Hoffnungen, Erwartungen und Ergebnisse EuroSkills 2021 in Graz: handwerk magazin begleitet Fachkräfte bei der Berufe-EM

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handwerk magazin hebt die Europameisterschaft der Berufe dieses Mal auf eine ganz persönliche Ebene: Zu den EuroSkills 2021 in Graz begleiten wir fünf Wettkämpferinnen und Wettkämpfer der Deutschen Nationalmannschaft und schildern ihre Hoffnungen und Erwartungen im Vorfeld, aber auch Freude und Leid direkt nach der EM mit Blick auf die Ergebnisse. Gemeinsam haben alle: Das deutsche Handwerk kann stolz auf sie sein!

Team Germany bei den EuroSkills 2021 in Graz
Rund 400 Teilnehmer aus 23 Ländern waren bei den EuroSkills 2021 in Graz am Start. Aus Deutschland reisten 29 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer zur Berufe-Europameisterschaft nach Österreich. – © EuroSkills Graz 2021/Hans Oberlaender

Am 22. September 2021 war es endlich soweit: Die Europameisterschaft der Berufe konnte nach zweimaliger Corona -Verschiebung endlich starten. Zu den EuroSkills 2021 in Graz empfingen die Veranstalter von 22. bis 26. September 2021 rund 400 Teilnehmer aus 31 Mitgliedsländern. handwerk magazin konzentrierte sich in seiner Berichterstattung neben Kurzinfos und Medaillenspiegel (siehe Beitragsende) allerdings vor allem auf fünf deutsche Wettkämpfer, die wir im Vorfeld und Nachgang begleiteten. Lesen Sie hier die Porträts von Landmaschinenmechanikermeister Adrian Knapp, Malerin/Lackiererin Jacqueline Kuhn, Kälte- und Klimatechnik-Mechatroniker Lukas Brenne, Parkettlegermeisterin Regina Fraunhofer und Spengler Jonas Carstens bei ihrem persönlichen Weg durch die Berufe-EM im Schwarzl Freizeitzentrum in Premstätten und der Stadthalle Graz. Begleiten Sie noch einmal das Team Germany bei den EuroSkills in Österreich!

Adrian Knapp, Landmaschinentechnikermeister aus Krumbach in Hessen

Erwartungen und Hoffnungen im Vorfeld der EuroSkills 2021:
 Adrian Knapp, Teilnehmer EuroSkills 2021 in Graz
© WorldSkills Germany e.V.

Besonders aufgeregt ist Adrian Knapp noch nicht. „So wie es läuft, läuft es halt“, sagt der Landmaschinenmechanikermeister und lässt die EuroSkills auf sich zukommen. Er weiß, welche Maschinen im Wettbewerb drankommen und hat sich vorab alle noch einmal genau angeschaut, vom Radlader bis zur Sähmaschine. „Ich löse gern Probleme“, sagt der 26-Jährige und fährt damit sicher mit den besten Voraussetzungen nach Graz. Eher wenig Probleme wird ihm dort der Part mit der Fehlersuche bereiten. Das macht er in der Werkstatt seines Ar beitgebers, der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main, täglich. Somit sind die letzten Ar beitstage bis kurz vor dem Wettbewerb auch eine Art Vorbereitung. Adrian Knapp ist Nachrücker. Erst Ende April hatte er erstmals Kontakt zu seinem Trainer. Da der ursprüngliche Teilnehmer den durch Corona verschobenen Wettbewerbstermin nicht wahrnehmen kann, springt der gelernte Land- und Baumaschinenmechatroniker ein, der in Hessen Landesbester wurde und im Bundeswettbewerb 2019 den zweiten Platz belegte. „Diese Chance bekomme ich nur einmal“, dachte er, als er im Februar angerufen wurde. „Da mache ich auf jeden Fall mit.“

