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Pauschaldotierte Unternehmenskasse Betriebliche Altersvorsorge: Erträge mit der Kasse machen

Die pauschaldotierte Unternehmenskasse ist der älteste Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland. Unternehmen können dadurch zum einen ihre Ergebnisse in der bAV stark verbessern und zum anderen eigene Liquidität gewinnen. Das Konzept ist steuerlich stark begünstigt und trägt sich auch bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Themenseiten: TS Altersvorsorge und TS Betriebliche Altersvorsorge

Wir haben nachgedacht, wie wir unsere Mitarbeiter mit Angeboten in der arbeitgeberfinanzierten Altersvorsorge binden können“, sagt Mathias Gericke. Der Unternehmer hat 2017 die ALS Lackier- und Trockenanlagenbau GmbH in Berlin übernommen. Der Betrieb entwickelt individuelle Lösungen in der Planung, Konstruktion, Rekonstruktion, Fertigung und Montage von Lackier- und Trockenanlagen sowie im Ofenbau. Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind für Mathias Gericke entscheidend.

Die Idee einer bAV stammt von der Berliner Unternehmensberatung Intagus, die ihn bei der Übernahme von ALS begleitet hat und auf die Beratung beim Unternehmensverkauf und Unternehmenskauf im Mittelstand spezialisiert ist.

Ihr Konzept: die pauschaldotierte Unternehmenskasse. „Sie ist der ideale Weg, um nach einem Unternehmenskauf schnell für neue Liquidität zu sorgen – und den Mitarbeitern einen wirksamen Bleibeanreiz im Betrieb zu bieten“, sagt Intagus-Geschäftsführer Prof. Dr. Holger Wassermann.

Unternehmenskasse im Fokus

Zur Realisierung des Projekts nahm Unternehmer Gericke gleich nach der Übernahme der Gesellschaft Kontakt zur Berliner bacon pension trust AG auf, einer Unternehmensberatung für betriebliche Altersvorsorge mit Fokus auf die pauschal dotierte Unternehmenskasse. Vorstand Frank Strehlau und seine Berater setzen dieses Instrument vor allem im Mittelstand ein und öffnen unter anderem Handwerksunternehmen den Zugang zu diesem ältesten Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge.

„Die pauschaldotierte Unternehmenskasse rückt immer mehr in den Fokus strategisch denkender Unternehmer. Sie ist in Deutschland seit etwa 1834 bekannt. Ein Weltkonzern wie die Siemens AG setzt diese Unternehmenskasse seit rund 100 Jahren ein. Das Prinzip gilt als der betriebswirtschaftlich erfolgreichste Weg der bAV“, sagt Frank Strehlau.

Unternehmen mit Verpflichtung

Auch Unterstützungskasse genannt, ist die Unternehmenskasse (UK) eine rechtsfähige Versorgungseinrichtung. Sie führt betriebliche Versorgungsleistungen für Arbeitnehmer, ehemalige Arbeitnehmer und gegebenenfalls deren Hinterbliebenen in dessen Auftrag durch. Unternehmen übernehmen dabei die Verpflichtung, aus eigenen Mitteln Versorgungsleistungen zu zahlen, deren Höhe sie selbst festlegen. Die Unterstützungskasse stellt stets ein eigenständiges, unabhängiges Rechts- und Steuersubjekt dar und kann in Form einer GmbH, eines eingetragenen Vereins oder sogar einer Stiftung organisiert sein. Die pauschaldotierte Unternehmenskasse ist darüber hinaus vollständig versicherungsfremd. Bedeutet: Diese Form der bAV ist nicht abhängig von einem Versicherungsprodukt wie die Direktversicherung. Sie hängt auch nicht an einem ­Pensionsfonds oder Ähnlichem, der aufgrund des massiven Niedrigszinsumfeldes schwerwiegende Insolvenzrisiken aufweisen kann.

Die Haftungsrisiken des Unternehmers werden im Vergleich zu den übrigen Durchführungswegen erheblich begrenzt. So kann der Unternehmer nicht, wie etwa bei der Direktversicherung, bei einem Arbeitsplatzwechsel des Mitarbeiters für eine Lücke in der bAV in Haftung genommen werden. Durch die pauschaldotierte Unternehmenskasse werden die Gelder zur Vermögensverwaltung genutzt, um für den Zeitpunkt der Auszahlung genügend Kapital zu haben. Vorher entstehen keine Ansprüche.

