Altersvorsorge: So reicht Ihre Rente

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Altersvorsorge und Vermögensaufbau

Viele Unternehmer investieren in den Betrieb und nicht in die eigene Rentenkasse. Ein Fehler, der sich rächen kann. Was Sie bei Ihrer Vorsorge beachten sollten und wie Sie ein Polster fürs Alter ansparen.

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    © Bert Bostelmann
    Jens BelandDer Malermeister und GmbH-Geschäftsführer hat seine Altersvorsorge clever gestreut: Er setzt auf eine Betriebsrente, eine Pensionszusage, private Rentenpolicen und Immobilien.
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    © Chart: handwerk magazin
    Selbständige setzen für die Altersvor-sorge auf die staatliche Rente und die eigenen vier Wände. Private Zusatzprodukte wie Versicherungen oder Wertpapiere spielen nur eine Nebenrolle.
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    © Hintze
    „Eine Rürup-Police zwingt einen dazu, etwas für die eigene Rente zu tun.“Constanze Hintze, Finanzberaterin in München.
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    © Matthias Wuttig
    Annette SchwarzDie selbständige Farbrestauratorin schafft sich mit ihrer Basisrente eine Grundsicherung fürs Alter.
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    © Henning Angerer
    Kerstin WitteDie Unternehmerin setzt bei ihrer Finanzplanung fürs Alter auf verschiedene Standbeine und fühlt sich heute gut abgesichert.
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    Keine andere Vorsorgeform ist bei den Deutschen so angesehen wie der Besitz eines Hauses oder einer eigenen Wohnung.
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    © Axel Griesch
    Autorin: Cornelia Hefer
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    Annette SchwarzDie selbständige Farbrestauratorin schafft sich mit ihrer Basisrente eine Grundsicherung fürs Alter.
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    Kerstin WitteDie Unternehmerin setzt bei ihrer Finanzplanung fürs Alter auf verschiedene Standbeine und fühlt sich heute gut abgesichert.

So reicht Ihre Rente

Das Budget fürs Alter schrumpft. Die Deutschen müssen sich auf weniger Rente einstellen: Laut Bundesregierung sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente bis 2025 um zehn Prozent. Die Altersarmut wird zunehmen. Besonders betroffen sind Selbständige. „In Deutschland sind lediglich Arbeitnehmer ins Rentensystem einbezogen. Viele kleinere Selbständige sorgen nur unzureichend oder gar nicht für ihr Alter vor“, kritisierte im September Monika Queisser, Rentenexpertin der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Gerade Selbständige und Unternehmer im Handwerk tragen die volle Verantwortung für die finanzielle Gestaltung des Rentenalters, weil sie nicht mehr über die gesetzlichen Sicherungssysteme abgesichert und im letzten Lebensabschnitt dann auf ihre Ersparnisse angewiesen sind.

Der Betrieb finanziert keine Rente

„Handwerker stecken ihr Geld in den Betrieb und meinen, das sei die beste Rentenversicherung. Ein Irrtum“, sagt Jürgen Amler, Berater Sozialversicherung bei der Handwerkskammer Oberfranken. Viele Unternehmer bekämen das investierte Geld über den Betriebsverkauf nicht wieder oder fänden erst gar keinen Käufer, gibt er zu bedenken. Er rät dazu, sich auf jeden Fall ein betriebs-unabhängiges Polster fürs Alter anzusparen.

Eigenverantwortung, Planung und diszipliniertes Sparen ist für Unternehmer heutzutage eine Notwendigkeit. Der Sozialrat der Bundesregierung schätzt, dass im vergangenen Jahr „bis zu drei Millionen Selbständige ohne obligatorische Altersicherung“ waren. Daher sollten Unternehmer schon früh Geld fürs Alter zurücklegen, auch wenn es anfangs nur kleinere Beträge sind, die in die private Rentenkasse fließen. Selbständige Handwerker können sich für die Planung der Altersvorsorge an einem Drei-Säulen-Modell orientieren (siehe Kasten rechts unten): bestehend aus einer sogenannten Basisrente für die Grundsicherung, einer kapitalgedeckten Zusatzversorgung wie einer Betriebsrente sowie privaten Zusatzprodukten als krönender Abschluss.

Der Fahrplan für die eigene Altersvorsorge richtet sich nach der persönlichen Lebenssituation des Unternehmers wie Alter, Kindern und Einnahmen. Ein junger Gründer, der noch Kredite abbezahlt und eine Familie versorgen muss, kann weniger fürs Alter zurücklegen als ein gestandener Unternehmer mit einem festen Umsatz. „Es gibt keinen Königsweg. Handwerker sollten ihre Strategie immer wieder prüfen, ihren Lebensumständen und ihrem Einkommen anpassen“, rät Rentenexperte Amler.

