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Energiekosten Renditen bis zu zwölf Prozent

Steigende Energiekosten und sinkende Margen im Kerngeschäft sind vielen Handwerkern vertraut. Deshalb produzieren immer mehr Metzger, Bäcker oder Metallbauer ihren Strom selbst. Investitionsrenditen von zehn und mehr Prozent honorieren den Aufwand.

Topic channels: TS Stromeinkauf und TS Energieeffizienz

Die Krämer GmbH im schwäbischen Metzingen. Der Metallbauer mit 40 Beschäftigten hatte bis 2015 eine Jahresstromrechnung von 30.000 Euro. Mittlerweile verfügt der Betrieb, der ursprünglich über ein Energiemanagementsystem vor allem die Lastspitze von 50 Kilowatt auf 35 senken wollte, über eine Fotovoltaik-Anlage, deren Ertrag das Unternehmen bereits zu 70 Prozent selbst verbraucht.

Was nicht sofort benötigt wird, geht in die Akkus von Staplern sowie Schraubern und Bohrern, die die Monteure als mobile Handgeräte mit Wechselakkus benutzen. „Nachdem Speichersysteme immer günstiger werden, finden wir auch für den Wochenendstrom und die Ertragsspitzen noch eine Eigenverbrauchslösung“, sagt Geschäftsführer Stefan Krämer, der den Strom vor allem für Druckluft braucht. Weil bei deren Erzeugung mehr als 80 Prozent in die Abwärme gehen, denkt der Chef auch über deren Rückgewinnung nach.

Kältetechnik stabilisiert Last

Eigenstrom im Wert von 60.000 Euro produziert auch Peter Adler in Bonndorf seit letztem Jahr selbst. Eine 366- kWp-PV-Anlage hat der Metzgermeister auf fünf Dächern seines Schwarzwaldanwesens installieren lassen, in dem er vor allem Schinken produziert. Das 350.000 Euro teure Kraftwerk produziert 348.367 kWh pro Jahr, die der Betrieb komplett selbst verbraucht.

Im Mai 2016 kam eine Solar-Freifläche mit drei Megawatt Leistung hinzu, insgesamt werden nun etwa ein Viertel seines Jahresstrombedarfs von 15 Gigawattstunden (15 Mio. kWh) gedeckt. Die Abwärme seiner Kältetechnik wird seit August 2015 in zwei Stufen von 28 auf 78 Grad mittels strombetriebener Wärmepumpen hochtransferiert und in ein Nahwärmesystem überführt, das im Ort 120 Gebäude, darunter Schulzentrum, Rathaus und Gemeindehalle, mit Warmwasser versorgt.

Zukunftskonzept Energiepool

Ein Eisspeicher mit 120 Kubikmeter Wasservolumen als Puffer, um die Verbräuche von Großmetzgerei und Ort zu glätten und wahlweise Wärme oder Kälte zur Verfügung zu stellen, ging letztes Jahr ans Netz. Zusammen mit drei Blockheizkraftwerken (BHKW) die nachts und winters die Stromversorgung sichern, und einem Holzhackschnitzelwerk, das den bisherigen Jahresbedarf von 700.000 Litern Heizöl zum Kochen, Dampfen und Garen substituiert, investierte Adler einige Millionen Euro. Zukaufen muss er im Gegenzug nur noch Flüssiggas zum Betrieb der BHKWs und die Holzhackschnitzel.

In Summe liefert er dem Nahwärme-Netzbetreiber solarcomplex, einem Bürgerunternehmen aus Singen, das mittlerweile zwölf solcher Netze betreibt, Abwärme im Energievolumen von 500.000 Litern Heizöl. Die Rendite seiner Investitionen dürfte bei sechs Prozent liegen. Adler zeigt, wie immer mehr Technologien kombiniert und Verbraucher in Pools gebündelt werden, um die Energiewende dezentral und intelligent mit Renditen von bis zu zwölf Prozent zu organisieren. „Wenn man bedenkt, dass Banken aktuell Kapital zu 1,5 Prozent verleihen, verstehe ich nicht, warum uns die Nachfrage nicht längst überrollt“, sagt Björn Lamprecht, Geschäftsführer der Goldbeck Solar GmbH in Hirschberg, die nicht mehr nur PV-Anlagen, sondern Gesamtlösungen für energieautonome Betriebe und Quartiere anbietet.

Kilowattstunde zum halben Preis

Auf neun Prozent Rendite bringt es etwa die BÄKO-Zentrale Süddeutschland eG in Ladenburg. Seit Juni 2015 betreibt sie eine PV-Anlage mit 500 kWp Leistung für 500.000 Euro, deren Strom das Kühl- und Warenlager zu 90 Prozent verbraucht. Im Zuge einer Dachsanierung des 1973 in Ladenburg errichteten Gebäudes wurden die 6400 Quadratmeter Dachfläche mit einer PV-Anlage bestückt, die Goldbeck Solar konfektionierte.

BÄKO-Geschäftsführer Gunter Hahn: „Die Ost-West-Ausrichtung bringt nicht den maximalen Ertrag, ermöglicht aber, dass wir 90 Prozent des erzeugten Stroms selbst verbrauchen.“ Insgesamt produziert die Anlage 450.000 kWh Strom pro Jahr. Günstig auch hier die hohe Grundlast, die aus der Kühltechnik resultiert, die auch am Wochenende Strom verbraucht.

Durch exakte Berechnungen von stündlich benötigter Strommenge und erzielbarem Stromertrag unter Einbezug aller Verbrauchsprozesse, kostet die kWh Strom die BÄKO gerade noch 6,2 Cent gegenüber 16,5 Cent, die die Einheit zuvor inklusive EEG-Umlage gekostet hatte. Und: 2016 stieg die Umlage erneut um 0,18 Cent je kWh auf seither 6,354 Cent.

Beispielrechnung

So rechnet sich die Eigenstromproduktion am Beispiel einer kleinen Fotovoltaik-Anlage.

Anschaffungskosten 13.500 €

5-KW-Solaranlage samt Speicher (5 kWh Kapazität) kostet 2016 inkl. Installation

Förderung 1.500 €

Für den Speicher gibt es bis zu 1.500 Euro Zuschuss.

Gesamt 12.000 €

Ersparnis durch Eigenverbrauch 980 € p.a.
Erlöse durch zusätzliche Einspeisung 180 € p.a.

Von den 5.000 kWh/Jahr werden 3.500 selbst verbraucht. Kostet die kWh 28 Cent, entspricht dies 980 Euro Ersparnis auf die Stromrechnung. Werden 1.500 kWh zu 12,3 Cent ins Netz eingespeist, werden diese mit 180 Euro/Jahr vergütet.

Amortisation 10,34 Jahre

Die Anlage amortisiert sich in 10,34 Jahren. Steigt der Strompreis, geht es schneller.

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