Schon als Kind hat der Krumbacher gern geschraubt und sich mit 18 Jahren bereits den ersten eigenen Schlepper gekauft. Aus seinen Aufgaben als Jugendfeuerwehrwart zieht er sich im Moment etwas raus, um mehr Zeit für die Wettbewerbsvorbereitungen zu haben – schließlich ist sein Ziel „Gold“. Aber seine 36 Kaninchen erlauben keine Vernachlässigung. „Manchmal füttert auch meine Freundin, doch ich bin spätestens jeden zweiten Tag im Stall.“

Verlauf und Ergebnis sowie Gefühle im Nachgang der Berufe-EM:

Der Wettkampf in der Disziplin 53, in der Adrian Knapp antrat, hätte nicht spannender verlaufen können. Der junge Land- und Baumaschinen-Mechatroniker belegte zwar den zweiten Platz, doch das schien lange Zeit kaum möglich. Aufgabe war es bei fünf verschiedenen Land- und Baumaschinen spezifische Einstellungen vorzunehmen und diese außerdem auf Fehler bezüglich ihrer Elektronik und Hydraulik zu untersuchen. Obwohl die beiden ersten Tage bis auf kleine Fehler weitestgehend zufriedenstellend verliefen, kam am Samstag dann der Schock: Für die Fehlersuche war ein bestimmter elektrischer Schaltplan notwendig, der sich allerdings trotz intensiver Suche einfach nicht finden lassen wollte. Knapp konnte die Aufgabe nicht zu Ende bringen und sah eine mögliche Platzierung auf dem Treppchen schon in weiter Ferne.

Doch wie sich später herausstellte, war es nicht nur ihm so ergangen, auch alle anderen Teilnehmer hatten ähnliche Probleme und so konnte er die Aufgabe doch noch für sich entscheiden. „Zu keinem Zeitpunkt konnte ich den Verlauf des Wettbewerbs wirklich einschätzen, was echt zermürbend war“, erklärt Knapp. Und doch gelang ihm eine Platzierung auf dem Treppchen – und nicht nur das: Adrian Knapp erreichte im deutschen Team die höchste Punktzahl und bekam so neben einer Medaille auch noch die „Best of Nation“-Trophäe überreicht. Die Freude könnte entsprechend nicht größer sein. Jetzt gilt es nur noch einen geeigneten Platz für seine beiden Preise zuhause zu finden.

Jacqueline Kuhn, Malerin/Lackiererin aus Bad Homburg in Hessen

Erwartungen und Hoffnungen im Vorfeld der EuroSkills 2021:
 Jacqueline Kuhn, Teilnehmerin EuroSkills 2021 in Graz
© WorldSkills Germany e.V.

Mustertapeten an die Wand bringen, das macht Jacqueline Kuhn besonders gern. Für die EuroSkills hat die Malerin und Lackiererin diese Fähigkeit trotzdem noch einmal trainiert. Genauso wie das Nachmischen eines vorgegebenen Farbtons, das dreifarbige Lackieren einer Tür mit Profilleiste und das Zeichnen des Grazer Uhrturms . „Mein Ar beitgeber, die Mensinger Malerwerkstätten, hat mich bei den Vorbereitungen sehr unterstützt. Ich konnte mindestens einen Tag pro Woche üben“, sagt die 23-Jährige. Dass alle Aufgaben im Wettbewerb auf Englisch gestellt werden, bedeutet für sie keine große Hürde. „Einige Fachbegriffe habe ich recherchiert und sonst ist mir Englisch geläufig. Nach dem Abitur war ich in Bournemouth, zum Praktikum an einer Sprachenschule.“