1. Das Fundament: die Basisrente

Annette Schwarz ist selbständige Farbrestauratorin in Leipzig. Vor fünf Jahren hat die 45-jährige Fachhandwerkerin der Denkmalpflege den Sprung in die unternehmerische Unabhängigkeit gewagt – und bis heute nicht bereut. Sie zahlte 18 Jahre ihre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenkasse. Nach heutigem Stand wird ihr das im Alter von 67 Jahren weniger als 500 Euro Rente einbringen. „Ich zahle nicht mehr in die Rentenkasse, weil ich mich nicht auf den Staat verlassen möchte, sondern meine Altersvorsorge lieber selbst in die Hand nehme“, begründet die Fachhandwerkerin ihren Austritt.

Schwarz holte vorab Informationen über mögliche Alternativen zur Rentenversicherung ein. Wichtig war ihr eine Basis-Absicherung fürs Alter. Sie hat sich für eine staatlich geförderte Rürup-Police der Gothaer entschieden (siehe dazu Musterrechnung auf Seite 12). „Die Steuervorteile waren dabei nicht ausschlaggebend, sondern dass ich einen monatlichen Betrag einzahle, mit dem ich kalkulieren kann, sowie die Flexibilität:Ich kann die Zahlungen einfrieren, wenn es schlecht läuft, oder am Jahresende zuzahlen, wenn ich gut verdient habe“, fasst die Unternehmerin zusammen. Sie wollte sich mit dem Rürup-Vertrag „eine kleine Sicherheit fürs Alter schaffen und darauf weiter aufbauen“.

Die Basisrente ist geschützt

Die Basisrente für Selbständige ist Insolvenz- und Hartz-IV-geschützt. Im Ernstfall dürfen Gläubiger auf die Rürup-Ersparnisse von Selbständigen nicht zugreifen. „Unternehmer können sich nicht auf die sozialen Sicherheitsnetze verlassen, die Angestellte bei Arbeitslosigkeit oder Firmenpleiten auffangen. Daher sollten die Ersparnisse für die Rente so sicher wie möglich sein“, sagt Constanze Hintze, Geschäftsführerin der Finanzberatung Svea Kuschel + Kolleginnen GmbH in München. Es komme beim Abschluss einer Basisrente nicht nur auf die Steuervorteile oder die Rendite an. „Eine Rürup-Police hat einen disziplinierenden Effekt: Die Unternehmerin wird die monatlichen Beiträge in ihr Budget fest einkalkulieren, womit der Aufbau der Altersvorsorge dann auch gelingt.“

Annette Schwarz besitzt noch eine Eigentumswohnung in Leipzig, die sie vermietet hat. Sie würde sie die Immobilie gerne verkaufen und sich von dem Geld „erst mal eine schöne Reise gönnen und den Rest als finanzielle Reserve zurücklegen“.

2. Der Zwischenbau:
die Betriebsrente

Vorbildlich hat Jens Beland an seiner Strategie für den Vermögensaufbau gefeilt. Die wichtigste Rolle spielt für den Malermeister und Geschäftsführer einer GmbH mit 25 Mitarbeitern in Oberfranken die Absicherung von Familie und Betrieb. „Wenn mir was passiert, ist genug Kapital da, um weiterzumachen“, sagt Beland. Dafür hat er eine Risikolebensversicherung abgeschlossen.

Seine Altersvorsorge plant er ohne die gesetzliche Rentenversicherung. Den Vermögensaufbau hat er auf mehrere Säulen verteilt: Als Basis sieht Beland seine Betriebsrente über eine Direktversicherung, abgeschlossen als Kapitallebensversicherung. Zusätzlich verfügt er über eine Pensionszusage der GmbH (siehe dazu Kasten Seite 16). Ohne Risiko für den Betrieb, wie der Unternehmer ergänzt. „Die Pensionszusage ist abgesichert und rückgedeckt über eine Versicherung. Der Vorteil: Die Zusage kann so problemlos aus der Firmenbilanz herausgenommen werden, wenn zum Beispiel der Betrieb mal verkauft oder übergeben werden soll“, so Beland. Außerdem hat der Unternehmer noch eine kleine Rentenversicherung und über seine Frau, die als Angestellte arbeitet, eine Riester-Police abgeschlossen. „Kleinvieh macht schließlich auch Mist“, meint er schmunzelnd.

Zusätzlich kauft er in der heimischen Region gebrauchte Immobilien, renoviert sie und vermietet sie dann. „Als Bauhandwerker kann man viel Eigenleistung reinstecken – das lohnt sich dann“, erklärt der Malermeister.

