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Finanzierung im Mittelstand Alternativen zu Kredit und Hausbank

Die Digitalisierung, der technische Fortschritt, der Aufbau eines Warenlagers, die Übernahme oder Gründung eines Betriebes: Unternehmer zu sein, kostet viel Geld. Zur Finanzierung dieser Vorhaben steht eine ganze Bandbreite an Fremdmitteln zur Verfügung. Eine Studie zeigt, welche Finanzierungswege Unternehmer nutzen - und warum.

Themenseiten: TS Außenstände, TS Crowdfunding, TS Factoring, TS Finetrading und TS Mezzanine

Gut die Hälfte aller kleinen und mittelständischen Unternehmen finanziert ihre Investitionen mit Eigenmitteln. Nur 31 Prozent nehmen einen Kredit zur Vorhabenfinanzierung auf. Immerhin zwölf Prozent nutzen staatliche Fördermittel und sechs Prozent geben ‚sonstiges‘ als Finanzierungsmittel an – so die Ergebnisse einer Studie des Researchhauses Statista.com. Der Kredit ist unverändert die meist genutzte Quelle für Fremdmittel. Doch die neuen sogenannten Basel-III-Auflagen für die Banken sorgen dafür, dass Handwerker vermehrt Sicherheiten stellen müssen, um an Kredite zu kommen. Wer das nicht leisten kann oder will, hat Alternativen. Sie liegen in den Finanzierungsarten und in den Finanzierungsgebern.

Folgen fehlender Finanzierung

Compeon, ein Online-Portal für gewerbliche Finanzierungen, hat in seiner Studie „Mittelstandsfinanzierung in Deutschland 2018“ knapp 600 Geschäftsführer und Entscheider aus dem Mittelstand zu ihrer Finanzierungssituation befragt. Eines der Studien-Ergebnisse: Verweigern Banken eine Finanzierung, sind die Folgen schwerwiegend – bis hin zum Personalabbau. Fast zwei Drittel der Befragten der Studie haben bereits negative Auswirkungen im eigenen Unternehmen gespürt (61,7 Prozent), 29,3 Prozent der Befragten konnten geplante Innovationen nicht umsetzen. Weitere 21,3 Prozent konnten Aufträge nicht annehmen, 17,4 Prozent beklagten als Folge einen Umsatzrückgang. Und für 13,2 Prozent der Unternehmen resultierte aus einer nicht gewährten Finanzierung sogar ein Personalabbau.  Unternehmen, die 2018 mehr als 10 Millionen Jahresumsatz erwirtschaftet haben, spüren die Folgen nicht gewährter Finanzierung sogar noch stärker – die Wahrscheinlichkeit eines Personalabbaus ist hier mit mehr als 17 Prozent noch höher.

Investitionsbereitschaft ist leicht rückläufig auf hohem Niveau

Dies ist in Zeiten anhaltend hoher Nachfrage nach Handwerkerleistungen besonders nachteilig. Die Betriebe sind bereit, zu investieren – aber sie nutzen noch nicht alle Finanzierungsquellen aus. Eine im April 2019 durchgeführte Umfrage von Creditreform bei bundesweit 1.100 Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigen ergab folgende Zahlen: 55,2 Prozent der Befragten planen in den nächsten Monaten ein Investitionsvorhaben. Im Vorjahr waren es noch 58,8 Prozent. Vorrangig stehen im Mittelstand Ersatzinvestitionen auf der Agenda (60,7 Prozent der Befragten). Erweiterungsinvestitionen planen etwas weniger Unternehmen als im Vorjahr (54,5 Prozent gegenüber 56,4 Prozent im Vorjahr). Zur Finanzierung dieser Vorhaben, sollten Unternehmer nicht immer nur an ihre Hausbank denken, findet Compeon-Geschäftsführer Nico Peters: „Auch wenn die Ausgangssituation durch die gute Auftragslage und ausgelastete Beschäftigung positiv ist, ist gerade jetzt eine Phase, in der Unternehmen weitere Finanzierungspartnerschaften aufbauen sollten. Nur so lassen sich Puffer für schlechte Zeiten schaffen“, sagt er.  Die Ergebnisse seiner Studie zur Mittelstandsfinanzierung legen nahe, dass die Unternehmen ähnlich denken – und handeln: 82,1 Prozent der befragten Unternehmen haben mindestens zwei geschäftliche Bankverbindungen (zum Vergleich: 2017 waren es lediglich 72 Prozent). Unternehmen stellen ihre Finanzierung breiter auf und sind offen für neue Anbieter.

