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Arbeitsschutz Baugewerbe gegen Screening-Pflicht für Mitarbeiter

Wenn die Sonne so richtig vom Himmel strahlt, lassen Bauarbeiter auch gegen die Vorschrift gerne ihre Hemden fallen. Zum Schutz von Hautschäden will das Arbeitsministerium künftig jeden im Außenbereich tätigen Mitarbeiter zur Vorsorge schicken. Das Baugewerbe ist dagegen.

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Mitte April hatte sich das Arbeitsministerium an die bereits seit zehn Jahren bestehende Sonnenschein-Richtlinie der EU-Kommission erinnert, die für alle im Freien tätigen Mitarbeiter eine Pflicht zur Vorsorgeuntersuchung vorsieht. Laut aktuellem Plan sollen künftig alle Mitarbeiter, die täglich mehr als drei Stunden im Freien arbeiten, ein jährliches Hautscreening vornehmen lassen. Vorgesehen ist jeweils eine Ganzkörperuntersuchung, unabhängig davon, welche Körperbereiche bei der Arbeit tatsächlich dem Sonnenschein ausgesetzt sind.

Aufwand größer als der Nutzen

Nach Einschätzung von Felix Pakleppa,  Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, sind in der deutschen Bauwirtschaft etwa zwei Millionen Beschäftigte von der Regelung betroffen. „Es ist zwar verständlich, dass der Verband der Dermatologen eine solche Regelung unterstützt; ob sie der Sache dient und die Beschäftigten tatsächlich auch schützt, steht auf einem anderen Blatt.“ Schließlich verhielten sich trotz des bekannten Risikos bei hoher Sonneneinstrahlung viele Menschen nicht entsprechend, Pakleppa bezweifelt, dass die Prävention dann ausgerechnet auf den Baustellen besser funktioniert.

Aufklären ist besser als Vorschreiben

Das Baugewerbe verweist darauf, dass schon heute jährlich rund 450.000 Beschäftigte durch den arbeitsmedizinischen Dienst der Berufsgenossenschaft (BG) regelmäßig untersucht werden. Dabei wird auch ein Hautscreening vorgenommen. Bei den Präventionsveranstaltungen und –beratungen der BG wird immer auf richtigen Sonnenschutz, etwa durch entsprechendes Eincremen, aber auch durch passende Kleidung hingewiesen.

Pakleppa: „Wir halten die Präventionsarbeit der BG sowie die Eigenverantwortung der Beschäftigten für am wichtigsten. Hier kann mit E-learning und der modernen Digitalmedizin mehr erreicht werden also mit Pflichtuntersuchungen. Eine App, die die Beschäftigten darüber informiert, wie sie sich am besten schützen können, ist der bessere Weg.“ Denn letztlich sei bei Hautschädigungen nicht nachzuweisen, ob diese aufgrund der beruflichen Tätigkeit oder der Freizeitbeschäftigung entstanden sind.

Sonnenschutz bei Arbeiten im Freien

Menschen, die im Freien arbeiten, müssen sich schützen. Denn zu viel Sonnenstrahlung kann zu hellem Hautkrebs führen. Einige Möglichkeiten wirksam vorzubeugen, zeigt dieser Film der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Kampf gegen den Hautkrebs

(Stand April 2017)

UV-Strahlung ist mit 80 % die wesentliche Ursache von Hautkrebserkrankung en – der am häufigsten auftretenden Krebsart. Jährlich werden rund 240.000 Neuerkrankungen diagnostiziert, Tendenz steigend.

Gefährdet sind vor allem Menschen, die wie etliche Handwerker viel im Freien arbeiten. Daher wurde Hautkrebs vor zwei Jahren als BK5103 in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass z. B. Bauarbeiter, Dachdecker, Maurer oder Straßenbauer an einem Plattenepithelkarzinom erkranken, liegt 1,8-mal mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Aufs gesamte Jahr gesehen, sind Angehörige dieser Berufsgruppen einer zwei- bis dreimal so hohen UV-Exposition ausgesetzt, im Sommer steigt der Wert sogar leicht auf das Fünf- bis Zehnfache. Die mit BK5103 einhergehenden Konsequenzen stellen Arbeitgeber allerdings vor große Herausforderungen, denn sie tragen seitdem die Verantwortung, dass ihre Angestellten geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen.

Sonnencremes allein schützen nicht

Wichtig es ist, entsprechende Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Dennoch gibt es beim UV-Schutz aber noch Aufklärungsbedarf: Das Risiko wird von vielen Menschen immer noch unterschätzt.