Mathias Gericke war schnell von den Vorteilen überzeugt, wie er sagt. „Ich bin weiterhin von der Idee begeistert und der festen Überzeugung, dass dieses Instrument auch im Handwerk eine viel größere Beachtung verdient. Es ist gerade auch für kleinere Unternehmen ab fünf Mitarbeitern sehr interessant.“ Bei den Mitarbeitern kommt diese Art der sicheren bAV gut an, stellt Gericke heraus. „Vor allem die älteren Kollegen empfinden dies als sehr wichtig.“

Zahlungen individuell festlegen


Dies ist auch für Frank Strehlau ein entscheidender Punkt. „Die pauschaldotierte Unternehmenskasse ist eine Option für jeden Unternehmer, der steuerliche Vorteile und mehr Liquidität mit besseren Ergebnissen in der betrieblichen Altersvorsorge kombinieren möchte. Das Unternehmen entscheidet im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben individuell, ob und wann Zahlungen an die Unternehmenskasse geleistet werden. Diese Dotierungen sind als Betriebsausgaben steuerlich begünstigt und können rückwirkend bilanziert werden. Die Erträge der Unternehmenskasse sind von Beginn an 100 Prozent steuerfrei. Dies ist durch § 4d Einkommensteuergesetz abgesichert, wie Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte regelmäßig bestätigen.“ Übrigens: Auch kleine Unternehmen mit fünf, zehn oder 15 Mitarbeitern können die pauschaldotierte Unternehmenskasse implementieren. Der Gesetzgeber eröffnet sogar die Möglichkeit, freie Handelsvertreter, freiberufliche Dienstleister etc. als Begünstigte aufzunehmen. Denn je mehr Personen über die Unternehmenskasse abgesichert werden, desto höher ist der potenzielle Ertrag für das dotierende Unternehmen. Damit bestätigt Frank Strehlau die Auffassung des ALS-Geschäftsführers.

Steuerlich begünstigte Buchungen


Handwerksunternehmer können die frei wählbaren Dotierungen für eine frei wählbare Vermögensverwaltung einsetzen. Oder aber die Gelder verbleiben als Eigenfinanzierung im Unternehmen. Dabei fließt keine Liquidität ab, die Dotierung bleibt ein steuerlich begünstigter Buchungsposten in der Gewinn- und Verlustrechnung. Auf beiden Wegen werden die Erträge für die spätere Altersversorgung der Mitarbeiter generiert. Zusätzlich kann das Unternehmen seine eigene Ertrags- und Finanzierungsbasis stärken und macht sich von herkömmlichen Finanzierungsmethoden unabhängiger, sagt Strehlau. Dies sei völlig unbedenklich und werde von den Behörden auch so akzeptiert. Dem bacon-Vorstand ist kein Fall bekannt, in dem die individuelle Höhe der Dotierung, die Eigenfinanzierung, die Anerkennung der Dotierung als Betriebsausgaben und die Steuerfreiheit der Erträge fraglich gewesen seien.

Auch wenn die Dotierungen direkt im Unternehmen verblieben sind, ist die Altersvorsorge der Mitarbeiter über den Pensions-Sicherungs-Verein vor einer Insolvenz geschützt. Der Pensions-Sicherungs-Verein sichert sowohl die gesetzlich unverfallbaren Anwartschaften als auch die laufenden Renten. Dafür zahlt die Firma einen Beitrag an den Verein.

Mathias Gericke macht die jährlichen Dotierungen von den Überschüssen abhängig. Das sei letztlich aber auch der einzige Arbeitsaufwand, den er damit habe. „Es fällt so gut wie keine ­Verwaltungsarbeit an, das macht die pauschal dotierte Unternehmenskasse wirklich zu einem attraktiven Instrument.“ Gerickes Steuerberater kannte den Durchführungsweg übrigens nicht aus der Praxis und war erstmals im Rahmen des letzten Jahresabschlusses damit in Berührung gekommen. Sein Urteil: ebenfalls positiv.
Frank Strehlau stellt heraus: „Musterberechnungen zeigen, dass die Ergebnisse der pauschal dotierten Unternehmenskasse die von Direktversicherungen maßgeblich übertreffen. Der Wert der eigenen Unterstützungskasse für die Mitarbeiter lässt sich monetär nachweisen, ebenso für das Unternehmen an sich.“ Durch die Kombination der steuerlichen Vergünstigung in Dotierung und Vermögensverwaltung und der Nutzung als eigene stabile Finanzierungsbasis werde die pauschaldotierte Unternehmenskasse zu einer zukunftsträchtigen Option gerade für mittelständische Unternehmer.

„Sie können damit die Chancen nutzen, die lange Zeit nur die ganz Großen erkannt haben und sowohl die bAV als auch die eigene betriebswirtschaftliche Basis strategisch stärken.“

Fallanalyse

Was Sie bei einer Rück­abwicklung der bAV beachten sollten

Viele Lebens- und Rentenversicherungsverträge, die zwischen Ende 1994 und Ende 2007 geschlossen wurden, enthalten fehlerhafte Widerrufsbedingungen. Sie können deshalb rückabgewickelt werden. Das gilt auch für manche betriebliche Altersvorsorgeverträge.