Was könnte dann also noch schief gehen in Graz? „Dass mir ein Missgeschick passiert, ich zum Beispiel einen Far beimer umschmeiße oder die Tapete verschneide“, sagt die Bad Homburgerin und weiß spätestens seit den Mentaltrainings, wie sie eine derartige Situation meistern kann. „Mir hilft: Abstand bekommen. Ich gehe dann weg und atme tief ein. So komme ich wieder runter. Es ist wichtig, sich nicht verrückt zu machen – obwohl ich natürlich schon einen Treppchenplatz anstrebe.“ Wenn Jacqueline Kuhn nicht als Malergesellin ar beitet oder Einradhockey spielt, treibt sie ihr Duales Studium voran. In zwei Jahren will sie es als Bauingenieurin abgeschlossen haben – und dennoch dem Handwerk treu bleiben. „Gern in Richtung Baustellenplanung oder Richtung Azubi-Betreuung, das mache ich teilweise jetzt schon.“

Verlauf und Ergebnis sowie Gefühle im Nachgang der Berufe-EM:

„Ich habe gekämpft bis zum Schluss“, erklärt Jacqueline Kuhn ihre Teilnahme an den diesjährigen EuroSkills, „und bin so immerhin auf Platz 7 von insgesamt 12 Teilnehmern gelandet.“ Harte Tage liegen hinter der jungen Maler- und Lackiererin, die sich während des Wettkampfs mit einigen Hürden konfrontiert sah. Schon an Tag eins brachte sie die Mustertapete nicht korrekt an die Wand an, weshalb sie eine andere Bahn wiederum falsch zuschnitt. An den darauffolgenden beiden Tagen, an denen es um Freihandzeichnen, das exakte Anmischen von Farben sowie Streichen und Lackieren ging, lief es schon wesentlich besser für Kuhn. Außerdem kam es am zweiten Tag zu einem Speedwettbewerb, bei dem alle Teilnehmer im Skill 21 (Painting und Decoration), gegeneinander antreten mussten. Innerhalb einer bestimmten Zeit galt es ein zuvor erhaltenes Muster abzukleben und die Felder dann nach Vorgabe auszulegen.

„Nach meinen Missgeschicken vom Anfang habe ich dann ordentlich Gas gegeben, dennoch hat mir am Ende des Wettbewerbs ein wenig die Zeit gefehlt“, resümiert sie. „Und auch, wenn es ganz knapp nicht zur Medal of Excellence gereicht hat, bin ich dennoch sehr zufrieden mit meiner Teilnahme.“ Insgesamt habe ihr der Wettkampf sehr viel Spaß gemacht und es sei eine tolle Stimmung sowohl im deutschen als auch in ihrem Skill Team gewesen. Trotz aller Konkurrenz wurde sich auch füreinander gefreut, lobt Jacqueline Kuhn.

Lukas Brenne, Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik aus Dortmund

Erwartungen und Hoffnungen im Vorfeld der EuroSkills 2021:
 Lukas Brenne, Teilnehmer EuroSkills 2021 in Graz
© WorldSkills Germany e.V.

Lukas Brenne geht mit WorldSkills-Erfahrung in den europäischen Wettbewerb in Graz. 2019 startete er bereits bei der Weltmeisterschaft der Berufe im russischen Kasan – und war mit seiner Leistung, die immerhin mit einer Medallion for Excellence ausgezeichnet wurde, nicht zufrieden. „Ich denke, dass es weitaus besser geht“, sagt der Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik. „In Kasan konnte ich nicht richtig zeigen, was ich drauf habe. Das will ich jetzt in Graz nachholen.“ Intensiv vorbereitet hat er sich im Bundesleistungszentrum IKKE in Duisburg, trotz der Distanz zu seinem Wohn- und Ar beitsort Dortmund. „Mein Chef bei der Sahara Kältetechnik unterstützt mich. Für die letzte Trainingswoche vor dem Wettbewerb hat er mich freigestellt.“

Hartes Training kennt der 23-Jährige noch aus seiner Zeit als Leistungssportler. Für den   Kanu-Slalom ist er morgens schon um 5 Uhr aufgestanden, um noch vor der Schule zu trainieren. Doch aktuell treibt es ihn nicht zum Sport. „Ich schraube in meiner Freizeit lieber an meinem Auto und fahre am Wochenende Kart.“ Lukas Brenne stammt aus einer Handwerker-Familie und hat nach dem Abitur eine handwerkliche Ausbildung dem Studium vorgezogen. Was ihm am meisten Spaß macht am Beruf? „Das Rundum-Paket. Es ist nie monoton, denn wir sind jeden Tag woanders und abends sehe ich, was ich geschafft habe.“ Noch zwei Monate, dann geht er seinen nächsten beruflichen Schritt: Die Meisterschule, für die er ein Stipendium erhalten hat, beginnt – hoffentlich mit einer glänzenden EuroSkills-Medaille in der Tasche.

