Fördermittel -

Förderprogramme Geld ist genug vorhanden!

Die Zahlen sind alarmierend: Viele Unternehmer finden keinen Nachfolger. Die Gründe sind vielfältig, doch an der Finanzierung liegt es nicht. Die Auswahl an Fördergeldern ist groß. Ein Überblick.

Themenseiten: TS Fördermittel und TS Gründungsfinanzierung

Eigentlich“, sagt Guy Selbherr, „ist die Lage für Betriebsübernahmen derzeit gut.“ Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) in Berlin steht mit dieser Einschätzung keineswegs alleine. Egal welchen Experten man derzeit fragt, die Aussage ist immer dieselbe.

Der Grund: Aktuell sind rund 40 Prozent der Inhaber mittelständischer Betriebe älter als 55 Jahre und werden somit in den nächsten Jahren einen Nachfolger brauchen. Allein in den kommenden zwei Jahren planen die Chefs von 236.000 kleinen und mittleren Firmen, ihr Unternehmen zu übergeben, wie aktuell eine Sonderauswertung von KfW Research belegt. Wer derzeit einen Betrieb übernehmen möchte, kann somit aus dem Vollen schöpfen.

Die meisten Nachfolger werden in Schleswig-Holstein, Thüringen und Baden-Württemberg gesucht. In Bayern, so zeigt eine Erhebung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, stehen bis 2021 knapp 30.000 Übernahmen an. Doch das große Angebot an Unternehmen ist nur die eine Seite der Medaille.
Die andere: Für knapp die Hälfte der bundesweit betroffenen Betriebsinhaber sieht die Lage nicht gut aus, denn sie haben noch keinen Nachfolger gefunden. Rund zwei Millionen Beschäftigte dieser Unternehmen und rund 90.000 Auszubildende sehen damit einer unsicheren Zukunft entgegen. Und die Situation, da sind sich ebenfalls alle Experten einig, wird sich nach 2020 verschärfen.

Jungunternehmer kennen die Fördermöglichkeiten nicht

Warum immer weniger Übergaben gelingen, dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. So beobachtet einerseits nicht nur Selbherr, dass „immer weniger Menschen Unternehmer werden wollen“. Oft sind es auch die alten Betriebsinhaber, die versäumen, sich für die Zukunft aufzustellen oder ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, wie Birgit Felden von der in Köln ansässigen TMS Unternehmensberatung betont.

Felden befasst sich seit Jahren mit dem gesamten Feld der Nachfolgeregelung. Mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten jedenfalls, da ist sich die Fachfrau sicher, sind es nicht, die Übernahmen verhindern. „Geld ist genug vorhanden.“ Sowohl auf lokaler und regionaler als auch auf gesamtstaatlicher und europäischer Ebene hat sich ein breites Spektrum an öffentlichen Förderprogrammen etabliert. Das Problem: „Viele potenzielle Neuunternehmer kennen die Vielzahl der öffentlichen Fördermittel nicht.“

Als Aufgabe der Zukunft sieht Felden denn auch weniger den Ausbau der Fördermöglichkeiten als darin, das Angebot so transparent zu machen, dass es Interessenten auch erreicht. „Es könnte sogar sein, dass eine Verschlankung der Sache gut tut“.

Die Fördersituation ist gut. Das sieht auch Axel Nawrath, Vorstandvorsitzender der L-Bank Baden-Württemberg , so. Bereits in den letzten Jahren, erläutert er, seien die Produkte kontinuierlich ausgebaut worden und würden bei guter Beratung auch angenommen. „2017 haben wir ein Plus von mehr als zehn Prozent verzeichnet. „Neue Programme“, stimmt er Felden zu, „sind in diesem Umfeld nicht notwendig.“

Gute Konjunktur lässt Unternehmenswerte steigen

Und auch die LfA Förderbank Bayern vermeldet für 2017 steigende Zahlen. 650 Unternehmensnachfolgen wurden mit einem Darlehensvolumen von knapp 175 Millionen Euro gefördert. Wie Projektmanagerin Melanie Kempf betont, „konnten damit Investitionen in Höhe von rund 240 Millionen Euro realisiert und über 5.300 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen werden“.

Auch die Produktpalette der Unterstützungen für Unternehmensnachfolger ist vielfältig. Das fängt bei Zuschüssen an und geht mit geförderten Darlehen weiter, die mit günstigen Zinsen, langfristiger Zinsbindung und anfänglicher Tilgungsfreiheit aufwarten. Hinzu kommen Nachrangdarlehen oder Mezzaninkapital, beides dient zur Eigenkapitalaufstockung, und schließlich Beteiligungen oder Bürgschaften.

Wobei besonders letztere nachgefragt werden, wie Experte Selbherr betont. Der Grund: die in den vergangenen Jahren und nach wie vor steigenden Kaufpreise. „Aufgrund der florierenden Wirtschaft klettern auch die Unternehmenswerte. Und auch wenn die Zinsen niedrig sind“, weiß Selbherr, „haben viele Nachfolger das Problem mit fehlenden Sicherheiten.“ Diese können durch Bürgschaften ersetzt werden. 2017 waren mehr als ein Viertel der genehmigten Vorhaben der Bürgschaftsbanken in Deutschland Übernahmen. Gemessen am Volumen war das sogar fast ein Drittel. Im direkten Vergleich zwischen Gründern und Nachfolgern haben die Bürgschaftsbanken 2017 erstmals mehr Übernehmer (51,4 %) als Neugründer (48,6 %) gefördert.

Möglich sind auch Kombinationen aus verschiedenen Förderungen. Zudem gibt es bereits im Vorfeld geplanter Übernahmen diverse Beratungsförderungen, die teilweise auch vom Übergeber beziehungsweise von beiden gemeinsam in Anspruch genommen werden können. So zahlt beispielsweise die Sächsische Aufbaubaubank einen Zuschuss von 50 Prozent der Netto-Honorar-Kosten eines Übergabebegleiters. Und der Freistaat Thüringen fördert über die Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung (GFAW) u.a. gezielt Handwerksbetriebe in technischen und betriebswirtschaftlichen Belangen. Ähnliche Programme gibt es in fast allen Bundesländern.

Angeboten werden die Maßnahmen von ganz unterschiedlichen Organisationen bis hin zum Arbeitsamt. Finanzierungen gibt es im Wesentlichen von der KfW, Förder- und Bürgschaftsbanken bzw. Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer. Berechtigt sind alle kleinen und mittleren Unternehmen, die die KMU-Definition der EU einhalten, also unter 250 Mitarbeiter haben, einen Umsatz, der 50 Millionen nicht überschreitet, und eine Bilanzsumme bis 43 Millionen Euro.

Dabei gilt grundsätzlich, dass die wenigsten Fördertöpfe speziell auf Übernahmen zugeschnitten sind. In der Regel eignen sich für Nachfolger dieselben Angebote, die auch für Existenzgründer gelten. Mit einem eklatanten Unterschied allerdings: Während Neugründer meistens mit kleineren Finanzierungsvolumina bis 10.000 Euro auskommen, brauchen Nachfolger im Schnitt deutlich mehr Kapital, 18 Prozent benötigen über 50.000 Euro, so eine aktuelle Auswertung der KfW. Und auch bei den 2017 von den Bürgschaftsbanken ausgegebenen Bürgschaften lag die durchschnittliche Höhe für Nachfolger mit etwas mehr als 203.000 Euro deutlich über der von Gründern mit rund 118.000 Euro.

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