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Branchencheck Friseure Friseurhandwerk: Mikrobetriebe verzerren den Wettbewerb

Im Friseurhandwerk wächst die Zahl der Kleinstselbstständigen, die Steuervorteile haben und größere Salons unter Preisdruck setzen. Doch noch bringt das gute Konsumklima der Branche Wachstum.

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Das Friseurhandwerk profitiert von der nach wie vor hohen Konsumfreude der Verbraucher, deshalb setzt sich das Umsatzwachstum weiter fort. Allerdings wird das Wachstum von 2017 mit 2,4 Prozent im Jahr 2018 nicht erreicht. Laut Statistischem Bundesamt wird es nur noch ein Umsatzplus von einem halben Prozent geben.

Problem Kleinstselbstständige

Sorge bereitet der Branche die große Zahl der sogenannten Kleinstselbstständigen. Diese beschäftigen keine Mitarbeiter, bilden keinen Nachwuchs aus und können unterhalb eines Jahresumsatzes von 17.500 Euro mehrwertsteuerfrei agieren. Die Zahl dieser Mikrobetriebe wächst seit Jahren, wird aber nicht gesondert statistisch erfasst. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks schätzt ihren Umfang auf rund 25.000 Einheiten und kritisiert, dass mit den steuerprivilegierten Mikrobetrieben eine „massive und unfaire Konkurrenz“ entstanden sei. Der Verband rät den etablierten Friseurbetrieben, sich von solchen Kleinstselbstständigen abzugrenzen und den Kunden ein Gesamtkonzept mit guten Serviceleistungen zu bieten.

Preise steigen

Der starke Wettbewerb um Mitarbeiter führt bei den Friseuren zu höheren Personalkosten. Die müssen Salonbetreiber auf ihre Preise umschlagen. Deshalb werden die Preise für Friseurdienstleistungen voraussichtlich weiter steigen.

Das belegt auch die Erfolgsvergleichsanalyse (EVA) von Wella. Sie zeigt, welche Dienstleistungen im letzten Jahr in welcher Intensität vom Konsumenten nachgefragt wurden. Frauen gaben demnach im Durchschnitt 56 Euro pro Besuch aus. Klarer Trend in den Salons: Auch 2018 fragen knapp 50 Prozent der Frauen Farbveränderungen nach.

Umsatz- und Kostenstruktur 2017/2018 (nach EVA Betriebsvergleich 2019 von Wella)

Aktuelle Konjunkturlage

Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks blickt laut aktuellem Konjunkturbericht zuversichtlich in die Zukunft der Branche und erwartet eine moderate Steigerung der Umsätze auch in diesem Jahr. Probleme bereitet den Betrieben die Nachwuchssituation, auch die Zahl der Salons stagniert seit Jahren.

Die Zahl der Friseurbetriebe in Deutschland ist leicht gesunken. Das zeigt die Handwerksrollenstatistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zum Stichtag 31.12.2018. Für 2018 weist der ZDH bundesweit 5.458 Zugänge sowie 5.611 Abgänge von Friseursalons aus.

Im Friseurhandwerk haben laut Erhebungen des ZDH im letzten Jahr 9.601 junge Menschen eine Friseurausbildung begonnen, was einem Rückgang von sechs Prozent entspricht. Die Zahl ist damit erneut deutlich rückläufig. Mit derzeit 20.982 Auszubildenden zählt das Friseurhandwerk aber dennoch weiter zu einer der ausbildungsstärksten Branchen in Deutschland.

Branchentrends

  • Männer
    Das Kundenverhalten hat sich hier geändert. Auch Männer entwickeln einen immer höheren Schönheitsanspruch. Sie sind insgesamt modebewusster geworden, und das schließt auch eine intensive Beauty- und Haarpflege ein.
  • Preise
    Größte Herausforderung der Branche bleibt der Nachwuchs- und Mitarbeitermangel. Höhere Personalkosten im Wettbewerb um Friseure müssen Salonbetreiber auf ihre Preise umschlagen. Die Preise für Friseurdienstleistungen werden deshalb weiter moderat steigen.
  • Digitalisierung
    Eine neue Berichtsheft-App für Azubis, Kundenlaufzettel per Notepad am Bedienungsplatz, die elektronische Kundenkartei, Frisurenberatung übers Internet, Ausbildung mit Augmented- und Virtual Reality-Anwendungen und natürlich WLAN im Salon. Die Digitalisierung in der Branche geht voran.
  • Bachelor-Studium
    Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) hat mit der Handwerkskammer Koblenz den Bachelor of Arts Business Administration (B.A.) mit dem Schwerpunkt Beauty-Management entwickelt. Der staatlich und international anerkannte Studiengang ermöglicht Jugendlichen, die sich für das Friseurhandwerk interessieren, attraktive Berufsperspektiven.
  • Frisurenmode
    Modetrends dürfen bei den Friseuren natürlich nicht fehlen. Die Trendkollektion Frühjahr/Sommer 2019 des Zentralverbandes begibt sich auf die Spuren der Siebziger. Eine Zeitreise in das Jahrzehnt der Disco-Bewegung, Hippies und des Glam-Rocks.

Kunden-Kennzahlen

  • 2,2 Prozent Preissteigerung mussten Kunden 2018 beim Friseur bezahlen
  • 3,1 Milliarden Euro pro Jahr geben Deutsche für Haarpflegemittel aus
  • 56 Euro geben Frauen im Durchschnitt pro Friseurbesuch aus
  • 22 Euro sind es bei Männern
  • 48,2 Prozent der Kundinnen wünschen eine Haarfärbung, von Männern wird das kaum nachgefragt


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