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Fördermittel Nachfolge ­sicher finanzieren

Bund und Länder unterstützen Nachfolger mit attraktiven Förderkrediten. Wie Seniorchef und Jungunternehmer eine nachhaltige Finanzierung aufstellen und beide Seiten profitieren.

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Jörg Weinmann ist ein Förderprofi. Kontinuierlich richtete der Orthopädietechnikermeister das Sanitätshaus Weinmann in Ebersbach, Baden-Württemberg, zu einem führenden Dienstleister für Gesundheit in der Region neu aus. 1995 übernahm Weinmann gemeinsam mit seiner Frau Bettina den elterlichen Handwerksbetrieb und baute ihn mit damals fünf Mitarbeitern zu einem Unternehmen mit heute 70 Beschäftigten aus.

Die Firmenübernahme stemmte Weinmann mithilfe eines Gründerdarlehens der Landesförderbank L-Bank. „Wir finanzierten damals die Übernahme und einen Neubau gleichzeitig. Das funktionierte super. Daher prüfen wir jetzt bei anstehenden Investitionen immer zuerst, ob es passende Fördergelder gibt“, erklärt Weinmann. Die Vorteile liegen für den Unternehmer auf der Hand: „Durch die langfristige Zinsbindung können wir die Kosten über Jahre kalkulieren. Das gibt uns die notwendige Planungssicherheit“, erläutert der Unternehmer. Auch den aktuellen Neubau, die neue Firmenzentrale in Göppingen, unterstützte die L-Bank mit einer sogenannten „Ressourcenfinanzierung“. 2017 ziehen 45 Mitarbeiter dann in den neuen Hauptsitz ein. Was so leicht klingt, ist aber für den Unternehmer harte Arbeit. „Man muss die Banken regelmäßig mit Zahlen füttern. Die Entwicklungen des Betriebs frühzeitig aufzeigen, die Situation für die Banken bereits im Vorfeld transparent darstellen. Nur dann sagen sie die Finanzierung für Projekte auch kurzfristig zu“, sagt Weinmann.

Tempo für Nachfolgen steigt

Weinmann profitiert bei der Umsetzung seiner Wachstumsstrategie von seiner Erfahrung mit Förderinstituten und Hausbanken. Derzeit stehen aber viele Verkäufer im Handwerk vor der Herausforderung, erst mal einen passenden Nachfolger zu finden. Jeder sechste mittelständische Unternehmer in Deutschland plant, bis zum Jahr 2018 sein Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben oder zu verkaufen. Am liebsten an ein Familienmitglied (siehe Infografik). Das sind 620.000 Unternehmen mit etwa vier Millionen Beschäftigten, wie eine aktuelle Studie von KfW-Research auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels zeigt. Der Generationenwechsel im deutschen Mittelstand legt damit deutlich an Tempo zu: Vor drei Jahren berichteten noch 14 Prozent oder 530.000 Mittelständler von einer kurzfristig anstehenden Nachfolge.
Diesen Trend bestätigen auch die Bürgschaftsbanken. Im ersten Halbjahr 2016 stieg das Volumen der für Unternehmensübernahmen vergebenen Bürgschaften und Garantien der Deutschen Bürgschaftsbanken gegenüber dem Vorjahr überraschend stark um mehr als 30 Prozent. Von den 3.134 im ersten Halbjahr unterstützten kleinen und mittelständischen Unternehmen waren 804 Neugründer und 734 Nachfolger.

Die Bürgschaftsbanken stellen 2016 außerdem fest, dass Jungunternehmer größere Finanzierungsbeträge für den Kauf brauchen. „Die gute Konjunktur treibt die Kaufpreise für Nachfolgevorhaben in die Höhe. Folglich steigt das nachgefragte Kreditvolumen für Unternehmensnachfolgen“, kommentiert Guy Selbherr, Vorsitzender des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB). Bei der Finanzierung des Kreditvolumens sind Fördermittel von Bund und Ländern oft unverzichtbar. Denn die öffentlichen Fördergelder sind nicht nur unschlagbar günstig, sondern unterstützen Nachfolger auch mit attraktiven Konditionen, die die gesamte Laufzeit gelten. Das heißt, Jungunternehmer können langfristig ihre Verpflichtungen kalkulieren.