Finanzierungsmix – im Mittelstand noch keine Realität

Um die Folgen nicht gewährter Finanzierungen zu minimieren, setzen Unternehmen mit höherem Jahresumsatz auf einen breiten Finanzierungsmix. Der Vorteil: Durch spezialisierte Finanzierungslösungen wie Factoring oder Finetrading nutzen diese Unternehmen die besonderen Vorteile der jeweiligen Finanzierungsform bei gleichzeitiger Kosten- und Geschwindigkeitsoptimierung. Kleineren Unternehmen fehlt hier oft das nötige Know-how. 2018 nutzten kleinere Unternehmen hauptsächlich Produkte wie Darlehen (55 Prozent), Leasing (33,3 Prozent) und den Kontokorrentkredit (27,4 Prozent) und begrenzten dadurch nicht nur den eigenen Spielraum, sondern insbesondere auch die Reaktionszeit, beispielsweise wenn ein Auftrag vorfinanziert werden musste.

Dabei ist gerade Schnelligkeit neben einem niedrigen Zins einer der drei wichtigsten Aspekte in Bezug auf eine Unternehmensfinanzierung. Die Mehrheit der Befragten gab mit 58,6 Prozent an, dass eine schnelle Finanzierungentscheidung der wichtigste Aspekt bei einer Finanzierunganfrage sei – noch vor einem niedrigen Zinssatz (56,4 Prozent) und einem kompetenten Ansprechpartner beim Finanzanbieter (51,8 Prozent).
 

Alternative Finanzierungen – Wissen schafft Vorteile

Alternative Anbieter als Ergänzung zur Hausbank sind für viele Unternehmen aktuell oft noch keine Option. Factoringgesellschaften, Crowdfinanzierer und Co. sind die Schlusslichter bei der Frage, auf welche Finanzierungsdienstleister Unternehmen schon einmal zurückgegriffen haben. Rund ein Zehntel der Befragten gab an, sie hätten schon mal ein Fintech oder Online-Plattformen für eine Finanzierung genutzt (neun Prozent). Mit 19,1 Prozent greifen Unternehmen aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe mehr als doppelt so häufig auf die Dienste von Fintechs zurück. In der Compeon-Studie vom Vorjahr gaben 80 Prozent der Unternehmen an, einer Nutzung von FinTechs gegenüber aufgeschlossen zu sein.

Leasing wird relativ oft für Firmenfahrzeuge oder Maschinen verwendet. Die Vertragsbindung schränkt allerdings die freie Verfügung seitens des Unternehmens ein. Das gilt ebenfalls für Beteiligungskapital, das Investoren ein Mitspracherecht einräumt.

Wer eine wirklich optimierte Finanzierung auf die Beine stellen möchte, kann über Finanzierungsplattformen die meisten Banken, Sparkassen und viele private Finanzierer erreichen. Die bekanntesten sind, neben Compeon, smava, Finpoint und Funding Circle. Das Prozedere ist unkompliziert und geht schnell: Der Handwerksunternehmer stellt sein Finanzierungsvorhaben vor, muss dabei alle für den Geldgeber relevanten Angaben machen und kann darüber hinaus ankreuzen, ob er staatliche Fördermittel nutzen möchte. Diese Finanzierungsanfrage sehen alle mit der Plattform verbundenen Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und andere Kreditgeber. Wer glaubt, ein konkurrenzfähiges Angebot machen zu können, schickt seine Offerte an den Handwerksunternehmer. Dieser kann so sehr schnell die Konditionen vergleichen und das für ihn vorteilhafteste Angebot annehmen.

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