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Hausbank Kosten richtig verhandeln

Die Kosten für Finanzdienstleistungen steigen: Auch das Girokonto bei der Hausbank gibt es für den Betrieb nicht umsonst. Die Konditionen des Geschäftskontos sollten Handwerker regelmäßig prüfen – und mit der Bank neu verhandeln.

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Eine Welle der Empörung ging im April durch Deutschland. In seltener Einigkeit erklärten Sparkassen-Chefs, Privat-Banker und Banken-Aufseher „das Ende der Kostenlos-Kultur“ fürs private Girokonto. Für die Kontoführung werden die Deutschen künftig zahlen. „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen. Mangels alternativer Ertragsquellen lässt sich dieses Angebot aber auf Dauer nicht aufrechterhalten“, erklärte Felix Hufeld, Präsident der Finanzaufsicht Bafin.

Auswirkungen der EZB-Nullzinspolitik

Die Nullzinspolitk der Europäischen Zentralbank (EZB) macht den Banken mittlerweile schwer zu schaffen, die notwendigen Erträge lassen sich von den Finanzinstituten am Kapitalmarkt kaum noch erwirtschaften.

Das heißt, die Kunden müssen jetzt für Leistungen, die lange Zeit kostenlos waren, zahlen. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt, dass rund 40 Sparkassen und 150 Volks- und Raiffeisenbanken in bestimmten Fällen Gebühren fürs Geldabheben an den hauseigenen Automaten kassieren.

Geschäftskonto war nie kostenlos

Welche Konsequenzen hat das Ende der Kostenlos-Kultur aber auf Geschäftsgirokonten? Werden Unternehmer hier jetzt auch verstärkt zu Kasse gebeten? „Das Geschäftskonto war noch nie kostenlos. Das ist normal und wird von den Firmenkunden allgemein akzeptiert“, sagt Sigrid Herbst, Expertin für Zinsen, Entwicklungen und Entgelte im Banken-Markt bei der renommierten FMH-Finanzberatung in Frankfurt.

Beim Geschäftskonto sind aber andere Faktoren für die Kosten verantwortlich. „ Die Bonität des jeweiligen Handwerksbetriebs entscheidet über die Konditionen für das Geschäftskonto. Eine gute Bonität macht sich bezahlt und spart Geld. Unternehmen mit einer mittleren oder schlechten Einstufung zahlen generell mehr für Finanzdienstleistungen wie monatliche Transaktionen oder auch Kredite“, erläutert die Expertin.

Kunden-Nutzungsverhalten bestimmt Kosten

Die Kosten für das Geschäftskonto hängen stark vom Nutzungsverhalten des jeweiligen Unternehmens ab. Normalerweise setzen sie sich aus der monatlichen Kontoführungs­gebühr, Nutzungsgebühren für EC- oder Kreditkarten und den Buchungskosten zusammen.

Bei den Buchungskosten unterscheiden die Banken zwischen beleglosen und beleghaften Transaktionen. Und die beleghaften Transaktionen kosten zwischen 50 Cent bei der DKB und 1,90 Euro bei der Sparkasse Düsseldorf. Auch hier sichern die Banken über die Buchungskosten ihre Einnahmequellen.

Die Kosten für Einzelbelastungen wie Transaktionen könnten künftig weiter steigen. „Daher ist die Kontoführungsgebühr für Unternehmer nicht entscheidend, sondern die Anzahl der monatlichen Transaktionen. Das sollte man bei der Wahl des Geschäftskontos berücksichtigen“, empfiehlt Sigrid Herbst Unternehmern, die auf der Suche nach einer neuen Bankverbindung sind oder eventuell ein zweites Institut ins Boot holen wollen.

Filialbank ist erste Wahl für Firmenkunden

Die Entscheidung für den Wechsel ihrer Bank sollten Unternehmer nicht leichtfertig treffen. Denn eine neue Bankverbindung ist mit Aufwand verbunden und kostet Zeit.. Steht aber dennoch ein Wechsel an, sollten Unternehmer im Vorfeld ihre Anforderungen definieren, wie zum Beispiel die Anzahl der monatlichen Buchungen prüfen oder entscheiden, ob sie eine oder mehrere Firmenkreditkarten benötigen.