Anders als viele seiner älteren Unternehmerkollegen aus dem Handwerk, die in der Regel nur auf die Vorsorge-Klassiker wie Lebensversicherungen und das Eigenheim setzen, findet Beland auch Wertpapiere attraktiv. „In Aktienfonds investiere ich nur Geld, das ich nicht wirklich brauche. Allerdings ist diese Anlage für mich keine Form der Altersvorsorge. Dafür ist das Risiko zu hoch, Geld zu verlieren, wie die letzten Krisen an den Kapitalmärkten gezeigt haben.“

Anlagen verteilen

Nach Einschätzung von Vorsorgeexperten wie Hintze und Amler hat Beland vieles richtig gemacht: seine Vorsorge auf mehrere Anlagen verteilt, auf die Sicherheit seiner Ersparnisse für die Rente geachtet und seine Pensionszusage über eine Versicherung abgesichert, damit es bei einem späteren Betriebsverkauf keine Probleme gibt. Einzig die Investition in Wohneigentum als Vorsorge fürs Alter halten Fachleute für problematisch. „Eine Immobilie kann schnell ein Klotz am Bein werden. Gerade wenn man als Jungunternehmer seine gesamte Liquidität braucht, um das Objekt abzuzahlen. Dann raubt ihm das jede finanzielle Flexibilität“, gibt Finanzberaterin Hintze zu bedenken. Dennoch sind die eigenen vier Wände in Deutschland nach wie vor die wichtigs-te und beliebteste Vorsorgeform für den Ruhestand (siehe Grafik links). Erst an zweiter und dritter Stelle kommen die Klassiker der Altersvorsorge: private Renten- und Kapitallebensversicherungen. Wertpapiere wie Aktien spielen nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle.

3. Das Obergeschoss:
die private Vorsorge

Der Vater von Kerstin Witte fand Sparen fürs Alter ein wichtiges Thema. Daher habe sie bereits frühzeitig angefangen, sich mit ihrer Finanzplanung für die Rente auseinanderzusetzen, erzählt die Unternehmerin freimütig. Die 47-Jährige ist gelernte Kfz-Mechanikerin und Kfz-Betriebswirtin und führt heute gemeinsam mit ihrem Schwager ein Autohaus in Jesteburg bei Hamburg mit rund 150 Mitarbeitern, das die Marken Volkswagen und Audi vertreibt.

Vor rund sechs Jahren übernahm Kerstin Witte das Unternehmen von ihrem Vater und schloss damals bereits eine Betriebsrente ab. Neben ihrer Direktversicherung über den Betrieb investiert sie heute zusätzlich Geld in Schifffonds sowie in eine private Rentenpolice. Außerdem kaufte die Unternehmerin eine Wohnung, die derzeit zwar vermietet ist, „sich im Alter aber auch von mir selbst nutzen lässt“. Wichtig sei ihr bei ihrer Finanzplanung vor allem, „eine gute Mischung bei den Geldanlagen und gleichzeitig ausreichend liquide zu bleiben“, stellt Witte klar. Insgesamt fühlt sich die Unternehmerin fürs Alter gut abgesichert. Aber alle drei bis vier Jahre unterzieht sie ihre Vorsorgestrategie einem persönlichen Test und prüft, ob ihre Investitionen für die Rente noch zeitgemäß sind.

Klassiker sind eine sichere Bank

Berechtigt ist auch die Frage, ob private Lebens- und Rentenpolicen immer noch zeitgemäß sind und als sichere Basis für die private Altersvorsorge gesehen werden können. Denn die Kritik an den Klassikern der Altersvorsorge reißt nicht ab. Der Grund sind sinkende Renditen und Abschlussleistungen (siehe Tabelle oben).

Schließlich fürchten viele Kunden der Gesellschaften, dass ihnen in Zukunft gerade mal der staatlich zugesicherte Garantiezins gutgeschrieben wird. Für Verträge, die Kunden nach 2007 abschlossen, beträgt die Mindestausschüttung gerade mal 2,25 Prozent. Im kommenden Jahr sind es dann für Neuverträge nur noch magere 1,75 Prozent. Trotz der fallenden Verzinsung der Policen hält Manfred Poweleit, Chef des renommierten Branchendienstes Map-Report, der Lebensversicherer einem jährlichen Stresstest unterzieht, angesichts der aktuellen Börsenturbulenzen Lebensversicherungen für das immer noch beste Altersvorsorgeprodukt. „Deutsche Versicherungen dürfen am Kapitalmarkt kaum Risiken eingehen. Daher sind die Policen für Privatanleger immer noch eine sichere Bank“, pflichtet auch Finanzberaterin Hintze bei.

Den wichtigsten Punkt für eine gelungene Vorsorgestrategie bringt aber Kerstin Witte ins Spiel: „Bleibt nur zu hoffen, dass wir gesund bleiben, damit wir unsere Ersparnisse im Alter dann auch geniessen können.“

– cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

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