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Krankenstand im Handwerk Fehlzeiten 2019: Leichter Rückgang, aber mehr psychische Diagnosen

Laut aktuellen Fehlzeitenreport der IKK classic lag der Krankenstand im Handwerk 2019 bei 5,4 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte über dem Vorjahr. Während Muskel- und Skeletterkrankungen mit einem Anteil von 34,4 Prozent für die meisten Ausfalltage sorgen, gibt es bei den psychischen Erkrankungen die höchsten Zuwachsraten.

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Trotz guter Konjunktur und hoher körperlicher Belastung im Alltag haben die bei der IKK classic versicherten Handwerker auch 2019 wieder ihre besondere Robustheit unter Beweis gestellt: Wie die Analyse der IKK classic zeigt, war fast die Hälfte der Handwerker im vergangenen Jahr keinen einzigen Tag krankgeschrieben. Die Gesundheitsquote lag in der Branche bei 45,4 Prozent und damit über dem Gesamtschnitt aller bei der IKK classic versicherten Beschäftigten (44,7 Prozent). Im Durchschnitt waren Handwerker im vergangenen Jahr 19,6 Tage krankgeschrieben, etwas länger als die Gesamtheit der Arbeitnehmer (18,9 Tage), die durchschnittliche Falldauer lag bei 15,4 Tagen (gesamt: 14,3 Tage).

Muskel- und Skeletterkrankungen häufigste Ausfallursache

An der Spitze der Krankheitsursachen im Handwerk standen auch im Jahr 2019 die Muskel- und Skelett-Erkrankungen mit einem Anteil von 34,4 Prozent am Krankheitsgeschehen (gesamt: 31,4 Prozent). Damit fielen handwerklich Beschäftigte im Schnitt 6,7 Tage aufgrund von Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat aus (gesamt: 5,9 Tage). Dahinter folgten wie schon im Vorjahr Verletzungen und Vergiftungen mit 17,4 Prozent (gesamt: 15,2 Prozent).

Weiterer Anstieg psychischer Diagnosen durch Corona möglich

Auch im Handwerk ist eine erneute Zunahme der psychischen Diagnosen zu verzeichnen, ihr Anteil stieg gegenüber 2018 um 0,7 Prozentpunkte auf 13,4 Prozent. Diese Entwicklung bildet sich im Handwerk im Vergleich zum Durchschnitt der Arbeitnehmer traditionell etwas abgemilderter ab, hier stieg der Anteil der Psychischen und Verhaltensstörungen um 1,0 Prozentpunkte auf jetzt 16,6 Prozent. „Es ist nicht auszuschließen, dass diese Entwicklung im laufenden Jahr durch die Belastungen infolge der Corona-Schutzmaßnahmen weiter an Dynamik gewinnt“, sagt Michael Förstermann, Pressesprecher der IKK classic. Umso wichtiger sei es, die Betroffenen unkompliziert und zeitnah zu unterstützen. Das digitale Versorgungsprogramm ‚valecura‘ der IKK classic können Versicherte der Kasse bei Depressionen, Angststörungen oder Burnout in Anspruch nehmen. Mehr Informationen und Kontakt: www.ikk-classic.de/gesund-machen/leben/online-hilfe-psyche

Robuste Hamburger, gesundheitsanfällige Thüringer

Betrachtet man die verschiedenen Kernregionen der IKK classic ergeben sich deutliche Unterschiede im Krankheitsgeschehen. So lag die Gesundheitsquote in Thüringen lediglich bei 39,9 Prozent, in Bayern bei 50,4 Prozent und in Hamburg sogar bei 50,5 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf den Krankenstand: Am häufigsten krankgeschrieben waren die handwerklich Beschäftigten in Niedersachsen und Thüringen (jeweils 6,0 Prozent), den geringsten Krankenstand wiesen mit 4,8 Prozent Bayern und Baden-Württemberg auf. Bei den psychischen Diagnosen ist Hamburg mit einem Anteil von 19,7 Prozent eindeutiger Spitzenreiter, den geringsten Anteil machte diese Diagnose-Gruppe mit 11,7 Prozent in Thüringen aus.

Folgen der Demographie: viele Langzeitkranke

Die steigende Zahl der psychischen Diagnosen, die älter werdende Belegschaft und der anhaltend hohe Prozentsatz der Muskel- und Skelett-Erkrankungen führen dazu, dass im Handwerk mittlerweile 52,6 Prozent der Fehltage auf Langzeiterkrankungen über 42 Tage zurückzuführen sind (gesamt: 48,9 Prozent).

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