Verlauf und Ergebnis sowie Gefühle im Nachgang der Berufe-EM:

„Ich hab’s geschafft und bin einfach nur erleichtert“, lautete das erste Statement von Lukas Brenne nach seiner diesjährigen erfolgreichen Teilnahme an den EuroSkills. Zuvor hatte er bereits 2019 an den WorldSkills im russischen Kasan teilgenommen, war damals allerdings nicht wirklich zufrieden aus dem Wettbewerb gegangen. In diesem Jahr schaffte er es mit dem 3. Platz nun endlich aufs Siegertreppchen, doch noch immer sieht er Potenzial in seiner Teilnahme.

Der ehrgeizige Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik sah sich einem „harten, schweißtreibenden Kampf“ gegenüber, der von einem ständigen emotionalen Auf und Ab begleitet war. Hierfür musste er am ersten Tag drei Module in Vorbereitung für die Kälteanlage bauen. Am nächsten Tag galt es dann innerhalb von acht Stunden alle Komponenten dieser Anlage zusammenzubauen und am dritten Tag schlussendlich noch Verkabelungen, Installation und Inbetriebnahme vorzunehmen. Außerdem musste noch zwei separate Module auf Fehler hinsichtlich ihrer Elektronik und Kältetechnik untersucht werden. Allen sieben Teilnehmern der Gruppe sei es ausgesprochen schwergefallen das hohe Ar beitspensum innerhalb eines kurzen Zeitfensters vollständig zu absolvieren und so schafften es gerade einmal die drei Erstplatzierten die Anlage komplett fertigzustellen. Das macht den jungen Mechatroniker am Ende doch ein wenig stolz auf seine Leistung: „Auch wenn es zu einigen Flüchtigkeitsfehlern kam, die man hätte vermeiden können, hat es sich definitiv gelohnt zu kämpfen“, erklärt er. Seinen Platz hinter Österreich und Frankreich kommentiert er lässig mit: „Treppchen ist Treppchen“.

Regina Fraunhofer, Parkettlegermeisterin aus Unterkenading in Bayern

Erwartungen und Hoffnungen im Vorfeld der EuroSkills 2021:
 Regina Fraunhofer, Teilnehmerin EuroSkills 2021 in Graz
© WorldSkills Germany e.V.

Regina Fraunhofer hält nicht viel davon, sich schon vor dem Wettbewerb verrückt zu machen, was alles schief gehen könnte. „Ich denke, das klappt schon. Eine positive Einstellung ist das Beste.“ Keine Frage, die Parkettlegermeisterin weiß, was sie kann. Natürlich auch, dass ihr der Bodenbelag Parkett am meisten liegt. Teppich und Linoleum – ebenfalls zu ihrer Disziplin „Bodenleger/in“ gehörig – sind dagegen in ihrem Berufsalltag bei der Parkett- und Fußbodentechnik Josef Fuchsberger selten gefordert. Deshalb hat sie das Verlegen und das Einfügen von Intarsien noch einmal extra geübt. „In den Vorbereitungstreffen und den vom Verein WorldSkills Germany organisierten Online-Trainings konnte ich viel lernen“, sagt die 22-Jährige. Mit einigen Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus dem deutschen Team ist sie längst über Social Media vernetzt und freut sich darauf, sie in Graz wiederzusehen. „Mein Ziel ist zu gewinnen, ganz klar“, erklärt sie. „Doch die Erfahrungen, die ich mitnehmen kann – das sehe ich als meinen größten Benefit bei der Veranstaltung.“