Fördertöpfe ausschöpfen

Auch 2016 sind die staatlichen Fördertöpfe wieder gut gefüllt. Im ersten Halbjahr vergab die KfW bereits 4,6 Milliarden Euro für Gründungen und allgemeine Unternehmensfinanzierung. Nachfolger können mit Fördergeldern von Bund und Ländern beispielsweise die Betriebsübernahme, eine Unternehmensberatung, Betriebsmittel oder Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Betrieb finanzieren (siehe Tabelle, Seite 78).
Vor der konkreten Finanzierung steht für den Verkäufer und den Nachfolger allerdings eine saubere Planung: Nach Einschätzung des Bankenverbands werden bei der Vorbereitung einer Nachfolgefinanzierung bestehende Probleme oft erst erkannt, wenn die Banken die Geschäftsmodelle der zu übergebenden Unternehmen prüfen. Eine sorgfältige Vorbereitung hilft, diese Probleme zu vermeiden (siehe Kasten, Seite 77). „Die Bank prüft insbesondere die Angemessenheit des Übernahmepreises und gestaltet unter Berücksichtigung der verfügbaren Sicherheiten und Eigenmittel eine optimale Finanzierungsstruktur – oft werden Fördermittel hier berücksichtigt“, erklärt Walter Weik, Leiter Bereich Wirtschaftsförderung der L-Bank.

„Weil Nachfolger oft zu wenig Sicherheiten stellen, sind die Angebote von Bürgschaftsbanken gerade bei Nachfolgefinanzierungen hilfreich“, ergänzt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands. Denn Bürgschaftsbanken haften für bis zu 80 Prozent des Kredits und übernehmen so einen Großteil des Risikos für die Banken. Ist die Bürgschaftsbank im Boot, sagen die Hausbanken die Finanzierung eher zu.

Als größte Herausforderungen bei der Nachfolge im Handwerk definiert Sven Volkert, Geschäftsführer bei der Bürgschaftsbank in Hessen, verschiedene Faktoren: „Verkäufer und Nachfolger stellen gemeinsam einen realistischen Zeitplan auf. Ein Berater der Handwerkskammer sollte diesen Schritt bereits begleiten und hilft dann auch bei der Preisfindung für den Betrieb“, erklärt Volkert die beste Vorgehensweise.

Als weiteren Faktor nennt Volkert dann noch „eine gute Einarbeitung des Nachfolgers in interne und externe Abläufe“. Dazu gehöre neben einer internen Einführung auch die Vorstellung und Begleitung bei Lieferanten, wichtigen Kunden sowie dem Steuerberater, Banken und Versicherungen. „Der Alteigentümer muss diesen Prozess begleiten und Vertrauen aufbauen. Denn der Kaufpreis des Handwerksbetriebs rechnet sich für den Käufer nur, wenn die Ertragslage stabil bleibt. Und das gelingt mit einer sorgfältigen Übergabe“, so Volkert.

Mit Sanfter Übergabe punkten

Eine „sanfte Übergabe“ mit entsprechender Vorbereitung und Einarbeitung des Nachfolgers vollzogen Vater Dietrich Eckhardt und Sohn Henrik-Dietrich Eckhardt bei der Bäckerei Eckhardt in Hatzfeld an der Eder. Der Betrieb beschäftigt heute 190 Mitarbeiter an 20 Standorten. „Die Übergabe des Betriebs würde ich im Rückblick als Prozess bezeichnen, der insgesamt fünf Jahre dauerte“, sagt Henrik-Dietrich Eckhardt.

Nachfolger muss überzeugen

Der Steuerberater und der Notar, als Vertrauenspersonen der Eltern, gaben den Anstoß, die Nachfolgeregelung konkret anzugehen. „Im Mittelpunkt stand dabei eine Risikoanalyse: Wenn meinem Vater was passiert, gibt es keine Sicherheit für die Existenz des Unternehmens und auch nicht für viele treue Mitarbeiter, die seit vielen Jahren zur festen Stammbelegschaft gehören“, so der Henrik-Dietrich Eckhardt, der aufgrund einer Mehl-Allergie keine Ausbildung zum Bäcker absolvierte, sondern Betriebswirtschaft in Flensburg studierte. Allerdings unterstützte er während seiner gesamten Ausbildung seine Eltern in der Verwaltung und Logistik des Bäckereibetriebs. Nach dem Studium stieg Eckhardt dann als kaufmännischer Leiter in das Unternehmen seiner Eltern ein.