Zum Thema UV-Schutz halten sich einige hartnäckige Irrtümer. So wird etwa die Bedeutung von Sonnenschutzcremes für den Hautschutz oft falsch eingeordnet. Professor Dr. Christian Surber, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gastprofessor an den Dermatologischen Universitätskliniken Basel und Zürich, empfiehlt, Sonnenschutzcremes immer als Ergänzung zu anderen Schutzmaßnahmen zu sehen.

Sonnencremes sollten dann zum Einsatz kommen, wenn z. B. Kleidung nicht ausreichend schützen kann, etwa in Gesichts-, Ohren- und Nackenpartien. Wer sich über längere Zeit oberkörperfrei im Freien aufhält, setzt seine Haut aber trotzt Eincremen schädigender Beeinflussung aus. Schon wenige Stunden Sonnenbad können Erbsubstanz-Schäden auslösen, Hautkrebs ist eine der möglichen Folgen. Auch beim Lichtschutzfaktor gibt es Missverständnisse. Nicht nur, weil er stark vom jeweiligen Hauttyp abhängig ist, sondern auch, weil die Angaben nur als Richtwerte betrachtet werden können.

Präventionsmaßnahmen finden und etablieren

Doch Präventionsmaßnahmen sind oft unpopulär und bei der Belegschaft nicht immer leicht durchzusetzen. Hier sind die Betriebe, aber auch die Hersteller von Hautschutzprodukten gefragt, Wege zu finden, den Arbeitern betriebliche Hautkrebsvorsorge so zugänglich wie möglich zu machen. Um das Angebot an Präventionsmaßnahmen zu optimieren, ist es wiederum erforderlich, herauszufinden, wie hoch die Belastung in den einzelnen Berufen tatsächlich ist.

Zu diesem Zweck führte Dr. Marc Wittlich vom Institut für Arbeitsschutz der DGUV eine Studie durch: Rund 600 Testpersonen stattete er arbeitstäglich über sieben Monate lang mit Dosimetern aus, kleinen Messgeräten, die die UV-Strahlungsbelastung aufzeichnen. Er kam in seinem Experiment zum Teil zu überraschenden Erkenntnissen, die für Unternehmer von einiger Bedeutung sind, wenn es etwa darum geht, Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen, Expositionsermittlungen durchzuführen oder natürlich geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.

Wie sich Mitarbeiter schützen:

  • Körperbedeckende Arbeitskleidung (Hose und Shirt/Hemd) aus Baumwolle oder atmungsaktiven Funktionsmaterial tragen
  • Kopfbedeckung nicht vergessen: Bei Einsatz von Bauhelmen ein leichtes Tuch unter dem Helm als Nacken- bzw. Ohrenschutz verwenden, ansonsten eine Kopfbedeckung mit breitem Rand/Krempe und Nackenschutz
  • Augenschutz: Sonnenschutzbrille (UV-Schutz) nach EN 166 und EN 172 mit seitlicher Abschirmung tragen, die auch für den Straßenverkehr geeignet ist
  • Sonnenschutzmittel: Für alle nicht geschützten Körperteile wie Gesicht und Arme Sonnenschutzmittel mit Lichschutzfaktor 30-50 verwenden und vor der Arbeit auftragen.
  • Getränke: Regelmäßig alkohlfreie Getränke konsumieren, am besten Wasser. Falls erforderlich, zusätzliche Arbeitspausen zum Trinken einplanen.

Internationaler Hautschutztag 2017

Das Thema „Hautkrebsprävention in Betrieben“ wird einer der Schwerpunkte beim Internationalen Hautschutztag 2017 sein. Die Veranstaltung tagt am 10. und 11. Mai im Zeughaus in Neuss. Neben Fachvorträgen mit interdisziplinärer Ausrichtung zählt auch die sich anschließende offene Diskussion zur etablierten Tagungsphilosophie. Zu den geladenen Rednern gehören u. a. auch Professor Dr. Christian Surber, Professor Dr. Thomas L. Diepgen und Dr. Marc Wittlich. Weitere Vorträge werden sich u. a. mit den Verhaltensänderungen befassen, die innerbetrieblich nötig sind, um Hautschutzmaßnahmen zu etablieren, mit verschiedenen Inhaltsstoffen und der Zusammensetzung von Hautschutzprodukten sowie mit neuesten dermatologischen Erkenntnissen.

Wer Interesse hat, die Veranstaltung zu besuchen, kann sich hier anmelden: www.internationaler-hautschutztag.de 

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