Herausforderungen sucht sich Regina Fraunhofer auch im Privaten. Aktuell legt sie bei ihrem Freund einen aufwändigen Musterboden mit einem Fries, also einem Zierstreifen, der den größten Teil der Bodenfläche wie ein Bild umrahmt. Wenn dann noch Zeit übrig bleibt, widmet sie sich dem Sport, dem Jugendchor oder ihren zahlreichen Instrumenten. „Ich spiele hauptsächlich Blockflöte und Hackbrett, aber auch Klavier, Gitarre, Harfe und Klarinette.“ Mit etwas Glück kann sie sich am 26. September 2021 zur Feier des Tages selbst ein Ständchen bringen.

Verlauf und Ergebnis sowie Gefühle im Nachgang der Berufe-EM:

Disziplin 50, die Disziplin der Bodenleger, hatte es ziemlich in sich. Das weiß keine besser als die deutsche Teilnehmerin Regina Fraunhofer: „In meiner Gruppe lagen wir alle extrem gleichauf, sodass es am Ende eine super knappe Entscheidung war.“ Doch von vorn: Gleich am ersten Tag kam es zur Freude von Fraunhofer zu ihrer Paradedisziplin, dem Verlegen von Parkett. Einem erfolgreichen Einstieg folgte jedoch am zweiten Tag die Ernüchterung. Es galt es Linoleum zu verlegen, ein Fachbereich, den die junge Parkettlegerin in ihrem normalen Berufsalltag nicht ganz so häufig macht. Entsprechend kam es auch zu kleinen Patzern, allerdings eben nicht nur bei ihr, denn auch die Konkurrenz machte so ihre Fehler.

Am dritten Tag sollte dann Teppich verlegt und Linoleum geschmolzen werden. Beide Aufgaben bewältigte Regina Fraunhofer weitestgehend zufriedenstellend, auch wenn sie einmal mit dem Messer abrutschte und der Belag so eine kleine Macke abbekam. Aber weil auch das nur eine Kleinigkeit war und es den anderen Teilnehmern ähnlich erging, kam es am Ende zu einem echten Kopf-an-Kopf-Rennen, das Fraunhofer – hinter Russland, Frankreich und der Schweiz – mit dem 4. Platz für sich entschied. Zwar wurde es nichts mit dem Treppchen, dennoch ist die junge Bodenlegerin sehr zufrieden mit ihrer handwerklichen Leistung. Genau wie auch mit den EuroSkills als Wettbewerb, den sie als einen sehr freundschaftlichen Wettkampf empfand, denn „wir haben uns in meiner Gruppe super verstanden, haben sogar Nummern getauscht und wollen weiterhin in Kontakt bleiben.“

Jonas Carstens, Spengler aus Wohlsdorf in Niedersachsen

Erwartungen und Hoffnungen im Vorfeld der EuroSkills 2021:
Jonas Carstens, Teilnehmer EuroSkills 2021 in Graz
© WorldSkills Germany e.V.

Blech ist sein Material. “ Man kann alles daraus machen“, schwärmt Jonas Carstens. Beim Wettbewerb wird er ein Holzmodell des Grazer Uhrturms damit verkleiden müssen, mit speziellen Falzarten. Dafür kommt in unterschiedlichen Farben lackiertes, glattes Aluminium zum Einsatz. „Sehr empfindlich“, erklärt der Spengler. „Wir müssen unheimlich aufpassen, dass wir keine Beulen und Kratzer machen.“ Extra geübt hat er diese Fertigkeit bei der SHK-Innung in Schweinfurt. Dort hat er auch den Teilnehmer der letzten EuroSkills kennengelernt. „Er hat mir noch Kniffe gezeigt und fachliche Tipps gegeben, zum Beispiel eine spezielle Variante einer Quetschfalte, die ich vorher nicht kannte.“

