondere aus Afghanistan, Syrien und Gambia, haben inzwischen auch eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf in der Region Stuttgart begonnen. „Damit haben die Handwerksbetriebe ihre Anstrengungen zur Integration von Geflüchteten in Vergleich zum Vorjahr nahezu vervierfacht“, zeigt sich Hoefling (Handwerkskammer Region Stuttgart) erfreut.

Bewerbungen im Handwerk sind noch immer möglich

Jugendliche, die bisher keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten sich weiter bewerben: Der Abschluss eines Lehrvertrags ist auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart noch möglich. Im Handwerk sind noch Tausende Lehrstellen frei. Eine Tendenz die sich durch ganz Deutschland zieht. Erfahrungsgemäß werden in den Betrieben auch in den nächsten Wochen noch viele Ausbildungsplätze besetzt. Die Lehrstellenbörsen auf den Internetseiten der Handwerkskammern bieten einen Überblick über freie Ausbildungsplätze in der Region. Neben den Kammern helfen Innungen, Verbände und die Agenturen für Arbeit bei der Suche nach dem passenden Beruf.

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