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Strahlungsschutz Lichtbogenschweißen: UV-Belastungen korrekt ermitteln

Wie hoch die Gesundheitsrisiken durch UV-Strahlung bei Schweißarbeiten tatsächlich sind ist in der Praxis schwer einzuschätzen. Daher hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) dazu jetzt ein nützliches Tool entwickelt. Mit einer Drehscheibe können Sie die Belastungshöhe für Ihre Mitarbeiter schnell und einfach einschätzen.

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Schweißarbeiten sind mit einer ganzen Palette an Verletzungsgefahren und Gesundheitsrisiken verbunden. Zu den Gefährdungen durch Hitze, Verbrennungen und das Verblitzen der Augen kommen gesundheitsschädliche Schweißrauche, Lärm und manchmal auch scharfkantige Metallgrate. Das Tragen von Schutzausrüstung ist daher unverzichtbar. Schweißerschutz-PSA umfasst je nach Schweißverfahren eine schwer entflammbare Arbeitskleidung, Augenschutz, Schutzhandschuhe, Sicherheitsschuhe, Lederschürze, Kopf-, Gehör und Atemschutz.

UV-Strahlung beim Schweißen: Kollegen in der Nähe schützen

Übersehen wird manchmal, dass beim Schweißen auch die Vorgaben der Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung (OStrV) eingehalten werden müssen. Denn bei vielen Schweißarbeiten tritt UV-Strahlung auf. Lange unterschätzt, wissen wir heute, wie massiv UV-Strahlen Haut und Augen schädigen können. Diese Gesundheitsgefährdung reicht mehrere Meter weit, was an Schweißarbeitsplätzen nicht immer beachtet wird. Zwar ist der Schweißer selbst oft ausreichend geschützt – und wer ein mal verblitzt wurde, wird Schutzbrille oder Visier nie wieder vergessen –, doch die UV-Strahlung gefährdet auch andere Mitarbeiter in der Nähe.

Die OStrV legt verbindliche Expositionsgrenzwerte fest für alle Arbeitsplätze, an denen Mitarbeiter gegenüber optischer Strahlung – darunter fällt auch UV-Strahlung – exponiert sind. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung müssen der Arbeitgeber bzw. die von ihm beauftragen Arbeitsschützer und Vorgesetzte prüfen, ob die Grenzwerte mit den vorhandenen Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Eine UV-Exposition zu ermitteln, ist insofern nicht trivial, da die Lichtbögenemissionen sich je nach Schweißverfahren und Werkstoff deutlich unterscheiden und zudem im Zeitverlauf variieren. Damit betroffene Betriebe dennoch die Belastungshöhe für Ihre Beschäftigten ohne allzu hohen Aufwand oder komplizierte Messtechnik abschätzen können, hat die BAuA eine spezielle Handlungshilfe entwickelt.

Maximal zulässige Expositionsdauern schnell ermitteln

Die sogenannte Drehscheibe Lichtbogenschweißen besteht aus zwei Scheiben, die sich gegeneinander um eine gemeinsame Achse verdrehen lassen. Wenn man das Schweißverfahren (MAG, MIG, CMT o. a.) und den Werkstoff (Baustahl, nicht rostender Stahl, Aluminium) auswählt sowie die Schweißstromstärke einstellt, zeigt dieses kleine Werkzeug „im Handumdrehen“ die maximal zulässigen Expositionsdauern an. Diese hängen von der Entfernung zur Strahlenquelle ab. Unterschieden wird daher eine Entfernung von 1 Meter für Schweißhelfer und 3 Metern für andere Mitarbeiter, die z. B. in der Nähe arbeiten oder vorüber gehen.

Dieses Tool bietet ein unkompliziertes – aber von einer im Arbeitsschutz maßgeblichen Behörde abgesegnetes – Verfahren, das Sie als gute Orientierung für Ihre Gefährdungsbeurteilungen nutzen können. Halten Sie in Ihrer Dokumentation fest, dass Sie die Drehscheibe verwendet haben und mit welchen Ergebnissen.

Sie können die Drehscheibe Lichtbogenschweißen unter der Artikel-Nr. 03220 im Webshop der BAuA bestellen (2,73 Euro + Versandkosten). Eine Online-Version steht derzeit leider noch nicht zur Verfügung.

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