  • Hintergrund Rund 100 Millionen Verträge wurden laut Versicherungskonzern Allianz von Ende 1994 bis Ende 2007 im gesamten deutschen Versicherungsmarkt abgeschlossen. „Eine große Anzahl davon kann widerrufen werden“, sagt Dennis Potreck, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Motion8.
    Seine Firma stellt Finanzdienstleistern unter anderem Software-basierte Services zur effizienten Rückabwicklung von ineffektiven Lebens- und Rentenversicherungsverträgen zur Verfügung und arbeitet mit spezialisierten Anwälten zusammen. Derzeit betreut Motion8 ein Rückabwicklungsvolumen von circa 150 Millionen Euro.
  • Vorteile Dennis Potreck sagt mit Blick auf die betriebliche Altersvorsorge: „Es sind unter gewissen Voraussetzungen auch betriebliche Altersvorsorgeverträge rückabwickelbar. Gegebenenfalls kann ein Unternehmer oder Geschäftsführer in dem Zuge die Art und Weise des Durchführungsweges der betrieblichen Altersvorsorge im Unternehmen durch einen Experten prüfen lassen, um durch Anpassungen der Struktur die Unternehmensliquidität deutlich zu erhöhen und den Mitarbeitern dadurch weitere Mehrwerte zu bieten.“
  • Bewertung Eine weitere sehr wichtige Basis ist eine realistische Forderungsberechnung, mit der sich prognostizieren lässt, welche Rückzahlungen und Nutzungsentschädigungen dem Kunden zustehen. Denn dafür liegt die Beweislast beim Kunden. Insbesondere die Berechnung der Nutzungsentschädigungen sei jedoch extrem komplex und sollte deshalb nur von professionellen Anbietern durchgeführt werden, stellt Dennis Potreck heraus.
  • Umsetzung Dennis Potreck warnt aber: „Auch bei eindeutiger Rechtslage ist ein erfolgreicher Widerruf kein Selbstläufer, sondern kann zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten mit unklarem Ausgang führen. Daher raten wir Unternehmern, sich eines erfahrenen Rückabwicklungsexperten zu bedienen, der durch spezialisierte Rechtsanwälte prüfen lässt und die Aussichten bewertet.“

Beispielrechnung So erzielen Sie steuerfreie Erträge

Auch bei einem vorzeitigen Ausscheiden des Mitarbeiters müssen die steuerlich begünstigten Dotierungen nicht korrigiert werden. So entsteht durch die betriebliche Altersvorsorge für den Betrieb ein sogenannter steuerfreier Fluktuationsgewinn.

Die niedrige „tatsächliche Auszahlung“ gegenüber der formalen Zusage beruht auf sogenannten Fluktuationsgewinnen. Diese entstehen durch das Ausscheiden eines Mitarbeiters aus dem Unternehmen vor dem Eintritt in den gesetzlichen Ruhestand, also vor dem 65. beziehungsweise 67. Geburtstag. Arbeitet der Mitarbeiter beispielsweise bei einer Laufzeit der Zusage über 30 Jahre acht Jahre im Unternehmen, steht ihm ein Bezugsrecht von 8/30 der verzinsten Beitragszusage zu. 22/30 der Gesamtsumme verbleiben als Gewinn fürs Unternehmen.

Dies ist rechtlich abgesichert, betont bacon-pensiontrust-Vorstand Frank Strehlau: „Die an den Mitarbeiter/Begünstigten zu leistende Rente oder Kapitalzahlung ist völlig unabhängig von der Anlage und den in der Unternehmenskasse angesammelten Mitteln. Auch bei einem vorzeitigen Ausscheiden des Mitarbeiters vor dem gesetzlichen Renteneintritt verbleiben die Dotierungen/Zuwendungen in der Unternehmenskasse. Einen Rechtsanspruch auf Zahlung erwirbt der Mitarbeiter erst nach Erreichen seines Renteneintrittsalters. Die Unternehmenskasse beziehungsweise bei der Innenfinanzierung auch das Unternehmen kann somit über Jahrzehnte und teilweise ewig erhebliche Erträge erwirtschaften, die steuerfrei sind.“ Das bedeutet: Eine Korrektur der Dotierung und eine damit einhergehende Reduzierung der Unternehmenskasse ist auch nach Ausscheiden des Mitarbeiters ausgeschlossen.

Beispielrechnung für ein Unternehmen mit 25 Begünstigten
Investition über 40 Jahre 500.000 bis 700.000 Euro
Formale betriebliche Versorgungszusagen, bis zu... 2,7 Millionen Euro
davon an die Geschäftsleitung, bis zu... 400.000 Euro
Tatsächliche Auszahlungen, bis zu...
(zu leistende Erfüllungsbeträge)
900.000 Euro
Zusätzliche Liquidität für das Unternehmen (Cash flow) 5,1 Millionen Euro

Die Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist eine Leistung, die der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer zur Alters-, Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenversorgung anbietet. Sie kann auf verschiedene Weisen organisiert sein. Der Arbeitgeber entscheidet, welche Lösung er anbieten möchte.
  1. Direktversicherung
    Lebensversicherungspolice für den Arbeitnehmer.
  2. Direktzusage
    Arbeitgeber verpflichtet sich zur Rentenzahlung.
  3. Unterstützungskasse
    Eigene Gesellschaft des Unternehmens zahlt die Rente.
  4. Pensionskasse
    Lebensversicherungsgesellschaft, die sich auf die bAV spezialisiert hat.
  5. Pensionsfonds
    Eigene Gesellschaft des Unternehmens mit speziellen Anlagerichtlinien.
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