Die Baumann-Kolumne "Neues von der Werkbank" Kommentar: Wer nur bei Wind und Sonne produzieren soll, kann den Regen nicht finanzieren


Die Energiewende ist grandios gescheitert. Wenn Produktion und Leben vom Wetter abhängig sind, werden Effizienz und Planbarkeit zum reinen Glücksspiel, kritisiert Kolumnistin Ruth Baumann und rückt in dieser Folge von „Neues von der Werkbank“ die hochaktuelle Debatte um die Deindustrialisierung in den Fokus.

Ruth Baumann Landesvorsitzende UFH Baden-Württemberg
Ruth Baumann Landesvorsitzende ufh Baden-Württemberg. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. - © privat

Die gescheiterte Transformation zur moralisch integren und woken Agrarnation muss endlich bepreist werden. Die Kapriolen der schleichenden Einführung der Planwirtschaft erklären nun Wirtschaft und Steuerzahlern, wie sie ihr tägliches Leben nicht nach dem Mond-, sondern dem Sonnenstand ausrichten sollen. Bei Wind und Sonne produziert man, bei Bewölkung und Regen ruhen der solidarisch gewerbliche Betrieb sowie der private Haushalt. Schleudernde Waschmaschinen mit günstigem stromgedachten Mitternachtsstrom erleichtern sicherlich gut nachbarschaftliche Beziehungen.

Wenn der Umfang von Leistungen reduziert wird, darf man nicht die Kostenseite vergessen. Umsatzsteuer, Stromsteuer, KWKG-Umlage, Offshore-Netzumlage, §19 StromNEV-Umlage, Konzessionsabgabe, Netznutzungsentgelt, Messstellenbetrieb und Messungen sind allesamt Kosten, die nicht nur durch den Verbrauch, sondern auch durch die Politik bestimmt werden. Strom selbst zu produzieren, stößt vielerorts aufgrund der Netzregulierung an seine Grenzen. Die aufgenommenen Darlehen müssen voll bedient werden, obwohl der Nutzen limitiert wird.

Wer für Infrastruktur kassiert, muss auch liefern

Viele zahlen Kfz-Steuer, Spritsteuer, Maut etc., um mobil sein zu können. Ist dies überhaupt immer möglich? Wenn Straßen und Schienen marode, An- und Abfahrtszeiten der Bahn nur noch schätzbar sind, sind Zweifel angebracht. Wer für Infrastruktur „kassiert“, muss auch liefern. Ausfallende Zugverbindungen, Verspätungen, marode Brücken, kaputte Leitungsnetze, fragile Kabel, fehlende oder rückgebaute Rettungswege demonstrieren, dass „Daseinsvorsorge“ zum Wunschdenken fernab der Realität umgewidmet wurde. Angesichts der anstehenden neuen Berechnung der Grundsteuer sollten sich auch die Kommunen fragen, ob die eigene Leistung für eine Erhöhung oder Senkung spricht. Für was konkret werden Mieter und Vermieter zur Kasse gebeten?

Weil Bildung wichtig ist

Bildung ist wichtig, zukunftsweisend und wurde dennoch in den letzten Jahren stiefmütterlich behandelt. Und Bildung ist nicht allein die Grundlage für die spätere berufliche Entwicklung, sondern in gleicher Weise Garant für den weiteren Bestand gesellschaftlichen Zusammenlebens. Mündige Bürger brauchen Wissen, Urteilsvermögen, keine Ideologie und kein betreutes Denken. Marktwirtschaft hält Demokratie und Wissbegierde aus, bei der Planwirtschaft kann man Zweifel haben. Art und Umfang von Lernmaterial und -umgebung müssen eindrücklich zeigen, dass dem relevanten Auftrag verlässlich und verantwortlich Rechnung getragen wird. Für diese wichtige Investition in die Zukunft braucht es aber nun mal Geld. Geld, dass wetterunabhängig und stetig erwirtschaftet werden muss.

Die Folgen der Deindustrialisierung

Wer die Deindustrialisierung bejubelt, die Abkehr vom Leistungsprinzip zu Gunsten von Freizeit und Work-Life-Balance pflegt, vergisst die Folgen hieraus. Manche Dinge sind einfach nicht mehr länger finanzierbar. In einer Agrarnation kann selbst der in Plastik verpackte Bambusteller zum Luxusgut werden. Bahnfahrten als Boten gelebten Umweltschutzes leiden unter den nötigen Stromzukäufen aus dem Ausland. Flug- und Fahrbereitschaft scheinen nur den Vordenkern des Transformationsgedankens zugebilligt zu werden. Lieschen Müller hat die Videoschalte, andere Dubai live und in Farbe. Der zukunftsorientierte Kampf gegen Plastikhalme, die Dokumentation von Lieferketten, die Abkehr vom Verbrennermotor hat uns als Pionier im Ausland viel Beachtung gebracht. Statt Beispielgeber und Pionier-Dasein, hagelt es jetzt eher Unverständnis und Mitleid.

Wenn der Rotstift angesetzt werden muss ...

Wer jetzt nur noch bei Wind und Sonne produzieren soll, kann für Regen keine Schirme liefern. Bei vielen Relikten aus der Zeit der Industrienation, wie ausufernde Gutachten, Beratern, Beauftragten, Vorschriften, Dokumentationspflichten, … muss nun der Rotstift angesetzt werden. Das war zwar so nicht gewollt, ist aber die Wahrheit und trägt der künftigen Einnahmesituation nun mal Rechnung.

Über Autorin Ruth Baumann:

Bei Ruth Baumann war es ein zart gehauchtes "Ja", das sie in einen mittelständischen Straßenbaubetrieb und damit ins Handwerk brachte: Seit ihrer Hochzeit führt sie gemeinsam mit Ehemann Martin Baumann die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. Trotz ihres abgeschlossenen Hochschulstudiums entschied sie sich damals bewusst, in den Familienbetrieb einzusteigen und bekräftigte dies durch eine weitere Ausbildung zur Bürokauffrau. Zunächst im Ehrenamt bei den Unternehmerfrauen im Handwerk Freiburg, später als Präsidentin des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, war es ihr immer ein besonderes Anliegen, die Mitglieder mit einem gesunden Selbstbewusstsein und Stolz auf das Handwerk auszustatten. Sie sieht die Unternehmerfrauen als Wirtschaftsverband und vertritt dies auch in der Öffentlichkeit.

Ihre betriebliche Erfahrung wurde in der Folgezeit auch verstärkt in der politischen Theorie nachgefragt und stieß – zu ihrer eigenen Überraschung – auf immer mehr Resonanz. Es folgten unterschiedliche Kommissionen und Funktionen in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die sie mittlerweile auch auf Bundesebene ausführt. In Interviews, Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um das Handwerk gibt sie parteiübergreifend Einblicke in die Sorgen und Nöte von Familienbetrieben. Jüngst wurde sie in den Bundesvorstand der CDU gewählt und ist dort als "Handwerk mit Mundwerk und akademischen Grad" Mittler zwischen unterschiedlichen Welten.

Zugehörige Themenseiten:
Meinung, Neues von der Werkbank – Kolumne von Ruth Baumann und Zukunftsperspektiven im Handwerk