Den Kaufpreis ermittelte im Vorfeld ein Berater der Handwerkskammer Kassel. „Das war für uns ein Riesenglück. Der Berater der Kammer war ein objektiver Dritter und es gab dann zwischen uns keine großen Diskussionen mehr“, erklärt der Nachfolger. Die Frankenberger Bank finanzierte das Gründungs- und Wachstumsdarlehen für die Übernahme von 300.000 Euro. Die Bürgschaftsbank Hessen sicherte die Nachfolgefinanzierung des hessischen Bäckereibetriebs mit einer Ausfallbürgschaft ab.
Neben einem soliden Finanzierungsplan und einer im Businessplan aufgezeigten Wachstumsstrategie für den Handwerksbetrieb überzeugte die beteiligten Banken auch Henrik-Dietrich Eckhardt als geeigneter Nachfolger und Unternehmerpersönlichkeit. „Das Konzept bestehend aus Zeitplan, Kaufpreis, Finanzplan war rund. Und die Persönlichkeit des Nachfolgers gab den Ausschlag für eine positive Entscheidung von unserer Seite“, erklärt Sven Volkert von der Bürgschaftsbank Hessen.

Die Einflussfaktoren: So ermitteln Sie den Wert des Betriebs

Den Ertragswert eines Betriebes beeinflussen verschiedene Faktoren wie moderner Maschinenpark und gute Mitarbeiter. Wann Firmenchefs beim Verkauf gut aufgestellt sind.
Anlagevermögen
Wenn Maschinen veraltet sind und das Warenlager abgeschrieben ist, mindert dies den Wert der Firma. Im Idealfall investieren Unternehmer kräftig in moderne Maschinen oder Immobilien und passen die Produktpalette den Marktgegebenheiten stetig an.

Abhängigkeit vom Unternehmer
Bei vielen Handwerksbetrieben, insbesondere kleinen Firmen, hängt das Wohl des Betriebes allein von der Person des Firmenchefs ab. Scheidet er aus, verliert der Betrieb schlagartig an Wert. Es sollte eine zweite Führungsebene bestehen – etwa ein qualifizierter Mitarbeiter, Sohn oder Tochter.

Mitarbeiterstruktur
Erfahrene Fachkräfte braucht jede Firma. Es ist positiv, wenn sich qualifizierte Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen binden. Es sollten sowohl jüngere als auch ältere Fachkräfte im Team beschäftigt sein.

Leistungsangebot
Eine marktgerechte und wettbewerbsfähige Leistungspalette sichert die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Spezialisierungen in Märkten mit hoher Nachfrage und Wachstumschancen wirken sich positiv aus. Der Unternehmer sollte darauf achten, dass zum Beispiel neue Techniken eingesetzt werden und das Leistungsspektrum stetig neuen Entwicklungen angepasst wird. Als treibende Kraft für eine Steigerung des Unternehmenswertes gilt Umsatzwachstum. Die Größe zeigt an, wie die Leistungen der Firma am Markt ankommen. Die Erträge sollten mindestens proportional gestiegen sein.

Kundenstruktur
Stammkunden zählen, andererseits darf das Unternehmen nicht zu stark von wenigen Großkunden abhängig sein. Eine breit gestreute Auftraggeberstruktur wirkt sich positiv aus.

Lieferantenstruktur
Kostenvorteile ergeben sich vielfach aus einer festen Lieferantenbindung. Werden hier über mehrere Jahre feste Beziehungen gepflegt, gute Konditionen erzielt, wird dies positiv bewertet. Andererseits darf die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten nicht zu groß sein.

Branchenentwicklung und Wettbewerb
Der Firmenchef sollte den Vergleich mit Kollegen nicht scheuen. Relevant werden überdies Gewährleistungen oder auch Standortfaktoren wie die Verkehrslage.

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