Eine Medaille wäre sicher cool. „Aber es ist auch so eine große Ehre, bei den EuroSkills teilzunehmen. Ich brenne fürs Handwerk“, sagt der 22-Jährige, der seine Ausbildung vor zwei Jahren abgeschlossen hat und jetzt im väterlichen Betrieb, der Heinrich Carstens Bedachungsgeschäft GmbH , ar beitet. Jeden Freitag geht es für ihn an den Elbcampus in Hamburg-Harburg. Wenn alles klappt, wird er dort 2023 sein duales Studium „Betriebswirtschaft KMU“ mit dem Bachelor abschließen. Ein strammes Programm – genau wie bei den EuroSkills in Graz. „Am Ende wird es um Nuancen gehen, denn alle Teilnehmer haben es drauf“, findet der Wohlsdorfer, der als Lebensmotto „Sabbel nich, dat geit“ gewählt hat. Nach dem ganzen Wettbewerbsstress wartet auch erst mal die Entspannung auf den leidenschaftlichen Angler, Windsurfer und Hobby-Koch: Ab in den Urlaub nach Griechenland.

Verlauf und Ergebnis sowie Gefühle im Nachgang der Berufe-EM:

„Man musste einfach brutal schnell sein“, resümiert Jonas Carstens ernüchtert den zweiten Wettbewerbstag der EuroSkills, an dem bedauerlicherweise nicht alles lief wie geplant. Der Auftakt einen Tag zuvor ging noch „brillant“ über die Bühne, alle Maße hatten soweit gepasst und es war sogar noch ein wenig Zeit am Ende des Tages über.

Die Aufgabe der sieben Kandidaten in der Disziplin 49 war es gewesen das Dachmodell des Grazer Uhrturms mit Aluminium zu verkleiden. Da bei sollten verschiedene Falztechniken angewandt werden. Und weil das Material ein sehr empfindliches in Bezug auf Beulen und Kratzer ist, war entsprechend 100 % Konzentration gefragt. Doch der enorme Zeitdruck des Wettbewerbs führte bei Jonas Carstens zu extremer Anspannung und Nervosität, sodass der junge Spengler versehentlich falsche Maße nahm und sich aufgrunddessen verschnitt. Es folgte jedoch wieder ein guter Schlusstag, der ihm letztendlich zu Platz 5 verhalf – der 1. Platz ging in seiner Disziplin an das Land Frankreich. Nichtsdestotrotz ist er sehr zufrieden mit seinem Ergebnis und schätzt rückblickend „den mega Zusammenhalt, das gute Miteinander und die tolle Party am Ende des Wettbewerbs“. Doch jetzt geht es für ihn erstmal zum Entspannen in den Urlaub nach Griechenland.

Kurzinfo: EuroSkills 2021 in Graz

Die Europameisterschaft der Berufe findet im Wechsel mit den WorldSkills, der Weltmeisterschaft der Berufe, alle zwei Jahre statt. Der ursprüngliche Termin 2020 in Graz musste aufgrund von Corona zweimal verschoben werden. Nun treten die jungen europäischen Fachkräfte an drei Wettbewerbstagen vom 23. bis 25. September 2021 gegeneinander an. Rund 400 Teilnehmer aus 23 Ländern werden bei den EuroSkills (22. bis 26. September 2021) in Graz erwartet. Aus Deutschland reisen 29 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer an, die in diesem Jahr ausnahmsweise maximal 26 Jahre (sonst 25 Jahre) alt sein dürfen. Die kommenden Weltmeisterschaften werden in Shanghai ( WorldSkills 2022) und die kommenden Europameisterschaften in St. Petersburg (EuroSkills 2023) ausgetragen.

EuroSkills 2021

WorldSkills Germany

Medaillenspiegel: Deutschland in der Nationenwertung auf Rang 5

Platzierung Land Anzahl der Medaillen
1.Russland27
2.Österreich26
3.Frankreich13
4.Schweiz12
5.Deutschland9

Quelle: kleinezeitung.at