Tipp: „Als Unternehmenskunde sollten Handwerker immer zuerst mit den Instituten vor Ort oder in der Region sprechen. Entscheidend für Unternehmer ist der persönliche Kontakt zur Hausbank und die individuelle Beratung, auch wenn es um anstehende Finanzierungen geht“, rät Expertin Sigrid Herbst.

Beim Geschäftskonto können Chefs gut verhandeln

Für Firmen- und Geschäftskonten haben Filialbanken exklusive Ansprechpartner, die für Beratungsleistungen zur Verfügung stehen. Außerdem bieten die Institute häufig spezielle Leistungen bei Geschäftskonten, wie etwa zusätzliche Kreditkarten oder die kostenlose Einrichtung eines Fremdwährungskontos. Des Weiteren ermöglicht ein Geschäftskonto die Teilnahme am Lastschriftverfahren.

Unternehmer sollten sich auf jeden Fall unterschiedliche Geschäftskonten im Vergleich ansehen, um zu entscheiden, welches Konto für sie die idealen Konditionen zu einem günstigen Preis bietet. Handwerksunternehmer mit einer guten Bonität können die Konditionen für das Geschäftskonto oft individuell verhandeln. „Da gibt es nach wie vor viel Spielraum für Firmenchefs“, unterstreicht Sigrid Herbst.

Zweite Hausbank ist von Vorteil

Außerdem sei es nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für Handwerksunternehmen sinnvoll, einen zweiten Finanzpartner auszuwählen. Je größer der Betrieb, desto eher lohnt sich die Geschäftsbeziehung mit einer zweiten Bank.

Tipp: Experten raten: Ab 100.000 Euro Jahresumsatz sollten Unternehmer mit zwei Finanzpartnern zusammenarbeiten. „Das gibt der Firma mehr Sicherheit auch in schwierigen Zeiten und erhöht zudem die Flexibilität“, empfiehlt Expertin Herbst.

Checkliste: Geschäftskonto wechseln

Den Wechsel des Geschäftskontos sollte der Unternehmer gut vorbereiten. Denn die Änderung der Bankverbindung kostet Zeit.

  • Neues Geschäftskonto eröffnen. Per Telefon oder Mail Kontakt zu den Firmenkundenberatern aufnehmen und Infos zu den Konditionen und Service anfordern. Bei Vorrecherchen keine Fragen nach Kontoeröffnung oder Krediten stellen. Das kann das Rating negativ beeinflussen.
  • Zweigleisig fahren. Nach der Eröffnung eines neuen Geschäftskontos sollte die alte Kontoverbindung für eine Übergangszeit von sechs, besser bis zu zwölf Monaten bestehen bleiben.
  • Partner informieren. Wichtige Ämter und Geschäftspartner über die neue Bankverbindung schnell informieren: Finanzamt, Krankenkasse, Gemeinde, Versicherungen und Versorger. Wichtig: Die Kontoauszüge der letzten Wochen und Monate durchsehen, um einen guten Überblick über die Firmen und Ämter zu erhalten, die vom alten Konto abbuchen.
  • Neues Konto testen. Gerade in der Startphase regelmäßig prüfen, ob die neue Bankverbindung reibungslos funktioniert. Sind die Konditionen akzeptabel oder gibt es versteckte Kosten? Wie laufen der Service und die Beratung des neuen Instituts?
  • Altes Konto kündigen. Erst wenn sich die neue Bankverbindung bewährt hat, das alte Konto kündigen. Bei Freiberuflern und Einzelunternehmen wird das Konto von den entsprechenden Personen gekündigt. Konten der Gesellschaftsformen GmbH, Co KG, UG und OHG müssen von den Geschäftsführern gekündigt werden. Bei der Limited ist der Director für die Kündigung zuständig. Wichtig: Das Konto bei der alten Bank schriftlich kündigen. Im Gegenzug sollte das Institut dann die Kündigung des Geschäftskontos auch schriftlich bestätigen.
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